„Solo Show“ (2025)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der Schweizer Spielfilm „Solo Show“, der im Wettbewerb des 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 seine Deutschlandpremiere feierte und demnächst auf dem Festival Achtung Berlin! zu sehen sein wird, erzählt drei Geschichten vom Darstellungsdrang, dem Verkaufs-Ich und wie man sich selbst in der Öffentlichkeit verbiegt.

Der Kunststudent Roy (Konstantin Schumann) arbeitet an seinen ersten großen Solo-Ausstellung und verdient mit einem dubiosen Nebenjob seinen Unterhalt. Zwischen diesen beiden Polen changiert er hin und her und versucht dabei vor allem seine eigene Kunst zu vermarkten. Dafür engagiert er einen Immobilienmakler (Reinhold G. Moritz), der die Besucher durch die Ausstellung in Form eines Verkaufsgesprächs führen soll. Dieser hat in seinem Alltag viel mit seinen eigenen Angststörungen und Panikattacken zu kämpfen. Da sieht das Leben von Lynn (Adriana Möbius) und Victor (Saladin Dellers) entspannter aus: Das Paar verdient sich mit Sexvideos seinen Lebensunterhalt und hat es damit schon zu etwas Bekanntheit gebracht. Aber färbt diese Arbeit auch auf ihre Beziehung ab?

Konstantin Schumann

Zusammen mit der Drehbuchautorin Julia Rose Gostynski hat Julius Weigel das Drehbuch zu seinem ersten Spielfilm und seinem Diplomfilm an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) geschrieben. In diesem nimmt er Menschen in den Blick, die sich, wie fast alle Berufstätigen, auf die eine oder andere Art und Weise vermarkten müssen. Bei der Entwicklung der Geschichte spielt die mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Soziologie-Studie von Erving Goffman – „Wir alle spielen Theater“ (1956) – eine Rolle. Wie weit verdrehen wir uns oder geben ein falsches Sein von uns Preis, um beruflich zu glänzen? In der aktuellen Zeit hat diese Selbstdarstellung, welche nicht mehr nur ein fester Bestandteil der Arbeitswelt vor allem auch im Kunstschaffen ist, sondern durch Soziale Medien weitere Auswüchse ins Private bekommen hat. Weigel macht auf diese Themen aufmerksam, ohne selbst die Sozialen Medien einzubauen oder seinen Film als ein schweres Drama zu inszenieren. Stattdessen gelingt ihm ein leichtfüßiger Spielfilm, der gespickt ist mit feinem Humor und treffsicheren Beobachtungen von Menschen. Diese werden hervorragend von einem recht unbekannten Cast in all ihren Facetten dargestellt. Allen voran überzeugt Konstantin Schumann als Roy, der dafür auch mit einer Nominierung als Bester Schauspielnachwuchs in Saarbrücken bedacht wurde. Gedreht wurde der Film in Zürich an Orten, die oft perfekt das Arbeits-Ich widerspiegeln, wie ein fancy Café, eine ehemalige Fabrik als Atelier oder eine Immobilie, die verkauft werden soll. Dabei ist der Film naturalistisch gehalten, arbeitet ausschließlich mit natürlichem Licht und dem ungewöhnlichen Bildformat A4, was die Figuren einsperrt und damit auch die Unausweichlichkeit manch einer Selbstdarstellung einfängt. Auch die Musik passt perfekt dazu. Ein verspieltes Stück von Oskar Sala steht im Zentrum und bildet mit der komponierten Musik von Norina Largiadèr einen starken Kontrast. Trotz seines hohen Unterhaltungswerts ist die Botschaft ebenso klar. Wie können wir zu einem Miteinander finden, was nicht von Selbstdarstellung geprägt ist? Wie untrennbar sind Beruf und Darstellungswille verbunden? Der Film fordert uns auf, uns selbst sowie die Darstellung unserer Selbst – im Beruf- wie im Privatleben – zu hinterfragen. 

Fazit: „Solo Show“ ist der Debütfilm von Julius Weigel und beschäftigt sich in drei lose verbundenen Episoden mit der eigenen Darstellung, dem damit zusammenhängenden Arbeitsleben und den Menschen dahinter. Souverän und authentisch inszeniert, hervorragend besetzt und mit feinem Humor gespickt zieht der Film in seinen Bann.

Bewertung: 4/5

Dieser Film läuft auf dem Achtung Berlin 15.-22.April

Trailer zum Film „Solo Show“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen