Sechs Fragen an Oskar Stolovits

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur Oskar Stolovits konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Sechshundert Warm“ erfahren, der auf den 58. Hofer Filmtagen 2024 lief, wie er kein Casting benötigte und wie er selbst vom Zauberer zum Filmemacher wurde.

Wie ist die Idee zu Eurem Kurzfilm entstanden?

Die Idee entstand während einer Inszenierungswerkstatt, bei der ich versucht hatte, den Schlussstreit aus „Alle Anderen“ (R: Maren Ade) lustig zu inszenieren. Das hat überhaupt nicht funktioniert! Ich hatte einen Blackout und wusste überhaupt nicht, wie ich weitermachen soll. Zum Glück saß Jule Peuckmann (BFF, Drehbuchautorin und Schauspielerin) neben mir und hatte die grandiose Idee eines Pärchens, die nach einem Dreier suchen und ihren neuen Partner aus Versehen umbringen. Mit der Idee wurde der Streit endlich lustig!

Warum habt ihr euch für eine Mockumentary entschieden und welchen visuellen Ansatz brachte das mit sich?

Franz Warnek und Jule Peuckmann

Wir haben uns im Team für eine Mockumentary entschieden, weil man durch den „Fake-Doku“ Stil die Möglichkeit hat, total absurde Geschichten glaubwürdig zu erzählen. Visuell hat unser Kameramann Tillmann Seiffert versucht „Sechshundert Warm“ so zu drehen, wie das auch ein Fernsehdoku-Team machen würde: Nur mit einer Kamera und dadurch ohne die Möglichkeit eine Szene nochmal aus verschiedenen Takes im Schnitt zusammen zu puzzeln.

In welchem Rahmen und über welchen Zeitraum habt ihr den Film auf die Beine gestellt? Wo genau habt ihr gedreht?

Als der Film entstanden ist, waren wir alle Studierende an der Filmakademie Baden-Württemberg im ersten Jahr. Wir hatten all-in-all ca. sechs Wochen Zeit. Dafür haben wir zwei Tage bei mir in der WG in Ludwigsburg und in einem BDSM-Hotel in Stuttgart gedreht.

Die Darsteller:innen sind gut ausgewählt – wie verlief der Casting-Prozess? Worauf habt ihr geachtet?

Franz Warnek und Jule Peuckmann

Da unsere Drehbuchautorin Jule Peuckmann auch fantastisch schauspielern kann, gabs hinter dieser Entscheidung keinen langen Casting-Prozess 😉. Franz Warnek und Frederik Krischer studieren gegenüber von uns an der Akademie der darstellenden Künste Baden-Württemberg. Frederik durfte ich schon mal während eines anderen Kurzfilms inszenieren und Franz habe ich mal in einem Theaterstück auf der Bühne gesehen und habe ich dann für „Sechshundert Warm“ angefragt. Ich habe mich also in meinem Bekanntenkreis umgeschaut und gemerkt, dass ich von lauter tollen Schauspielenden umgeben bin.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Franz Warnek und Jule Peuckmann

Ursprünglich komme ich aus der Zauberkunst. Seit 2017 trat ich als Zauberer auf Geburtstagen, Hochzeiten und Firmenfeiern auf. Mein Ziel war es, nach dem Abitur hauptberuflich Zauberkünstler zu werden. Im Frühjahr 2020 lief es damit auch richtig gut, doch plötzlich kam Corona und alle Auftritte wurden abgesagt. Also fing ich an Physik zu studieren (Wie auch immer diese Entscheidung zustande gekommen ist). In der Zeit hatte ich auch in der Zauberei eine große Sinnkrise: Ich wusste nicht, wie ich die Geschichten, die erzählen wollte, in der Zauberei unterbringen konnte. Auf Firmenfeiern wollen die Menschen unterhalten werden und haben keine Lust, sich mit düsteren Sinnesfragen auseinanderzusetzen. Also schmiss ich mein Physikstudium nach drei Wochen hin, zauberte weniger und fing ein Praktikum in der „Galileo“-Redaktion an. Ich schlängelte mich von Job zu Job, bis ich schließlich 2023 an der Filmakademie aufgenommen wurde.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Neue Projekte sind immer geplant. 😊 Als nächstes würde ich gerne was mit Nazis machen!

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Sechshundert Warm

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