Jetzt günstig ins Staatsschauspiel kommen!

Kultiger Spaß: Frau Müller muss weg @Matthias Horn für Staatsschauspiel Dresden

Letzte Chance, günstiges Vergnügen: Wenn der Dresdner Intendant Wilfried Schulz nach Ende der Spielzeit nach Düsseldorf geht, nimmt er viele Künstler mit. Stücke, in denen diese Schauspieler auftreten, gehen deshalb aus dem Repertoire, und einige andere auch. Um den Abschiedsschmerz ein wenig zu mildern, zeigt das Staatsschauspiel diese Stücke zum vergünstigten Preis. Das heißt 10 Euro auf allen Plätzen. Wer schnell ist, sitzt für wenig Geld vorne im Parkett. Eine kleine Liste, was zu sehen sich wirklich lohnt.

Freitag, 13.05.: „Meine Akte und ich“ – ein Stück der Bürgerbühne. Alle Darsteller sind Laien. Sie erzählen über ihr Leben in der DDR und ihre Erfahrungen mit der Stasi. Das ist spannend und an einigen Stellen sehr witzig, an anderen tieftraurig. Sogar ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter ist mit dabei. Auf jeden Fall hingehen! Nicht nur für Freunde der jüngeren deutschen Geschichte absolut sehenswert.

Montag, 16.05. und Samstag, 04.06.: „Der Idiot“ – eine ausführliche Rezension gibt’s im Blog. Das Vier-Stunden-Stück genießt ihr am besten am Samstag, da könnt ihr danach ausschlafen. Guckt es euch an! Das ist Theater der frischesten, witzigsten Sorte. Plus intelligentem Inhalt.

Hamsterrad von Amerika @David Baltzer für Staatsschauspiel Dresden

Mittwoch, 25.05.: „Amerika“ – Kafka verständlich. Und herrlich in Szene gesetzt fürs Auge. Hier funktioniert der amerikanische Traum anders herum, der Bürgersohn aus gutem Hause steigt stetig ab. Das Hamsterrad dreht sich. Der Junge rappelt sich immer wieder auf, findet sich immer wieder zurecht und behält seinen Optimismus. Dieses Stück geht vorläufig aus dem Spielplan, könnte also noch einmal wiederkommen.

Mittwoch, 01.06.: „Schöne neue Welt“ – Freiheit oder Sicherheit, was ist euch lieber? In Aldous Huxleys Dystopie hat das System die Kontrolle über die menschliche Reproduktion. Es sorgt mittels Gehirnwäsche dafür, dass alle Menschen brave Konsumenten werden. Die echten Gefühle und der Geist fehlen in dieser in Watte gepackten, rundum abgesicherten Welt. Doch ist es das wert, das sichere Leben aufzugeben? So viel vorweg: Das Stück endet mit einem Blutbad. Nichts für Zartbesaitete, für alle anderen eine klare Empfehlung.

Shylocks Taufe @Matthias Horn

Donnerstag, 02.06.: „Der Kaufmann von Venedig“ – Shakespeare im Shakespeare-Jahr. Doch das ist kein Grund, hinzugehen. Sondern diese überbordende Spielfreude der rein männlichen Schauspieler. Die geistreichen wie witzigen Regieeinfälle. Wer keine halbnackten Männer sehen will oder die Augen rollt, weil der Kaufmann als schwul gedeutet wird, der bleibt zu Hause. Doch das Schwulsein hat seinen Grund und ist eine zulässige Interpretation, die bis zuletzt ihre gnadenlosen Folgen hinter sich herzieht. Leute, wenn ihr einen Shakespeare sehen wollt, der historisch genau und erschreckend aktuell ist, dann rein da mit euch!

Dienstag, 07.06.: „Don Carlos“ – ein packender Abend. 2011 gelobt als eine der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des Jahres. Wer den wunderbaren Christian Friedel mal erleben will, ohne von seiner Musik traktiert zu werden, der kommt hier voll auf seine Kosten. Ein großartiges Bühnenbild für ein historisches Prinzendrama, das die großen Dinge im Leben anspricht: Liebe und Freundschaft, Politik contra Familie und die Suche nach dem Platz im Leben. Ergreifend und nicht umsonst seit fünf Jahren ein Publikumsmagnet.

Don Carlos‘ geniales Bühnenbild @David Baltzer

Mittwoch, 08.06.: „Der abentheurliche Simplicissimus Teutsch“ – umfassend, aktuell und wuchtig. In knapp zwei Stunden rollt eine Lawine aus Glück und Grauen und jeder Menge Informationen über das Publikum. Wer den frühneuhochdeutschen Roman gelesen hat oder zumindest grob den Inhalt kennt (Wikipedia vorher hilft), ist klar im Vorteil. Bequem berieseln lassen könnt ihr euch in dem Stück über den Dreißigjährigen Krieg nicht. Wie viel der damaligen Absurditäten sich bis heute gehalten und oftmals noch verschärft haben, verdeutlichen zuletzt die Infotafeln beim Exit through the Büchlein. Ein prall gefüllter Abend, der im Gedächtnis bleibt.

Der geteilte Himmel @David Baltzer

Mittwoch, 08.06.: „Der geteilte Himmel“ – ein bisschen Herzschmerz und viel DDR. 1960, die quirlige junge Rita und der zehn Jahre ältere Chemiker Manfred lieben sich. Doch zu kaum einer anderen Zeit entscheiden zehn Jahre so sehr über das Wesen der Menschen. Manfred prägen die Kriegserinnerungen seiner Jugend, die Rita nur verschwommen im Gedächtnis hat. Ob es das ist, woran ihre Beziehung scheitert, die Vergangenheit und die daraus wachsenden unterschiedlichen Zukunftspläne? Oder der äußere Zwang durch den Mauerbau? Und wie sah das aus, das Arbeitsleben in der Brigade? Ein wunderschöner, nur ganz leicht sentimentaler Abend zum Zurückerinnern oder besser Verstehen.

Donnerstag, 09.06.: „Hamlet“ – mit sehr viel Live-Musik von Christian Friedels Band „Woods of Birnam“. Das muss man mögen. Die Inszenierung richtet sich vor allem an ein jüngeres Publikum. Dieses Stück geht vorläufig aus dem Spielplan, könnte also noch einmal wiederkommen.

Beklemmend: Graf Öderland @Matthias Horn

Freitag, 10.06.: „Graf Öderland/Wir sind das Volk“ – der berüchtigte Dresdner Bürgerchor ist wieder aktiv. Was auf die Bühne kommt, ist Max Frisch plus Pegida. Das funktioniert recht gut. Ein politischer Abend der erschreckenden Wahrheiten. Es gibt Angenehmeres zu sehen, aber kaum etwas, das besser über die Situation in Dresden informiert.

Sonntag, 19.06.: „Frau Müller muss weg“ – wahlweise um 17.00 oder um 20.00 Uhr. Das Kultstück (180 Mal gespielt), das mittlerweile verfilmt wurde, in seiner allerersten Erscheinungsform. Denn in Dresden gab es die Uraufführung. Ein Stück über durchgeknallte Eltern, die ihre Grundschulkinder zu besten Noten triezen und die Lehrkräfte dafür verantwortlich machen, wenn der Spross nur mittelmäßig abschneidet. Perfekt für Lehrer und Eltern, aber auch für alle anderen ein lustiges Spektakel.

Tschick, Maik und der harmlose Irre mit der Flinte @Matthias Horn

Sonntag, 26.06.: „Tschick“ – noch ein Riesenerfolg, der seinen Anfang in Dresden nahm. Hier kam der Roman von Wolfgang Herrndorf das erste Mal auf die Bühne. Dauernd war das Stück ausverkauft. Wer es bis jetzt noch nicht gesehen hat, sollte es nachholen. Tschick erzählt von zwei Jugendlichen, die mit einem geklauten Lada durchs deutsche Land fahren. Jede Menge skurriler Witz und Figuren, die so durchgeknallt sind, dass sie nur echt sein können, machen den Charme des Stücks aus. Achtung! Lachkrämpfe möglich. Und gute Laune garantiert. Dieses Stück geht vorläufig aus dem Spielplan, könnte also noch einmal wiederkommen – aber wollt ihr das Risiko wirklich eingehen?

Noch mehr Stücke gehen aus dem Repertoire, aber ich hatte ja eine kleine Liste versprochen. Sucht euch das Beste raus und habt viel Spaß im Theater!

Geschrieben von Katrin Mai

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