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Interview: Im Gespräch mit den beiden Regisseur:innen Leni Gruber und Alex Reinberg konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Preiswerte Lösungen für ein besseres Leben“ erfahren, der auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls 2026 seine Deutsche Premiere feierte und im D-A-CH-Wettbewerb des 26. Landshuter Kurzfilmfestival 2026 zu sehen sein wird, wie es war, in einem IKEA zu drehen und wir sprechen auch über ihre neue Miniserie „S.H.E.E.P.“ (2026).
Wie ist die Idee zu eurem neuesten Kurzfilm entstanden?
Alex: Wir haben beim Brainstorming zu Ideen oft einen sehr spielerischen Zugang, wo wir frei von der Leber weg irgendwelche Dinge in den Raum werfen, um dann zu sehen, was sich daraus ergibt. Im konkreten Fall war es eine Begegnung im Media Markt, wo ich von einem anderen Kunden mit einem Verkäufer verwechselt und gefragt wurde, wo denn die Druckerpatronen seien. Wir haben uns dann gefragt, was passieren würde, wenn man so ein Missverständnis nicht auflöst und aus welcher Motivation heraus eine Hauptfigur so etwas tun würde. Daraus hat sich dann recht schnell die Geschichte einer Figur ergeben, die aus Scheu vor Verantwortung in ein anderes Leben flüchtet.
In welchem Rahmen und welchen Zeitraum ist euer Film entstanden?

Leni: Die Idee zu „Preiswerte Lösungen für ein besseres Leben“ hat es eigentlich schon 2020 gegeben. Wir haben aber dann noch einen anderen Kurzfilm gedreht und hatten 2023 das Glück, eine Mini-Serie für ZDF und ORF realisieren zu dürfen. Bevor die Dreharbeiten dafür losgingen, wollten wir gern noch eine Art Fingerübung absolvieren und haben auf diesen Stoff zurückgegriffen, weil er uns irgendwie nicht losließ und uns die Geschichte von unserer Protagonistin Anna vielleicht auch aus persönlichen Gründen sehr berührt hat. Für einige Teammitglieder war es dann ein Abschlussprojekt an der Filmakademie Wien. Drehtage hatten wir insgesamt 13, die Postproduktion erstreckte sich über ein knappes halbes Jahr, wobei wir dazwischen durch die Miniserie längere Pausen hatten.
Nach welchen Kriterien habt ihr eure Schauplätze ausgewählt? Habt ihr in einem realen IKEA (bei Betrieb) gedreht?
Leni: Bei IKEA war es uns wichtig, die notwendigen Freiheiten für einen Filmdreh zu bekommen. Das heißt, die Store-Musik sollte abgeschaltet werden können, man sollte bei Betrieb, also während laufender Kundschaft drehen dürfen, wir benötigten Uniformen und Mitarbeiter:innen, die als Kleindarsteller:innen mitspielen würden. Nachdem das Projekt vom Konzern abgesegnet wurde, haben wir Filialen in ganz Österreich besucht, die teilweise mehr oder weniger offen für unser Unterfangen waren. Geklappt hat es dann im IKEA in Haid, in Oberösterreich. Die Mitarbeiter:innen dort waren unglaublich hilfsbereit und einige von ihnen hatten auch Lust, selbst vor der Kamera zu stehen.
Bei anderen Schauplätzen, wie der Häusersiedlung, in die Anna flüchtet, ging es vor allem um ästhetische und inhaltliche Voraussetzungen. So ist der Wohnpark Alterlaa nicht nur visuell sehr eindrucksvoll, durch seine Größe bietet er auch die nötigen Voraussetzungen für die Eskapismus-Sehnsüchte der Hauptfigur. Beim Fertigteilhaus, das Anna mit ihrem Freund gerade bezieht, war es umgekehrt. Hier sollte alles eher roh, ausladend und clean wirken.
Was lag euch visuell am Herzen?
Alex: Gemeinsam mit unserem Kameramann Jakob Carl Sauer wollten wir mithilfe einer beobachtenden Handkamera nah an unserer Hauptfigur sein. Die Prämisse unseres Films ist ohnehin sehr steil und man droht daher leicht in gewisse Genre-Klischees zu tappen, wo es dann vielleicht mehr um die Attraktion des Doppelgänger-Narrativs geht. Für uns standen aber Annas Zustand, ihre Handlungen und innere Reise im Vordergrund. Deshalb wollten wir uns eher dem dokumentarischen, als dem losgelösten, stilisierten Blick nähern.
Eure Besetzung ist großartig mit u.a. Thomas Schubert in einer Nebenrolle. Wie verlief eurer Casting-Prozess und worauf habt ihr Wert gelegt?
Lena: Bei vielen Rollen, wie Annas Freund Christoph, gespielt von Harry Lampl, oder eben dem Ikea Mitarbeiter Martin, gespielt von Thomas Schubert, hatten wir bereits im Schreibprozess die jeweiligen Schauspieler im Kopf. Dass es dann geklappt hat, hatte natürlich mit dem notwendigen Glück zu tun, aber auch damit, dass Thomas und Harry das Drehbuch gut gefallen hat. Claudia Kainberger, die bei uns die Hauptrolle übernahm, haben wir in einem Castingprozess gefunden. Was wir bei Claudia einfach toll fanden, war, mit welcher Leichtigkeit sie zwischen Drama und Komödie wandeln kann und wie ausdrucksstark allein schon ihre Blicke sind. Das ist für eine Rolle, die in der ersten Hälfte des Films kaum spricht, natürlich essentiell.
Ihr habt eine Miniserie abgedreht? Könnt ihr mir mehr dazu erzählen?

Alex: Konkret handelt es sich um eine 5×20 minütige Dramedy… mit sprechenden Schafen. Von der Umsetzung her kann man es sich ein bisschen wie „Schweinchen Babe“ vorstellen. Wir haben also mit echten Schafen gedreht, die von der wundervollen Tiertrainerin Katja Hawlicek trainiert wurden und deren Münder in der Postproduktion zu Sprachaufnahmen animiert werden. Es ist wahrscheinlich das verrückteste Projekt, das wir je machen durften und es hat uns wirklich großen Spaß gemacht. Auch hier hatten wir großes Glück mit der Besetzung. Den Schafen leihen unter anderem Merlin Sandmeyer, Jella Haase, Birgit Minichmayr, Michael Ostrowski, Verena Altenberger und Roland Düringer ihre Stimmen.
Sind noch weitere Projekte geplant?
Lena: Zur Zeit sind wir noch in einer frühen Ideenfindungsphase. Uns schwirren aber schon die Konzepte für weitere TV-Formate und unseren Erstlingsfilm im Kopf herum.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Films „Preiswerte Lösungen für ein besseres Leben“
Hier gibt es mehr Infos zur Miniserie S.H.E.E.P.



