Sechs Fragen an Holga Rosen

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher und Cartoonisten Holga Rosen konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Midnight Egg“, der im Programm des 40. interfilm Festival Berlin 2024 lief, erfahren, wie Salz ihn zur Geschichte hinführte, wie der Wechsel von Comics auf Bewegt-Bild war und ob der Film als Teamarbeit entstand.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?

Anlass für „Midnight Egg“ war der Kurzfilmwettbewerb ‚Dreifacher Axel‘, der jährlich im Rahmen des Kurzfilmfestival Hamburg stattfindet. Zu einem vorgegebenen Thema werden Filme bis drei Minuten Länge gesucht, die dann um den Publikumspreis buhlen. 2024 war das Thema ‚Salz‘. Ich hatte relativ schnell die Idee mit dem Ei und der daraus entstehenden Spukgeschichte, mir fehlte aber lange eine vernünftige Pointe. Bis einen Monat vor der Deadline endete meine Geschichte noch mit dem Erscheinen des Geistes. Ich dachte, das ist zwar nicht doll, aber irgendwie wird es schon funktionieren. Glücklicherweise kam mir noch rechtzeitig die Idee mit dem Sprung nach draußen und der Bierdose, durch die „Midnight Egg“ erst rund geworden ist.    

Hast Du eine Schwäche für das Horror-Genre?

Ja, das habe ich. Schon als Kind haben Monster- und Gruselfilme die größte Faszination auf mich ausgeübt. Genretypische Motive nicht nur zu konsumieren, sondern selbst zu kreieren, mich aktiv mit den Mechanismen des Leinwand-Horrors zu beschäftigen, macht mir Heidenspaß.  

Du arbeitest vor allem als Cartoonist, wie war der Übergang zum bewegten Medium?

Eigentlich wollte ich schon immer Filmemacher werden, aber es scheiterte stets an meiner Bequemlichkeit. Film bedeutet schließlich enorm viel Zeit und Arbeit. Ich bin vermutlich Cartoonist geworden, weil ich da mit dem geringsten Aufwand visuell Geschichten erzählen kann.

Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, ausschließlich digital zu arbeiten, sprich: auf Tablet statt auf Papier zu zeichnen, war der Übergang zum bewegten Medium nicht mehr schwer. Ich musste mich nur in die Animationsfunktion meiner Grafiksoftware einfuchsen, das reine Handwerk ist ansonsten identisch.

Dein Stil des Films unterscheidet sich von deinen anderen Werken – was lag Dir visuell am Herzen?

Ich wollte halt mal etwas komplett anderes machen, so bin ich eben bei diesem Stil gelandet. Vielleicht probiere ich demnächst wieder etwas ganz anderes aus. Aber ja, mir ist wichtig, dass meine Filme visuell für sich alleine stehen. Dass niemand, der ausschließlich mit meinen Cartoons vertraut ist, denkt: Typisch Rosen. 

Hast Du den Film als Ein-Mann-Team gestemmt oder hattest Du Unterstützung?

Ich brauchte zwei Darsteller als Vorlagen für den Geist und den nächtlichen Spaziergänger, ansonsten ist „Midnight Egg“ ein reines Ein-Mann-Projekt. Der Animationsfilm ist ideal für mich, da ich leider überhaupt kein Teamworker bin.

Sind bereits neue filmische Projekte geplant?

Ja, es sind einige geplant. Aktuell arbeite ich an einem neuen Dreiminüter für den kommenden ‚Triple Axel‘, das Thema lautet diesmal „Mission: Impossible“. Es wird ein surrealer Sci-Fi-Horror-Thriller im Animationsstil von „Midnight Egg“, nur sehr viel aufwändiger und actionreicher! Und sehr blutig. Aber auch lustig, wie ich finde.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Midnight Egg

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