“Unter dem Sand” (2015)

© Koch Films GmbH

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Filmkritik: Der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg gehören zu den beliebtesten und am meisten behandelten Geschichtsthemen überhaupt. Sei es nun im Geschichtsunterricht oder in unzähligen Reportageserien. Aber trotzdem gibt es immer noch unbekanntere Ereignisse aus diesen Jahren. Der dänisch-deutsche Film “Unter dem Sand – Das Versprechen der Freiheit” (OT: “Under sandet”, AT: “Land of Mine”, DK/DE, 2015) thematisiert Nachkriegsereignisse, die den meisten Zuschauer nicht geläufig sein dürften.

Im Mai 1945 wurden deutsche Kriegsgefangene in Dänemark dazu verpflichtet, die vergrabenen Minen am Nordseestrand zu finden und zu entschärfen. Diese ca. 2,2 Millionen Stück waren als Abwehr gegen einen vermeintlichen Angriff der Alliierten dort platziert worden. Die dafür ausgewählten Kriegsgefangenen stammten alle aus dem letzten Aufgebot Hitlers, dem so genannten Volkssturm. So bestand das Räumungkommando meist aus 15- bis 18jährigen Jungen. Bei diesem fünfmonatigen Einsatz verloren rund 1000 Jungen ihr Leben.

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Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe von Jungen, die unter der Führung des Unteroffiziers Carl Rasmussen (Roland Møller) den Auftrag haben, ein Strandstück von 45.000 Minen zu säubern. Dabei besitzen die Jungen weder Erfahrungen noch Hilfsmittel. Lange Zeit zeigt Rasmussen gegenüber den verhassten Deutschen kein Erbarmen. Sebastian (Louis Hofmann), Helmut (Joel Basman) und ihre Mitstreiter leiden in dieser Zeit nicht nur unter ständiger Angst, sondern auch unter Hunger und Krankheiten. Mit der Zeit nähert sich Rasmussen den Jungs an, doch ein Schicksalsschlag trifft die Gruppe unvermittelt und vor allem Rasmussen hart.

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Geschrieben und inszeniert wurde der Film von Martin Zandvliet (*1971). Der dänische Filmemacher arbeitete bisher vor allem als Cutter, Drehbuchschreiber und Regisseur. Den letzteren Part übte er vor allem für Kurz- und Dokumentarfilme aus. Mit seinem Spielfilmdebüt “Applaus” (2009) konnte er sich in Dänemark einen Namen machen. Mit der deutsch-dänischen Produktion “Unter dem Sand” könnte er auch in Deutschland (in bestimmten Kreisen) bekannt werden. Die unbekannte Nachkriegsgeschichte schafft es den Zuschauer von der ersten Sekunde an zu fesseln. Durch die stetige Gefahr einer Explosion bleibt der Betrachter über die ganze Länge des Films angespannt. Durch die kluge Ausarbeitung unterschiedlicher Charaktere, die alle andere Ansatzpunkte haben mit dieser Lage umzugehen, bleibt es auch zwischenmenschlich spannend und man kommt nicht umhin, den einen oder anderen Charakter ins Herz zu schließen. Was natürlich besonders fatal ausgehen könnte. Besonders spannend ist auch der erfrischende Blick auf Täter- und Opferrollen: Welche Grausamkeiten sind erlaubt gegenüber ehemaligen Tätern? Welche moralische Verantwortung übernimmt dabei jeder Einzelne? Überwiegt das Menschliche oder die Schuld? Ein dänischer Film, der hier vor allem auf der Seite der Deutschen steht, scheint recht einzigartig zu sein. Formal ist ebenfalls alles stimmig an dem Film. Die Schauspieler wurden vortrefflich ausgesucht, die Zeit wurde authentisch eingefangen und die Filmbilder fangen den Kontrast zwischen unmenschlicher Arbeit und der landschaftlichen Schönheit Dänemarks stimmig ein. Im Gesamten ist der Film rundum sehens- und empfehlenswert.

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Fazit: Der Spielfilm “Unter dem Sand” erzählt auf der einen Seite informativ von einem unbekannten Kapitel der Geschichte und kann auf der anderen Seite mit seiner moralischen und emotionalen Ebene überzeugen. Er ermöglicht es den Zuschauern, sich in die verschiedenen Rollen hinein zu fühlen und stellt gekonnt Täter- und Opferrollen in Frage. Der Film ist dementsprechend absolut empfehlenswert und es ist sehr schade, dass er vermutlich keine großen Zuschauerzahlen erlangen wird.

Bewertung: 8/10

geschrieben von Doreen Matthei

Kinostart: 07.04.2016

Quelle: Pressematerial von Koch Media

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