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Kurzfilm / Belgien, Frankreich, Niederlande / Fiktion / 2023
Filmkritik: Der belgische Kurzfilm „The Miracle“ von Nienke Deutz, der auf dem 39. Internationalen Kurzfilmfestival Berlin 2023 als ‚Bester Animationsfilm‘ ausgezeichnet wurde und auf dem 36. Filmfest Dresden 2024 im ‚Internationalen Wettbewerb‘ lief, ist ein fantastisch animierter Kurzfilm über das Thema Kinderlosigkeit.
Irma macht alleine Urlaub. Im All-Inklusive-Hotel ‚The Miracle‘ will sie sich entspannen und neue Menschen kennenlernen. Doch überall wird die Alleinreisende mit ihrer Kinder- und Familienlosigkeit konfrontiert. Trotzdem versucht sie, das Beste aus der Zeit zu machen.
Die Regisseurin und Animationskünstlerin Nienke Deutz, die bereits mit ihrem Kurzfilm „Bloeistraat 11“ (2018) aufgefallen ist, schuf in über drei Jahren mit „The Miracle“ einen 15-minütigen Kurzfilm, der sich mit dem Thema Kinderlosigkeit beschäftigt. Immer mehr Frauen haben gewollt oder ungewollt keine Kinder und etablieren so ein Bild, dass es in den gesellschaftliche Strukturen bisher kaum gab. Vieles – gerade in der Urlaubsindustrie – ist darauf ausgelegt, dass man als Familie verreist. Auch wie andere Menschen auf die Entscheidung keine Kinder zu haben, reagieren, ist maßgeblich für
die Wahrnehmung von Frauen. Ihre Figur Irma erhält deshalb auch absichtlich keine Hintergrund-Geschichte. Es ist den Zuschauenden überlassen, ob es sich hierbei um ein Schicksalschlag handelt oder ob sie sich aktiv dafür entschieden hat. Wir sehen die Hotelwelt aus ihren Augen und was sie emotional mitnimmt, erfahren wir ebenso. Um das alles mit nur wenigen Dialogen auszudrücken fand Deutz starke Animationen. Dabei verwendet sie eine Mischtechnik aus Stop-Motion und Zeichnungen. Die Welt ist komplett aus physischen Sets erschaffen wurden und besticht mit vielen Details u.a. wie Schwangerschaft eingefangen wird. Die Figuren sind dagegen 2D-Zeichnungen auf transparentem Papier. Diese wurden Frame by Frame in den Sets animiert. Die Durchlässigkeit der Figuren ist dabei spannend, erlaubt neue Ansichten und wird von Deutz gekonnt für ihre Geschichte benutzt. So entstand ein durch und durch gelungener und gefühlvoller Kurzfilm, der einen Blick auf Frauen richtet, die eben nicht dem stereotypischen Bild entsprechen und ein Leben ohne Kinder gewählt haben.
Fazit: „The Miracle“ ist ein animierter Kurzfilm von Nienke Deutz. Mit einem Mix aus Zeichnungen auf transparentem Papier und real gebauten Sets schuf sie in der Stop-Motion-Technik einen eindrucksvollen sowie einfühlsamen Film über eine kinderlose Frau, die wie ein bunter Hund in einer Welt auffällt, die für Familien konzipiert ist.
Bewertung: 8/10
Trailer zum Kurzfilm „The Miracle“:
Bis 8. September 24 auf Arte:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 39. Internationales Kurzfilmfestival Berlin 2023 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb‘)
- 36. Filmfest Dresden 2024 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Nienke Deutz‘, testkammer.com, 2024
- Website der Regisseurin Nienke Deutz
- Eintrag des Kurzfilms „The Miracle“ bei Miyu Distribution
- Eintrag des Kurzfilms „The Miracle“ im Portal ‚Kultur aus Flandern‘
- Ramin Zahed, ‚Nienke Deutz Checks Us into Her New Short, ‚The Miracle‘ (Exclusive Teaser)‘, animationmagazine.net, 2023
- European Workshop for Film Criticism #4, ‚See Through People The Miracle‘, talkingshorts.com, 2024