Fazit:Vorlesestunde im Radio

Keine Hörbuchkritik: Der fleißige Follower erinnert sich vielleicht noch an den Hörtipp? Das Radio bringt noch bis Ende Februar jeden Tag eine halbe Stunde aus dem dicken Roman „Die 40 Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel ins Ohr des geneigten Hörers. Die Rezensentin ist keiner von ihnen. Warum nicht?

So eine halbe Stunde am frühen Vormittag oder späten Nachmittag wird wohl jeder erübrigen können, oder? Für die meisten Rentner, aber auch für fest angestellte Menschen im Büro mit Radioerlaubnis ist das Ganze kein Problem. Wer eine feste Routine hat, kann das schaffen. Problematisch ist so ein fixer Termin für alle, die flexibel sein müssen. Also Studenten, Eltern oder einfach Menschen, die weder auf der Arbeit noch auf dem Weg dorthin Zugang zum Radio haben.

Eine Sendung verpasst? Na, mit etwas gutem Willen lässt sich die Handlung noch verstehen. Fehlen die Vorlesehäppchen von zwei Tagen in Folge, ist die Sache schon verloren. Da müsste der säumige Hörer ja im Buch nachlesen, was er verpasst hat. Das macht aber keiner: Wer genug Zeit hat, liest das Buch ganz, der kommt nicht zurück zum Funk. Und wer keine Zeit hat und sich deshalb fürs Vorlesen entschied, der hat nun eben keine Zeit.

Was dann passiert, ist für den Radiosender gar nicht schön: Der gescheiterte Hörer schaltet um die Zeit nicht ein. Davon würde er ja nur griesgrämig. Dabei gäbe es Lösungen. Viele seiner Inhalte stellt so ein Radiosender im Internet zum Nachhören bereit. Die können das heutzutage. Bei Hörbüchern benötigt der Sender dafür eine Lizenz. Ist die dem Radiosender zu teuer, bleibt die Medienbibliothek aber leer. Da stellt sich die Frage, ob es nicht auch anders geht. Hat ein Radiosender partout kein Geld für die Lizenz, hat er doch sicher noch kostengünstige Praktikanten. Die könnten einfach eine schriftliche  Zusammenfassung der Hörbuch-Episode einstellen.

Also, lieber Rundfunk: Du musst moderner werden. Flexibler, wie es auch die Menschen sein sollen. Niemand will oder kann seine Monatsplanung vom Radioprogramm abhängig machen.

Geschrieben von Katrin Mai

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