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Filmkritik: Der deutsche Spielfilm „Köln 75“ (Deutschland, Polen, Belgien, 2025) von Ido Fluk, der seine Weltpremiere auf der 75. Berlinale 2025 feierte, reiht sich ein in das zur Zeit beliebte Genre der Musik-Biopics, wählt aber nicht den Künstler selbst als Ausgangspunkt seiner Geschichte, sondern die deutsche Konzertveranstalterin Vera Brandes.
Die gerade mal 16-jährige Vera Brandes (Mala Emde) wird spontan von dem Jazzmusiker Ronnie Scott (Daniel Betts) aufgefordert, für ihn ein Solokonzert in Köln zu organisieren. Ihre selbstbewusste und fordernde Art sei perfekt dafür, auch wenn sie bisher keine Erfahrungen gesammelt hat.
Mit Eifer und auch ein wenig Planlosigkeit macht sie sich an ihre neue Aufgabe. Ihr Vater Dr. Brandes (Ulrich Tukur) ist davon nicht begeistert, also beschließt sie kurzerhand, sich zusammen mit ihrer Freundin Isa (Shirin Lilly Eissa) ein Büro und damit auch eine neue Bleibe zu suchen. Eines Tages entdeckt Vera den Musiker Keith Jarrett (John Magaro), der einmalig improvisierten Jazz aufführt. Sie überzeugt ihn, für ein Konzert in der Oper nach Köln zukommen. Doch einige Hindernisse und Probleme stellen sich ihr und der Veranstaltung in den Weg.
Der beinahe zweistündige Spielfilm erzählt von der deutschen Konzertplanerin Vera Brandes, die auch stark in das Filmprojekt involviert war. Der in Israel geborene und in den USA lebende Regisseur Ido Fluk, der auch das Drehbuch schrieb, konzentriert sich dabei auf die Frau im Hintergrund und zeigt, was alles manchmal nötig ist, um ein Konzert auf die Beine zu stellen. Als Rahmenhandlung dient der 50. Geburtstag Veras, die sich von da aus an den Beginn ihrer Karriere und ihren größten Clou, das titelgebende Köln Concert von 1975, erinnert. Hinzu kommt noch eine kleine Musikstunde, in der uns ein Musikwissenschaftler (dargestellt von Michael Chernus) erklärt, wie diese Art des Jazz entstanden ist und was daran so einzigartig ist. Eine kleine erzählerische Episode bringt uns die etwas störrische Persönlichkeit des Musikers Keith Jarrett, der zusammen mit seinem Manager, gespielt von Alexander Scheer, in einem Auto anreist, näher. Der noch lebende Keith Jarrett wollte explizit nichts mit dem Filmprojekt zu tun haben und auch seine Musik durfte nicht verwendet werden. Das tut dem Film aber keinen Abbruch. Dieser verlagert sein Interesse einfach auf die Arbeit im Hintergrund und wie eine junge Frau so ihre Berufung fand.
Der Film ist klassisch erzählt und inszeniert: Die 70er Jahre leuchten in diesem Film in warmen Farben und alles von den Locations bis zu den Kostümen schmiegt sich an diesen Wohlfühl-Look an. Die internationale Besetzung mit John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur als dickköpfiger Vater, Susanne Wolff und Mala Emde kann sich sehen lassen. Sie füllen ihre Rollen gut aus. Einziger Wermutstropfen: Leider glaubt man der zum Drehzeitpunkt 27-jährigen Mala Emde keine Sekunde lang, dass sie eine unerfahrene 16-Jährige spielt. Auch ihre gleichaltrigen Freunde sind eindeutig mit älteren Darsteller:innen und das führt dazu, dass manche Szenen irgendwie unglaubwürdig wirken und so die wahre Geschichte weniger mit Authentizität untermalt.
Fazit: „Köln 75 ist der dritte Spielfilm des israelischen Regisseurs Ido Fluk. Er erzählt darin von der Entstehung des legendären Jazz-Konzerts von Keith Jarrett in Köln und schaut dabei der Konzertveranstalterin Brandes über die Schulter. Leichtfüßig und konventionell inszeniert bekommt das Publikum eine kleine Musikstunde und kann die junge Frau beim Fuß-Fassen in der Branche begleiten.
Bewertung: 7/10
Kinostart: 13. März 2025
Trailer zum Film „Köln 75“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Berlinale Special Gala‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Köln 75“
- Berlinale Interview: Ido Fluk zu „Köln 75“, in: Podcast Moviebreak Podcasts, 18.02.2025.
- Eintrag des Films „Köln 75 « Polyfilm“ beim Distributor Polyfilm
- Birgit Roschy: Charismatischer Leisetreter, in EPD Film, Ausgabe 3/25, S. 16-17.
- Jannek Suhr: Köln 75, in EPD Film, Ausgabe 3/25, S.50.
- Selina Sondermann, ‚Ido Fluk interview on Köln 75 at Berlin Film Festival 2025: Punk rock producer’s tale & rebel youth‘, youtube.com, 2025
- Berlinale Interview: John Magro zu „Köln 75“, in: Podcast Moviebreak Podcasts, 18.02.2025.
- Großes Kino: Alexander Scheer über „Köln 75“, in: Podcast Rbb Kultur, 19.02.2025.
- Berlinale: „Köln 75“ – Wie Keith Jarretts Köln Concert zustande kam, in: Podcast Radio 3 – Film Aktuell, 17.02.2025.


