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Filmkritik: Der britische Regisseur Danny Boyle ist mit seinen Filmen wie „Trainspotting – Neue Helden“ (1996), „Sunshine“ (2007) und „Yesterday“ (2019) in vielen Genres unterwegs. Zusammen mit Alex Garland, mit dem er zum ersten Mal bei „The Beach“ (2000) zusammenarbeitete, schuf er 2002 „28 Days Later“ – einen Zombie-Film, der das Sub-Horrorgenre und seinen Themenkanon bereichert hat. Nun erscheint 23 Jahre danach die dritte Fortsetzung „28 Years Later“ (OT: „28 Years Later“, USA, 2025), bei der Boyle und Garland wieder zusammengearbeitet haben, und ist gleichzeitig der Auftakt für eine Trilogie.
Großbritannien ist 28 Jahre nach dem rasanten Ausbruch des Rage-Virus weiterhin abgeschottet von der restlichen Welt und die wenigen Überlebenden haben sich in dieser neuen Realität eingerichtet. Eine Siedlung von Menschen befindet sich auf einer nur durch einen schmalen Weg mit dem Festland verbundenen Insel. Dort lebt Spike (Alfie Williams) mit seinem Vater Jamie (Aaron Taylor-Johnson) und seiner Mutter Isla (Jodie Comer). Am heutigen Tag soll der gerade einmal 12-jährige zum ersten Mal mit zur Jagd aufs Festland gehen. Zusammen mit seinem Vater zieht er los und begegnet gleich den ersten, mittlerweile weiterentwickelten Infizierten. Hier soll der Sohn zeigen, dass er erwachsen geworden ist und einen töten. Doch die Situation eskaliert und auf ihrer Flucht erfährt der Junge, dass auf dem Festland ein Arzt (Ralph Fiennes) wohnt, der womöglich seiner kranken Mutter helfen könnte.
Der Spielfilm „28 Days Later“ sortierte das Genre des Zombiefilms neu, auch wenn man hier ganz konkret von Infizierten sprechen sollte. Auf erzählerischer Ebene etablierte Boyle nicht nur die rennenden, schnellen ‚Untoten‘, sondern auch die Prämisse, dass die schlimmsten Monster immer noch die anderen Menschen sind. Auch visuell ist der Film zur Ikone geworden, in dem er das verlassen London mit einer DV-Kamera regelrecht schäbig festgehalten hat. Auch die Anfangsszene hat sich in das popkulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Der Hauptheld (gespielt von Cilian Murphy), der allein in einem Krankenhaus erwacht wurde u.a. von der Serie „The Walking Dead“ (2010-2022) aufgegriffen. Die Wirkung des Independent-Films war enorm. Kein Wunder, dass bereits 2007 mit „28 Weeks Later“ die erste Fortsetzung folgte. Nur leider waren Boyle/Garland dabei nicht beteiligt. Der Spielfilm von Juan Carlos Fresnadillo („Damsel“ (2024)) schaffte es vor allem aufgrund seiner schwachen Figurenzeichnung und großen Logiklücken nicht an den Vorgänger heran. Jetzt, zwar keine exakten 28 Jahre später, folgt nun die zweite Fortsetzung. Regisseur Danny Boyle und der Drehbuchautor Alex Garland schufen damit den Auftakt für eine Trilogie, deren zweiter Teil („28 Years Later: The Bone Temple“) bereits Anfang des nächsten Jahres in den Kinos starten wird.
Der Spielfilm beginnt mit einem Rückblick und zeigt uns eine Schar von Kindern, die verängstigt die Kindersendung „Teletubbies“ schauen. Nur einer von ihnen wird den Angriff der Infizierten überleben und am Ende des Films noch einmal eine Rolle spielen. Doch bis dahin springt der Film viele Jahre vor und das Publikum lernt die Familie von Spike kennen. Der Vater Jamie, ein Patriarch durch und durch, der seinen Sohn zu einem großen Krieger stilisiert und die Mutter Isla, die aufgrund einer undiagnostierten Krankheit vor allem ans Bett gefesselt ist. Der Sohn entscheidet sich im Laufe des Films für seine Mutter und kehrt dem männlichen Alpha-Gebaren mit all seinen schädlichen Nebenerscheinungen den Rücken. Zwar wächst der Junge über sich hinaus, verändert sich und lernt neue Werte kennen, die aber nichts mit einem rückwärts gewandten Männlichkeitsbild zu tun haben. Dieses findet man nicht nur unter den männlichen Siedlern, sondern auch unter den Infizierten selbst. Die stärksten ‚Untoten‘ werden Alphas genannt, sind riesig und stark und stets mit einem großen Penis bestückt. Die unterschwellige Botschaft des Films gegen toxische Männlichkeit wird auf vielen Ebenen klar transportiert. Der Roadtrip, der im Laufe der Geschichte unternommen wird, ist sehr klassisch erzählt: Mit Begegnungen unterschiedlicher Art, brenzligen Situationen und Momenten der Ruhe und Liebe schlagen sich Sohn und Mutter zu dem Arzt durch. Dabei ist die Luft vor lauter Spannung oft zum Schneiden dick, so dass man nicht ahnt, was als Nächstes passiert. Trotzdem steht das nicht im Vordergrund der Geschichte. Auch hier geht es vorrangig um das menschliche Miteinander. Was bleibt übrig, wenn sich das Leben komplett geändert hat? Wer sind die eigentlichen Monster? Beinahe philosophisch, vor allem melancholisch ist der Film in diesen Momenten, für die er sich auch Zeit nimmt. Ganz am Ende des Films wird dann die Brücke zu den folgenden Teilen geschlagen, mit denen vermutlich auch ein tonaler Wechsel einhergeht.
Der Look des Films ist fantastisch. Danny Boyle schuf ein Großbritannien, in dem nur wenige Menschen leben und sich die Natur Vieles zurückgeholt hat. Auch ist das Design der verschiedenen Mutationen der Infizierten überzeugend – haben diese sich doch ganz natürlich in verschiedenen Versionen weiterentwickelt. Auch steht die Frage im Raum, ob sich die Infizierten aktiv fortpflanzen können, da ja irgendwann die gesamte Bevölkerung infiziert oder ausgelöscht sein müsste. Boyle schuf für die Wanderung grandiose Bilder von Wäldern, Höhlen, verlassenen Häusern und einem Schädel-Wald, der weniger unheimlich ist, als es anfänglich scheint. Auch auf tonaler Ebene arbeiteten die Filmemacher:innen mit gelungenen Sound-Effekten und schufen mit der Rezitation eines Motivationsgedichts aus Zeiten des Zweiten Weltkriegs eine andere Art der Musikuntermalung. Alle Rollen sind hervorragend besetzt. Der Jungdarsteller Alfie Williams trägt dabei souverän die Last des Hauptdarstellers. An seiner Seite sieht man Aaron Taylor-Johnson, Jodie Comer, Ralph Fiennes und am Ende Jack O’Connell.
Fazit: „28 Years Later“ ist die zweite Fortsetzung des 2002 geschaffenen Infizierten-Horrorfilms „28 Days Later“. Bei dieser Fortsetzung war wieder das Dream-Team, bestehend aus Danny Boyle als Regisseur und Alex Garland als Autor, verantwortlich. Es entstand ein starker, eindringlicher Endzeit-Film, der den Fokus auf das Menschliche legt, aber trotzdem mit viel Spannung und Überraschungen das Publikum zu Fesseln mag.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: 19. Juni 2025
Streaming: u.a. Apple TV+, Amazon, Sky, Maxdome
Trailer zum Film „28 Years Later“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „28 Years Later“
- Thomas Abeltshauser: 28 Years Later, in: EPD Film, Ausgabe 7/25, S.48-49.
- 28 Years Later and What’s Making Us Happy, in Podcast: Pop Culture Happy Hour, 20.06.2025.
- 28 Years Later / Danny Boyle & Alex Garland sind zurück!, in Podcast: Filmfrühstück – Ein Toast auf dem Film, 26.06.2025.
- Tina Kakedelis: 28 Years Later, in Podcast: Movies with My Dad, 02.07.2025.
- Episode #409: ’28 Years Later‘ with Graham Skipper, in Podcast: Maximum Film!, 04.07.2025.
- 28 Years Later, in Podcast: The New Flesh Horror Movies News Scary Movie, 23.05.2025.
- Kann 28 Years Later an seine Vorgänger anknüpfen?, in Podcast: CinePie, 19.06.2025.
- Benjamin Moldenhauer: 28 Years Later Rezension, in Podcast: Deutschlanfunk Kultur Vollbild, 21.06.2025.
- Mathis Raabe, ‚„28 Years Later“: Alphas essen Menschenfleisch‘, zeit.de, 2025
- David Fear, ‚„28 Years Later“: Boyle und Garland versichern Auftrittszeitpunkt von Cillian Murphy‘, rollingstone.de, 2025
- Jörg Schiffauer, Ein Regisseur zu jeder Jahreszeit, ray Filmmagazin, 06/25, S.24-31.
- Sascha Westphal, Der Prophet des Untergangs, EPD Film, 6/25, S. 36-41.



