Acht Fragen an Jelena Oroz

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit der kroatischen Regisseurin Jelena Oroz konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „No Room“ (OT: „Nema mjesta“) erfahren, der im Programm des 40. interfilm Festival Berlin 2024 lief, wie persönlich der Film wirklich ist und warum sie sich dafür entschied neben 2D-Zeichnungen auch Stop-Motion-Technik zu verwenden.

The original english language interview is also available.

Deine Geschichte ist persönlich. Warum hast Du Dich dafür entschieden, auf diese Weise von der Autobelastung der Stadt zu erzählen?

Es war eine Zeit, als mein Sohn noch ein Baby im Kinderwagen war. Wir zogen von einem ruhigen Vorort in die Hauptstadt. Obwohl sowohl mein Partner als auch ich zuvor in der Hauptstadt gelebt hatten, hatten wir nie wirklich auf das Verkehrschaos geachtet, zumindest ich nicht. Als Studentin, die viel herum zog, war ich nie wirklich mit meiner Umgebung verbunden.

Aber als wir Eltern wurden, wurden wir uns der ‚Autoprobleme‘ viel stärker bewusst. Wir hatten Mühe, mit unserem Kind im Kinderwagen zu Fuß zu gehen, weil die Bürgersteige meist als Parkplätze genutzt wurden und es oft unmöglich war, durch den engen Raum zwischen geparkten Autos und Häusern zu kommen. Das war der Punkt, an dem ich anfing, frustriert zu sein. Alltägliche Dinge wie der Gang zum Laden, zum Markt oder einfach nur ein normaler Spaziergang wurden zu einer Herausforderung, weil wir nicht ohne Hindernisse gehen konnten. Da begannen die ersten Ideen, Gestalt anzunehmen. Ich hatte viele visuelle Ideen für „Rache“.

Aber dann war es mir wichtig, die Tatsache zu betonen, dass wir alle zu dem Problem beitragen.

Was würdest Du sagen, muss sich in einer Stadt verändern, dass nicht mehr die Autos die Oberhand haben?

Nun, ich finde, die Leute sollten öfter öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Es ist sehr üblich, nur eine Person im Auto zu sehen – den Fahrer. Aber die Stadt sollte mehr in den öffentlichen Nahverkehr investieren. Da wir keine U-Bahn haben, sollten die Straßenbahnen häufiger fahren.

Es gibt auch ein Problem mit der Infrastruktur. Jeden Tag entstehen neue Gebäude, und sehr oft hat jedes Familienmitglied sein eigenes Auto. Es gibt nicht genügend Parkplätze, also parken die Leute, wo sie können. Ich bin auch der Meinung, dass wir nicht für jede Aktion, die wir außerhalb unseres Hauses erledigen müssen, auf das Auto angewiesen sein sollten. Warum nicht mehr zu Fuß gehen? Das ist gesünder, sowohl für uns als auch für die Umgebung.

In welchem Rahmen – zeitlich wie finanziell – konntest Du Dein Projekt umsetzen?

Der schwierigste Teil war die Entwicklung der Geschichte mit einer klaren Struktur. Aber ich hatte große Hilfe von der Drehbuchautorin Jasna Jasna Žmak, mit der ich schon früher zusammengearbeitet hatte. Ihr Vorschlag war, meine Gedanken zu diesem Thema zu sammeln und zu Papier zu bringen. Ich schickte ihr meinen Text, und sie schickte mir einen Monolog zurück, der mir half, die Geschichte zu steuern.

Sobald ich die Geschichte hatte, dauerte die Produktion etwa ein Jahr oder weniger. Die kroatischen Filmemacher haben das Glück, dass sie über unser Filmförderungszentrum, das Kroatische Zentrum für audiovisuelle Medien, Zugang zu Fördermitteln haben. Wir hatten rund 45.000 Euro für die gesamte Produktion zur Verfügung.

Hast Du das Voice-Over selbst eingesprochen?

Ja, die Aufnahme meiner Stimme war für mich eine besondere Herausforderung. Wie viele andere Menschen mag ich den Klang meiner eigenen Stimme nicht (weil sie für mich anders klingt). Aber ich erhielt wertvolle Ratschläge von der Stimmberaterin Anita Tripalo und meiner Produzentin Vanja Andrijević, die von Anfang an eng in das Projekt eingebunden war. Sie hat mich nicht nur unterstützt, sondern mir auch tolle Ratschläge für die Geschichte gegeben.

Was war Dir bei den Mixed-Media-Animationen wichtig? Hast du bei diesen allein gearbeitet?

Bei den Mixed-Media-Animationen war es mir wichtig, etwas anderes auszuprobieren und aus meiner Komfortzone der digitalen 2D-Animation herauszutreten. Deshalb habe ich beschlossen, ein wenig mit Stop-Motion zu experimentieren. Es hat wirklich Spaß gemacht, denn ich hatte LEGO-Blöcke und Spielzeugautos zu Hause, und so habe ich einige Stop-Motion-Animationen mit diesen Objekten erstellt. Die Cutterin Iva Kraljević hat sie so angeordnet, wie sie im Film erscheinen. Ich denke, sie waren eine großartige Ergänzung, die dem Gesamtstil etwas Frisches verleiht.

Ich hatte das Vergnügen, mit einem fantastischen Team von talentierten Leuten zusammenzuarbeiten. David Lovrić spielte eine große Rolle als Animator; er animierte die meisten der 2D-Teile. Sunčana Brkulj, eine sehr talentierte junge Animatorin und Filmemacherin, half mir bei der Bereinigung und Kolorierung. Josip Klobučar hat das Chaos mit der Musik und dem Sounddesign unglaublich gut eingefangen.

Würdest Du sagen, Du hast Deinen Stil gefunden oder passt sich dieser den Themen an?

Ich glaube, ich habe einen bestimmten Stil, obwohl jeder meiner Filme ein bisschen anders aussieht. Aber wenn man meine Kollegen fragt, sagen sie immer: „Ja, das ist eindeutig dein Stil.“ Es macht mir Spaß, lustige Figuren zu erschaffen, die oft ein bisschen albern sind, aber ich mag es, sie in ernste Themen einzubetten. Für mich ist das Erschaffen von Figuren der größte Spaß.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Wie jedes durchschnittliche Kind habe ich am liebsten Zeichentrickfilme gesehen. Auch als ich älter wurde, während meiner Teenagerjahre, schaute ich ständig Cartoons auf dem Sender Cartoon Network. Natürlich habe ich viel gezeichnet, meistens verschiedene Figuren, und ich habe mir ihre Hintergrundgeschichten ausgedacht. Standbilder, Zeichnungen und Gemälde waren für mich nie interessant genug. Selbst bei traditionellen Gemälden stellte ich mir vor, wie sie sich bewegen. Als ich älter wurde, entwickelten sich mein Geschmack und die Stile, die ich bewunderte, weiter. Mit 21 Jahren schrieb ich mich an der Akademie der Schönen Künste in Zagreb in der Abteilung für Animation ein. Jetzt unterrichte ich dort auch. Es ist wirklich aufregend, von Kollegen und jungen Leuten umgeben zu sein, die meine Leidenschaft für Animation teilen. Es ist eine kleine, aber wertvolle Gemeinschaft.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich habe einige Ideen, die ich interessant finde, aber ich würde gerne ein Thema erkunden, das mich weiter herausfordert. Ich bin noch auf der Suche danach! Ich habe auch eine Reihe von Ideen für kurze Animationsschleifen ohne einen bestimmten Kontext – bizarre Figuren und Momente gemischt mit dem Alltag.

Außerdem arbeite ich an der visuellen Entwicklung für den neuen Film „Small Oddity“ meines Kollegen Marko Dješka. Ich weiß sein Vertrauen in mich sehr zu schätzen, und das Thema des Films, Fetische, gibt mir die Freiheit, albern und verspielt zu sein und gleichzeitig die wilden Möglichkeiten zu erkunden, die das Medium der Animation bietet.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „No Room


Interview: In our conversation with Croatian director Jelena Oroz, we found out more about her short film „No Room“ (OT: „Nema mjesta“), which was screened in the program of the 40th interfilm Festival Berlin 2024, how personal the film really is and why she decided to use stop-motion technology in addition to 2D drawings.

Your story is personal. Why did you decide to tell the story about the city’s car pollution in this way?

It was a time when my son was still a baby in a stroller. We moved from a peaceful suburb to the capital. Although both my partner and I had lived in the capital before, we never really paid attention to the traffic chaos, or at least I didn’t. As a student who moved around a lot, I was never really connected with my surroundings.

But when we became parents, we became much more aware of “car problems.” We struggled to walk with our child in the stroller because the sidewalks were mostly used as parking spots, and it was often impossible to pass through the narrow space between parked cars and houses. That’s when I started to feel frustrated. Everyday tasks, like going to the store, the market, or just taking a regular walk, became a challenge because we couldn’t walk without obstacles. That’s when the first ideas began to take shape. I had many visual ideas for “revenge.” :)

But then again, it was important for me to emphasize the fact that we are all contributing to the problem.

What would you say needs to change in a city so that cars no longer have the upper hand?

Well, I think people should use public transport more often. It’s very common to see only one person in a car—the driver. But the city should invest more in public transport. Since we don’t have a subway, trams should run more frequently.

There’s also the issue of infrastructure. New buildings are appearing every day, and very often each family member has their own car. There aren’t enough parking spaces, so people park wherever they can. I also believe we shouldn’t rely on cars for every action we need to do outside of our home. Why not walk more? It’s healthier, both for us and for the environment.

How much time and money did you have to realize your project?

The most difficult part was developing the story with a clear structure. But I had great help from Jasna Jasna Žmak, a scriptwriter with whom I had collaborated before. Her proposal was to gather my thoughts on this topic and put them on paper. I sent her my text, and she returned a monologue that helped me navigate the story.

Once I had the story, production lasted about a year or less. Croatian filmmakers are fortunate to have access to grants through our film funding center, the Croatian Audiovisual Centre. We had around €45,000 for the entire production.

Did you record the voice-over yourself?

Yes, recording my voice was particularly challenging for me. Like many other people, I don’t like the sound of my own voice (because it sounds different to me). But I received valuable advice from voice consultant Anita Tripalo, and my producer, Vanja Andrijević, who was deeply involved in the project from the start. She was not only supportive but also offered great advice regarding the story.

What was important to you in the mixed media animations? Did you work alone on these?

What was important to me in the mixed-media animations was the opportunity to try something different and step out of my comfort zone with 2D digital animation. That’s why I decided to experiment a bit with stop motion. It was really fun because I had LEGO blocks and toy cars at home, so I created a few stop-motion animations using those objects. Editor Iva Kraljević organized them in the way they appear in the film. I think they were a great addition, adding something fresh to the overall style.

David Lovrić played a big role as an animator; he animated most of the 2D parts. Sunčana Brkulj, a super talented young animator and filmmaker, helped me with cleanup and coloring. Josip Klobučar did an incredible job capturing the chaos with the music and sound design.

I had the pleasure of working with a fantastic team of talented people.

Would you say you have found your style or does it adapt to the themes?

I believe I have a specific style, although each of my films looks a bit different. However, if you ask my colleagues, they would always say, „Yeah, it’s clearly your style.“ I enjoy creating funny characters, often a bit silly, but I like placing them in serious topics. For me, creating characters is the most fun part.

Can you tell me a bit more about yourself and how you came to making films?

Like any average kid, watching cartoons was my favorite part of the day. Even as I got older, during my teenage years, I would watch Cartoon Network cartoons all the time. Of course, I drew a lot, mostly different characters, and I imagined their background stories. Still images, drawings, and paintings never felt interesting enough to me. Even traditional paintings—I would imagine them moving. As I grew older, my tastes and the styles I admired evolved. At 21, I enrolled in the Academy of Fine Arts in Zagreb, in the animation department. Now, I also teach there. It’s really exciting to be surrounded by colleagues and young people who share my passion for animation. It’s a small, yet precious community.

Are there any new projects planned?

I have some ideas that I find interesting, but I would love to explore a topic that challenges me further. I’m still looking for it! :) I also have a bunch of ideas for short animation loops without a particular context—bizarre characters and moments mixed with everyday life.

Additionally, I’m working on visual development for my colleague Marko Dješka’s new film Small Oddity. I really appreciate his trust in me, and the film’s topic, fetishes, gives me the freedom to be silly and playful while exploring the wild possibilities that the medium of animation offers.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „No Room

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