„Loyal Friend“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die Romanverfilmung „Loyal Friend“ (OT: „The Friend“, USA, 2025) , erzählt ein berührendes Drama über Verlust, Trauer und eine Freundschaft zwischen Mensch und Hund und schafft es dabei, niemals ins Kitschige abzugleiten und trotzdem zu berühren. 

Die Schriftstellerin Iris (Naomi Watts) lebt ein ruhig zurückgezogenes Single-Leben in New York City. Seit vielen Jahren ist Walter (Bill Murray), ihr Freund und Mentor, an ihrer Seite. Als dieser sich eines Tages das Leben nimmt, muss sie sich in dieser neuen Welt ohne ihren besten Freund zurechtfinden. Obwohl dies schon viel Kraft kostet, und sie auch noch zusammen mit Walters Tochter Val (Sarah Pidgeon) ein Buch schreibt, wird ihr noch Apollo zur Pflege gegeben. Walters Hund ist eine riesige Dänische Dogge und ist selbst in großer Trauer. Walters drei Ex-Frauen wollen oder können den Hund nicht nehmen, also nimmt sich Iris seiner an.

Naomi Watts und Bill Murray

2018 erschien der 233-seitige Roman „Der Freund“ (OT: „The Friend“) von Sigrid Nunez, der sich mit der Literaturszene New Yorks genauso beschäftigt wie mit den Themen Verlust und Trauer. Die beiden Regisseure Scott McGehee und David Siegel („Das Glück der großen Dinge“ (2012)), die bereits seit den 80er Jahren zusammenarbeiten, haben den Roman nach einem eigenen Drehbuch adaptiert. Dabei konzentrieren sie sich auf die zwei Figuren, die trauern. Zum einen ist da Iris: Diese verarbeitet ihren Verlust auf sehr stille Weise. Dabei merkt man der Figur an, dass sie daran gewöhnt ist, sowas mit sich selbst auszumachen. Wunderbar ist, dass man hier auch eine Frau sieht, die alleine lebt und ihr Leben und ein mögliches Happy-End nicht von einem Mann oder einer Partnerschaft abhängig ist. Sie bekommt dann zwar einen Partner anderer Art, aber die Dogge ist alles andere als der niedliche Filmhund, der die Herzen des Publikums sofort erwärmt und dabei hilft, dass der Film nichts ins Kitschige abdriftet. Aber ein Gefühl für die Figuren, für die Trauer und wie es nach einem Verlust auch weitergehen kann, vermittelt der Film ganz unsentimental und trotzdem berührend. Dieses Gefühl nimmt man dann als Zuschauende mit nach Hause. 

Bill Murray und Naomi Watts

Inszeniert ist das im besten Sinne wie frühere New-York-Filme. Die Figuren bewegen sich stets in den schönen Vierteln der Stadt und oft ist alles in ein warmes Herbstlicht getaucht. Die Orte, wo sich sich aufhalten, sind Cafés, Parks, Universitäten und schön eingerichtete Wohnungen. Auffällig dabei ist, dass die Menschen viel spazieren, miteinander reden und, obwohl es in der Gegenwart spielt, wenig an ihren Smartphones hängen. Der Film zeigt uns Menschen in einem Lebensabschnitt, in dem die meisten schon zu sich selbst gefunden haben, sodass ihr Verhalten nicht von ständigen Sinnkrisen und Stimmungswechsel geprägt ist. Das gibt den Figuren den Raum, sich mit den Kernthemen zu beschäftigen. Der Film ist bis in die Nebenrollen hinein gut besetzt. Naomi Watts spielt hier seit langem wieder eine Rolle, bei der sie ihr feines Spiel gut zum Einsatz bringen kann. Bill Murray als depressiver Freund überzeugt mit seinem lakonischen Schwermut, lässt aber auch durchblicken, dass Walter kein Heiliger war, sondern über die Jahre hinweg nicht immer moralisch korrekt gehandelt hat. Sarah Pidgeon als Tochter, Carla Gugino als eine der Ex-Frauen und Ann Dowd als Nachbarin runden den Cast ab. 

Naomi Watts

Fazit: „Loyal Friend“ ist ein emotionaler, aber nie kitschiger Film über ein gelebtes Leben, Trauer, (Tier-)Freundschaft und schafft es mit seiner schönen New-Yorker-Herbststimmung genauso wie der hervorragenden Besetzung, sowie einer Prise Humor, die Herzen des Publikums zu berühren. 

Bewertung: 8/10

Kinostart: 19. Juni 2005
Streaming: unbekannt

Trailer zum Film „Loyal Friend“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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