“The Promise – Die Erinnerung bleibt“ (2017)

Filmkritik: Der nordirische Regisseur und Drehbuchschreiber Terry George (*1952) hatte schon immer einer Vorliebe für Filme, die große historische Ereignisse aufarbeiten und mit einer personengebundenen Geschichte die Zuschauer emotional fesseln. Dies selber umzusetzen ist ihm mit dem Film “Hotel Ruanda” (2004) wunderbar gelungen, doch sein neuestes Werk – “The Promise – Die Erinnerung bleibt” (OT: “The Promise”, Spanien/USA; 2017) – beschäftigt sich zwar mit einem Teil der Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten sollte, kann aber durch seine eingebaute Liebesgeschichte nicht überzeugen.

© Capelight

Konstantinopel, 1914: Der ambitionierte Armenier Mikael Boghosian (Oscar Isaac) ist gerade in der Hochburg der Wissenschaften angekommen, um mit Hilfe der Mitgift seiner Schwiegereltern endlich seinen Doktor der Medizin zu machen. Dort lernt er nicht nur seinen guten Freund Emre Ogan (Marwan Kenzari) kennen, sondern auch die entzückende Lehrerin Ana Khesarian (Charlotte Le Bon). Diese ist mit dem Fotojournalisten Christian Meyer (Christian Bale) liiert. Doch als die beiden sich langsam trotz aller Verpflichtungen eingestehen mehr zu empfinden, bricht der Krieg aus. Die Türken, die mit den Deutschen im 1. Weltkrieg kooperierten, vertreiben die Armenier aus den Städten und später aus ihren Heimatorten. Für Mikael und seine Familie beginnt eine Zeit des Grauens und die beiden Liebenden wissen nicht, ob sie sich jemals wiedersehen.

© Capelight

Zusammen mit seinem Drehbuchschreiber Robin Swicord erarbeitete er eine Liebesgeschichte in einem historischen Drama, das bisher kaum filmische Beachtung fand. Der Völkermord in Armenien zur Zeit des 1. Weltkrieges ist ein nicht aufgearbeitetes Kapitel der türkischen Geschichte, das auch von dem momentanen Präsidenten Erdogan geleugnet wird. So ist die Annahme des Stoffes, wenn auch aus einer recht westlichen Sicht inszeniert und mit Hauptdarstellern aus Frankreich und Amerika besetzt, eine gute Sache. Für viele wird dieses Stück Geschichte unbekannt sein und kann so lebendig vermittelt werden. Auch die Parallelen zur Judenverfolgung im 2. Weltkrieg sind gut eingefangen. Unnötigerweise entschied sich der Regisseur Terry George aber dafür, eine Liebesgeschichte in das Zentrum zu setzen. Dadurch, dass beide ihre Partner betrügen, verlieren die beiden Hauptdarsteller an Sympathie, welche aber notwendig wäre, um den Ereignissen mit mehr Gefühl beizuwohnen. Zudem bleiben die Charakterisierungen recht oberflächlich und lassen emotionale Tiefe vermissen. Inszenatorisch taucht der Film in eine fremde Welt ein und kann diese mit guten Bilder einfangen. Nur die zeitliche Zusammenfassung ist nicht ganz gelungen, da der Zuschauer kein Gefühl bekommt, wie lange die jeweiligen Ereignisse andauern. Im Gesamten ist “The Promise – Die Erinnerung bleibt” ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung vernachlässigter, historischer Stoffe, der leider durch eine unnötige Liebesgeschichte mit vielen Stereotypen und vorhersehbaren Wendungen verwässert wurde.

© Capelight

Fazit: Der amerikanische Spielfilm “The Promise – Die Erinnerung bleibt” beschäftigt sich mit dem wichtigen historischen Thema des Völkermordes in Armenien, welches immer noch von der türkischen Regierung geleugnet wird. Hochkarätig besetzt und mit starken Bildern ausgestattet gehen die Filmemacher den Umweg über eine Liebesgeschichte, um die Ereignisse nahe zu bringen. Diese ist zu stereotypisch geworden, so dass sie nicht bewegen kann und den Filmgenuss schmälert. Hier wäre weniger mehr gewesen, da die Historie allein mit ihrer heutigen Rezeption genug Kraft beinhaltet hätte.

Bewertung: 5/10

Kinostart: 17. August 2017, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von capelight pictures

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