“Körper und Seele” (2017)

© Alamode Film

Filmkritik: Der ungarische Film “Körper und Seele” (OT: “Teströl és lélekröl”, Ungarn, 2017) der Regisseurin Ildikó Enyedi gewann auf der diesjährigen Berlinale den Goldenen Bären. Jetzt endlich kommt der traurig schöne Liebesfilm auch in die deutschen Kinos.

Endre (Géza Morcsányi) arbeitet tagein tagaus in einem Schlachthaus als Finanzdirektor. Sein Leben verläuft dabei unspektakulär, bis die neue Kollegin, die extrem introvertierte Maria (Alexandra Borbély), seine Aufmerksamkeit erregt. Doch diese lässt niemanden an sich heran, bis die beiden eines Tages herausfinden, dass sie exakt dieselben Träume haben.

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Für die ungarische Regisseurin und Autorin Ildikó Enyedi (*1955) kommt die Geschichte selbst immer erst ganz am Schluss. In allen Filmen versucht sie die conditio humana – das menschliche Wesen – einzufangen. Hier beschäftigte sie sich mit Leidenschaft, die im Inneren köchelt, aber von Außen nicht sichtbar ist, was sich auch in dem Film wiederspiegeln sollte. Die Regisseurin bezeichnet sich selbst als einen zurückgezogenen Menschen, so dass sie diese Betrachtungsweise besonders interessierte und ansprach. Die ganze Geschichte basiert zudem auf dem Gedankenspiel, was mit Menschen passiert, die dasselbe träumen. Die innere Leidenschaft, die dadurch entfacht wird, dient als Motor der Story. Als Gegensatz sollte es an einem Ort spielen, der fast schmerzhaft real ist. Dafür drehten die Filmemacher in einem Schlachthaus, welches noch in Betrieb ist. Sie filmten vor Ort eine Woche lang und fingen detailliert die Tätigkeiten ein. Trotz der Tötungsarbeit entwickeln die Bilder eine eigene, faszinierende Schönheit, die sehr poetisch anmutet. Die Kameraarbeit von Máté Herbai leistet so Großes. Sie holt aus dem Banalen und Alltäglichen stets etwas Schönes heraus. Die Umgebung steht im extremen Gegensatz zu dem Inneren, den Träumen und der Liebe der Protagonisten. So stehen die geschlachteten Rinder für die Wirklichkeit, während die in der Natur lebenden Wildtiere das Innere und die Leidenschaft symbolisieren. Die Geschichte und die Bilder gehen eine starke Symbiose ein, welche lange danach noch einen berührenden und melancholischen Eindruck hinterlassen. Dies wird durch die beiden grandiosen und traurig schönen Hauptdarsteller unterstützt. Alexandra Borbély verkörpert Maria so scheu wie das Reh ihres Traumes und so neugierig wie ein Kind. Géza Morcsányi verkörpert die nötige Sanftheit und kann die Sympathien der Zuschauer uneingeschränkt gewinnen. Im Gesamten ist der ungarischen Regisseurin ein wunderbar feinfühliger und melancholischer Film gelungen, der tief berühren kann.

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Fazit: Der Berlinale-Gewinner “Körper und Seele” erzählt eine scheinbar einfache Liebesgeschichte, deren Leidenschaft im Inneren brodelt und ohne Bombast festgehalten wurde. Mit einem fantastischen Ausgangspunkt, einer kühlen, realen Umgebung, den herausragenden Darstellern und seinen poetischen Bildern wird daraus großes Arthouse-Kino, das seine Zuschauer auf mehreren Ebenen erreichen kann.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 21.09.2017, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Alamode Film

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