“Fantastic Four” (US, 2015)

© 2015 Constantin Film Verleih GmbH

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Filmkritik: Im Jahre 1961 startete die Comicbuchreihe “Die fantastischen Vier” (im Original: “Fantastic Four”). Geschaffen wurden diese Bücher, bei denen zum ersten Mal ein Superhelden-Team im Zentrum stand, von den Marvel-Größen Stan Lee und Jack Kirby. Bereits 1986 erwarb Bernd Eichinger die Rechte zu einer Verfilmung. Damit diese nicht verfielen, produzierte er einen Film, der zwar fertiggestellt, aber nie veröffentlicht wurde, denn das verlängerte die Vertragslaufzeit. Daher zeichnet sich Eichinger als Produzent bei den beiden amerikanischen Verfilmungen “Fantastic Four” (2005) und “Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer” (2007) verantwortlich. Jetzt erscheint eine erneute filmische Adaption der Fantastischen Vier. Der Film “Fantastic Four” (Originaltitel “The Fantastic Four”, US, 2015) basiert auf der überarbeiteten Comic-Reihe “Ultimate Fantastic Four” aus dem Jahr 2004 und möchte einen anderen Weg beschreiten.

Schon als Kind hat Reed Richards (Miles Teller) zusammen mit seinem besten Freund Ben (Jamie Bell) in seiner Garage an einem Gerät zur Portation herumgeschraubt. Auf einem Wissenschaftswettbewerb wird Reed, welcher der Denker der beiden Freunde ist, von Dr. Franklin Storm (Reg E. Cathey) entdeckt und nach Manhattan geholt, wo er an der Baxter Foundation aufgenommen wird. Zusammen mit den zwei Kindern von Dr. Franklin, Sue (Kate Mara) und Johnny (Michael B. Jordan), sowie Victor von Doom (Toby Kebbell) arbeitet er an einem Teleportationsprojekt, welches eine Verbindung zu einer anderen Dimension herstellen soll. Nachdem der erste organische Versuch erfolgerich war, will die Regierung es übernehmen. Doch bevor das geschieht, machen sich die vier Wissenschaftler eigenständig auf den Weg in die andere Dimension. Dort passiert ein Unfall, der das Leben der Jugendlichen für immer verändert.

Die Regie übernahm der Amerikaner Josh Trank (*1984). Dieser wurde durch den YouTube-Clip “Stabbing at Leia’s” (2007) bekannt. Aufgrund dieses nicht einmal zweiminütigen Clips wurde Twentieth Century Fox auf ihn aufmerksam und bot ihm als Regiedebüt den Film “Chronicle – Wozu bist Du fähig?” (2012) an. Zusammen mit den Drehbuchautoren Simon Kinberg (u.a. Autor von ”X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” (2014)), Jeremy Slater und Hutch Parker hatte Trank eine Version der „Fantastic Four“ vor Augen, die sich von anderen Comicadaptionen unterscheiden sollte. Trank ist selbst mit eher düsteren Comicumsetzungen wie zum Beispiel der neuen Batman-Trilogie von Christopher Nolan (2005-2012) aufgewachsen. Gemeinsam wollten sie einen Film mit Realismus und Nachvollziehbarkeit erschaffen. Als die Comics der “Fantastischen Vier” damals erschienen, waren sie das allererste Superheldenteam und zudem die ersten humanisierten Charaktere in Comicbüchern. Sie bestachen gerade durch ihre Menschlichkeit und dadurch, dass sie sich nicht hinter Masken versteckten. Dieser menschliche Blickpunkt war ausschlaggebend für die Gestaltung des neuen Films. Die Helden sollten zwar Ecken und Kanten haben, aber trotzdem nahbar, verständlich und sympathisch bleiben. Emotionale Aspekte und eine gute Charakterentwicklung standen im Vordergrund. In diesem Sinne sind nur wenige Actionszenen vorhanden, welche aber brutaler sind, als die FSK von 12 erwarten lassen würde, was eingefleischte Fans und das übliche angesprochene Publikum vermutlich enttäuschen könnte. Doch standen im Vordergrund der Geschichte kein fertiges Superheldenteam, sondern vier junge Menschen, die erst neue Fähigkeiten erhalten und diese vor allem anfänglich als Belastung ansehen, bevor sie daraus ihre Stärke ziehen könnten. Erst am Ende des Films haben sie sich zu einem Team geformt. Die Entwicklung dorthin fängt der Film vortrefflich ein. Dabei bleibt er stets realistisch und geerdet, was sich auch in formalen Aspekten der Filmgestaltung widerspiegelt: Der Kameramann benutzte stets quellenbasiertes Licht (sprich: Licht, was man im Film auch sieht). Das Design und die Settings sind stets in der Realität verhaftet. Auch wenn die Technologie teilweise natürlich absolut im Science-Fiction-Genre einzuordnen ist, bleibt die Ausgestaltung so nah wie möglich an der Wirklichkeit dran. Auch die Ausstattung und die Kostümierung passten sich der Tonalität des Designs und des Films an. So besteht die Farbpalette vor allem aus braunen, grauen und schwarzen Tönen und bleibt damit realitätsnah.

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Die fünf Hauptrollen wurden mit Jungstars besetzt, welche zur Zeit immer bekannter werden. Wie beispielsweise Mike Teller, der durch das Musikerdrama “Whiplash” (2014) aufgefallen ist, und Kate Mara, die man aus der Serie “House of Cards” (2013) kennt. Sie alle passen gut in ihre Rollen und spielen diese entsprechend. Besonders gelungen ist die Besetzung von Jamie Bell als Ben/Ding. Im ersten Teil des Films hat Bell die Möglichkeit, seiner Figur eine Persönlichkeit zu verleihen, die sich durch Stärke, Loyalität und Freundschaft auszeichnet. Als Ding schlüpfte er in einen Performance-Capture-Anzug und lief auf 30cm-Stelzen übers Set. Zusammen mit dem Bewegungschoreographen Terry Notary, der auch schon an Filmen wie “Planet der Affen: Prevolution” (2014), Der “Hobbit”-Trilogie (2012-2014) und “Avatar: Aufbruch nach Pandora” (2009) mitgewirkt hat, schuf Bell eine lebendige und stimmige Darstellung des Dings.

Fazit: Die Neuverfilmung “Fantastic Four” wird vermutlich (und tut es bereits jetzt schon) auf viel Gegenwehr stoßen, da es sich von den Durchschnitts-Comic-Verfilmungen löst und nicht die Erwartungen an Action, Heroismus und bunte Farben erfüllt. Doch gerade das tut dem Film unglaublich gut. Dieser Film ist stimmig, menschlich und düster inszeniert und konzentriert sich auf seine Charaktere. Dieser Ansatz ist gelungen. Man freut sich auf Fortsetzungen der Geschichte.

Bewertung: 7,5/10

Quellen: Wikipedia & Pressematerial von Constantin Film

3 Gedanken zu ““Fantastic Four” (US, 2015)

  1. Hamdir schreibt:

    Ich frage mich ob der Verfasser dieser Kritik den Film überhaupt gesehen hat??? Die Grundidee, den Film düsterer und realistischer wirken zu lassen wäre ja ganz gut gewesen, ist aber zu keiner Zeit gelungen. Am schlimmsten empfand ich wie mit der Bio von Susan umgegangen wurde. Alleine dafür müsste das Team Produktionsverbot auf Lebenszeit bekommen! Spoiler: Adoptivkind aus dem Kosovo. Ganz übel.
    Die Entwicklung der Charaktere habe ich nicht gesehen. Der Film hat ab der Mitte komplett an Fahrt verloren und wirkte nur noch erzwungen. Aus meiner Sicht mit Abstand der mieseste Superhelden Film der letzten 10 Jahre. Und dann kam das Finale. Ich finde es OK, auch so eine Art von Film mehr auf die Charaktere auszurichten und nicht auf die Action. Trotzdem gehören gute Actionsequenzen zu so einem Film. Als Filmfreund und Marvel Fan, kam ich mir dann doch ziemlich verarscht vor, als der Endkampf kam. Das war von der Story, den Effekten und der schauspielerischen „Leistung“ her so unterirdisch das man schreiend wegrennen wollte.

    Mein Fazit: Verkackt auf ganzer Linie. Man kann nur Beten das die Rechte für Teil 2. zu Marvel kommen. Ins Kino gehen lohnt nicht- Trailer schauen reicht. Oder das Filmplakat einmal ansehen auch!
    Bewertung 2/10 Punkte

    • Danke Hamdir für das Lesen und Kommentieren meiner Kritik. Natürlich habe ich den Film gesehen, sonst würde ich mir kein Urteil erlauben. Du stehst im Internet nicht allein da mit deiner negativen Sicht auf den Film und das ist auch dein gutes Recht. Ich empfinde es anders und wollte dies auch so loswerden. Viel Spaß weiterhin beim Filmeschauen.

      • Hamdir schreibt:

        Hallo dmatthei,

        vielen Dank für die Rückmeldung. Es ist auch Dein Gutes Recht das anders zu sehen. Filme sind (zum Glück) Geschmackssache. Und jeder Zuschauer empfindet Filme anders. Es ist einfach schade, dass die Grundstory so mit Füßen getreten wurde.
        Freu mich auf weitere Kritiken :-)

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