“Hardcore” (2015)

© capelight pictures

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Filmkritik: Der Spielfilm “Hardcore” (Originaltitel: Hardcore / Хардкор, RU/US, 2015) ist ein gewagtes Experiment für die normalen Sehgewohnheiten. Die wackeligen Handkamerabilder, die Brutalität und die Schnelligkeit könnten den ein oder anderen Zuschauer überfordern, doch die Menschen, die sich drauf einlassen werden durch den videospielähnlichen Film vortrefflich unterhalten.

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Henry erwacht, ohne eine Erinnerung an seine Vergangenheit zu haben, in einem Laboratorium. Seine Frau Estelle (Haley Bennett), die ihm helfen will, wird vor seinen Augen von dem Psychopathen Akan (Danila Kozlovsky) entführt. So macht sich Henry in den Straßen Moskaus auf die Suche nach ihr. Dabei bekommt er immer wieder Hilfe von dem mysteriösen Jimmy (Sharlto Copley) und erfährt Stück für Stück von seiner eigenen Vergangenheit und den bösen Plänen Akans, die Welt unter seine Kontrolle zubringen.

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Der gelernte Regisseur Ilya Naishuller ist ebenfalls der Frontmann der Moskauer Punkband Biting Elbows. Für ihren Song “Bad Motherfucker” erschuf er ein Musikvideo, das sich durch seinen außergewöhnlichen Stil international verbreitete. (zu sehen auf Youtube: “Bad Motherfucker” von Biting Elbows) Der berühmte russische Regisseur und Produzent Timur Bekmambetov gehörte zu den vielen Fans dieses Musikvideos und regte Naishuller dazu an, eine Langfilmfassung daraus zu machen. Nach anfänglichem Zögern entschied sich Naishuller dafür, das Projekt als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent anzugehen. Dabei wurde er finanziell von einer Crowdfunding-Kampagne, der Firma GoPro Inc. sowie Kollegen aus seinen Unizeiten unterstützt.

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Er schuf einen bemerkenswerten, amüsanten und andersartigen Film, der nicht nur schnell und brutal ist, sondern auch durchweg spannend. Dabei referenziert er vor allem auf Videospiele. Er überträgt das Genre des Ego-Shooters (Beispiele: “Crysis”, “Call of Duty” und “CounterStrike”) stimmig auf die Leinwand. Henry ist als Person nicht sichtbar. Die Geschehnisse werden in der Ego-Perspektive erzählt. Die GoPros, die als Helmkameras befestigt wurden, verleihen dem Betrachter das Gefühl von Unmittelbarkeit und so schlüpfen die Zuschauer in Henrys Körper. Dabei ist die wackelige und rasante Kameraführung anfänglich noch sehr gewöhnungsbedürftig und könnte dem einen oder anderen Zuschauer auf den Magen schlagen, doch mit der Zeit gewöhnt sich das Auge daran. Beeindruckend sind dabei die vielen Parcour-Sequenzen. Durch die Schnelligkeit der Aufnahmen ist die Brutalität meist überraschend und manchmal arg komisch. Wie in einem Videospiel existiert hier eine Übersteigerung und Realitätsverfremdung, die auch dazu beiträgt, dass die Tötungsarten und Kampftechniken kreativ gestaltet sind. So verliert der Zuschauer während des 96-minütigen Actionfilms auch nie das Interesse. Besonders schön wurden die teilweise heruntergekommenen Locations eingebaut. Naishuller und sein Team drehten dafür auch nur an real existierenden Drehorten und oft entstand der genaue Verlauf der Actionszenen erst nach Auffinden des Drehorts. Der Film wünscht sich noch eine moralische Ebene. Er möchte das Abstumpfen gegen Gewalt kritisieren. Ob dies bei dem Zuschauer ankommt, ist arg fraglich. Mit einem der brutalsten Vorspänne der Filmgeschichte und seinen unzähligen Todesopfern trägt er eher zum Gegenteil bei. Aber hier liegt auch ein großes Vorurteil begraben, denn das Konsumieren von Ego-Shootern ist keine Gewaltverherrlichung. Es handelt sich dabei um Unterhaltung, die zwar Realitätsnähe vorgaukelt, aber fern von der Realität und einem moralischen Kodex stattfindet. “Hardcore” schlägt in dieselbe Kerbe und muss deshalb keine tiefe moralische Ebene besitzen. Der Film liefert grandiose, rasante Unterhaltung, zwar ohne moralischen Zeigefinger, aber dafür mit viel Spannung.

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Fazit: Der russische Actionfilm “Hardcore” ist wie eine gute Videospieleverfilmung von einem Spiel, das es nie gab. Mit Spannung, Schnelligkeit, einer guten Geschichte und einer richtigen Portion Humor wird das Publikum durch Moskau gescheucht. Der Film ist ein abgerundetes Erlebnis und wird sein Zielpublikum definitiv begeistern.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 14.04.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Capelight

Ein Gedanke zu ““Hardcore” (2015)

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