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5.-10. November 2024 / Berlin
Festivalbericht: Einen runden Geburtstag feierte das interfilm Festival Berlin in diesem Jahr. Zum 40. Mal fand in der Hauptstadt das internationale Kurzfilmfestival statt. Seit 2007 gibt es parallel dazu das Kinderfilmfestival KuKi. Unter der Leitung von Heinz Hermanns und Alexander Stein gab es in diesem Jahr eine Woche lang vom 5. bis 10. November 2024 über 300 Kurzfilme aus 56 Ländern in über 70 Programmen zu entdecken. Unter diesen wurden Preise in einem Gesamtwert von über 40.000 € vergeben.
Internationaler Wettbewerb
Im Internationalen Wettbewerb des diesjährigen interfilms wurden 49 Filme gezeigt. Der auch bereits beim Sundance Film Festival ausgezeichnete spanische Film „The Masterpiece“ gewann den Hauptpreis Berlin-Brandenburg Short Award – Best Film. Der Regisseur Alex Lora erzählt darin von gesellschaftlichen Abgründen, ohne dass man ahnen kann, welche Abzweigung der Film als Nächstes nimmt. Ein charmante Geschichte aus Frankreich gewann den Best Live Action Award: „Queen Size“ von Avril Besson erzählt von Neuanfängen und Begegnungen. Auch der Gewinner des Best Cinematography Awards erzählt von einer zwischenmenschlichen Anbahnung, doch in „Cross My Heart and Hope to Die“ kommt überraschend alles anders als man denkt und lässt einen nachdenklich zurück. So auch „Hymn of the Plague“ aus Russland, der den Preis Best Sound Design gewonnen hat und davon erzählt, wie Menschen weitermachen, obwohl um sie herum die Welt zerbricht. Nicht Wegschauen kann dagegen die Erzählerin des Films „There Are People in the Forest“. Der Film von Szymon Ruczyński schildert in schlichten Animationen die Ereignisse an der polnisch-weißrussischen Grenze 2021 und 2022. Er gewann den Best Animation Award.
Doch im internationalen Programm konnte man auch noch viele weitere großartige Kurzfilme entdecken. Unter den Spielfilmen fielen vor allem der peruanische Short „The Assistant“ von Pierre Llanos auf, der aus der Sicht eines Kindes auf heimliche durchgeführte Abtreibungen schaut, der französische „Monochrome“, der einen anderen Weg der Bekämpfung von Rechtsradikalismus erzählt, und die sympathische Komödie „The Head on Him“, die von einer Jugend in Dublin berichtet, auf. Im Gegensatz zum typischen Langfilm-Angebot im Kino gibt es unter den Kurzfilmen immer auch viele – auf verschiedene Weisen erzählte – Animationen. Sei es der Kurzfilm „Our Uniform“, der auch bei der 96. Oscarverleihung 2024 als Bester Animierter Kurzfilm nominiert war und mit Textilien von der Unterdrückung von Frauen im Iran erzählt oder der Collage-Film „Cold Soup“, der es schafft, häusliche Gewalt ohne Explizität, aber bewegend einzufangen. Ein absolutes Highlight war der Stop-Motion-Film „Wander to Wonder“ von Nina Gantz („Edmond“ (2015)), der mit seiner Geschichte sowohl überraschen als auch berühren kann. Aber auch der zeichnerische 2D-Animationsfilm war mehrfach vertreten: „Maybe Elephants“ von Torill Kove erzählt von ein paar Jahren in Kenia abseits der norwegischen Heimat. „A Night at the Rest Area“ von Saki Muramoto fängt die Stimmung einer nächtlichen Busreise ein und „A Crab in the Pool“ beschäftigt sich verschachtelt mit den Themen Verlust und Erwachsenwerden.
Deutscher Wettbewerb
Im Deutschen Wettbewerb gewann „It Shouldn’t Rain Tomorrow“ von Maria Trigo Teixeira den Best German Film 1st Prize. Den zweiten Preis erhielt Kim Lêa Sakkal für ihren vielschichtigen Kurzfilm „Immaculata“, der souverän Genre-Elemente für sein Drama verwendet. Um häuslichen Missbrauch geht es auch im Publikumsliebling „Rose“, der Kurzfilmvariante der Dokumentation „Home Sweet Home“ von Annika Mayer. Auch Betina Kuntzsch schaut mit ihrem neuesten Film „Himmel wie Seide. Voller Orangen“ in die Vergangenheit und berichtet von der neugewonnenen Reisefreiheit nach der Wende. Das Medium des Animationsfilm nutzt auch der kurze „The Wild-Tempered Klavier“ von Anna Samo auf sehr kreative und noch nicht gesehene Weise aus.
Dokumentarfilm Wettbewerb & Embodiment
Als Best Documentary Film wurde der kolumbianische „Unless We Dance“ von Hanz Rippe Gabriele und Fernanda Pineda Palencia ausgezeichnet. Er erzählt von der Tanzgruppe ‚Black Boys Chocó‘, die sich in Quibdó (Kolumbien) geformt hat und Kinder und Jugendliche von der Straße holt. Im Programm konnte man ebenfalls den starken Anima-Dok „Rising Above“ entdecken, der die passenden Bilder für die ergreifenden Schilderung einer Vergewaltigung findet. Die Dokumentationen in diesem Jahr beschäftigten sich wie auch einige Sonderreihen viel mit der eigenen Identität, mit dem Geschlecht und dem eigenen Körperbild. So konnte man dort auch eine Transitions-Geschichte in Fotografien sehen: „You can’t get what you want but you can get me“. Im Sonderprogramm Embodiment lief u.a. die Dokumentation „Big Moves“ und der Animationsfilm „Loca“, die beide zeigen, dass man sich durch Tanz von der eigenen Wahrnehmung befreien kann. Wunderbar war der Kurzfilm „Hello Stranger“ von Amélie Hardy, der schwungvoll und mit nachgestellten Szenen von der Transition und vor allem von den Blicken der anderen erzählt. Einen anderen Fokuspunkt setzt „Seahorse Parents“ von Miriam Guttmann, der vier Transmänner dokumentiert, die sich entschieden haben, ein Kind auszutragen. Das Sonderprogramm fand dabei eine gelungene Mischung aus Erzählarten, Genre und Themen. Das französische Drama „Anansi“ von Aude N’Guessan Forget thematisiert das Problem, dass schwarze Frauen im Land anders von Ärzten behandelt werden und „The Film Might Be White“ von Sebastian Johansson Micci legt den Finger in die Wunde, wie elitär und verblendet doch mancher Kunstbetrieb ist.
Umweltfilm Wettbewerb
Als Best Environmental Film wurde „Children of the Bird“, ein Animationsfilm von Julia Tudisco, ausgezeichnet. Es erzählt in ungewöhnlichen Bildern die Entstehungsgeschichte mal anders. Der Umweltfilm Wettbewerb umfasste viele Themen wie die Belastung durch den Autoverkehr („No Room“), Flutkatastrophen („Rise Age“) und das Leben von Insekten („Club Bunker“).
EJECT XXVII
Die EJECT XXVII-Reihe zeigt in jedem Jahr Filme, die „wild, bizarr und mehr als spektakulär“ sind. Der Audience Award for the Weirdest & Most Wonderful Film ging an Olaf Helds Film „Spätsommer 91“, der sich mit einem amüsanten Voice-Over an eine frühere Party erinnert. Ebenfalls im Programm waren eine warmherzige Geschichte über den Verlust des Haustieres („I became a Cat“ von Heeyoung Lee), Pixelkunst („Long Distance“ von Michael Frei), eine Gruselgeschichte („Midnight Egg“ von Holga Rosen), eine Metapher auf das Weltgeschehen („Little Fire“ von Chen Wu) und eine surreale Reise zu sich selbst („The Juggler’s Guide“ von Rebeka Kruus).
Fazit: Die runde Jubiläumsausgabe des interfilm Festivals Berlin blieb sich treu und präsentierte in mehreren Wettbewerben und Sonderreihen ein buntes Spektrum an Animations-, Spiel- und Dokumentarfilmen und widmete sich vielen Themen. Dabei verweben sich für die Zuschauer:innen oft Filme mit ähnlicher Thematik miteinander zu einem vielschichtigen Teppich aus Geschichten, Eindrücken und Stimmungen rund um den Globus.
Trailer des 40. interfilm Berlin 2024:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Website des interfilm Berlin
- Wikipedia-Artikel über das interfilm Berlin
Bereits in der Testkammer
- „Lange nicht gesehen“ von Kevin Biele
- „Slimane“ von Carlos Pereira
- „Carrotica“ von Daniel Sterlin-Altman
- „Saigon Kiss“ von Hồng Anh Nguyễn
- „getty abortions“ von Franzis Kabisch
- „Big Bang“ von Carlos Segundo
- „Land der Berge“ von Olga Kosanović
- „Flesh“ von Camila Kater
- „Cause of Death“ von Jyoti Mistry
- „Emma und die Wut“ von Elisa Mishto
- „Friends“ von Florian Grolig
- „Mudhole“ von Job Antoni
- „Toomas Beneath the Valley of the Wild Wolves“ von Chintis Lundgren
- „Skinned“ von Joachim Hérissé
- „The Miracle“ von Nienke Deutz