“Mängelexemplar” (2016)

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Filmkritik: Der Debütroman “Mängelexemplar” der Moderatorin und Kolumnistin Sarah Kuttner macht 2009 Furore. Er berichtet erfrischend offen und unterhaltsam über das Thema Depression. Die nun in den Kinos startetende Romanadaption “Mängelexemplar” (Deutschland, 2016) schafft es das Thema zeitgerecht aufzuarbeiten und ist für seine Regisseurin Laura Lackmann ebenfalls ein beachtenswertes Debüt.

Karo (Claudia Eisinger) ist fast 30, wurde gerade gekündigt und ihre Beziehung ist nur eine Farce. Also beschließt sie, da sie nicht wie ihre Mutter Luzy (Katja Riemann) mit schlimmen Depressionen enden will, dem entgegenzuwirken und geht freiwillig zur Therapie. Doch diese verschafft nicht die plötzliche Heilung von all den Angstzuständen und Panikattacken, die Karo immer mehr befallen, sondern macht ihr Leben erst einmal noch komplizierter. Nicht mal die Fluchtversuche zu ihrer Oma Bille (Barbara Schöne), ihrer besten Freundin Anna (Laura Tonke) und zu ihrem Exkollegen Max (Maximilian Meyer-Bretschneider) helfen mehr. Karo muss mit sich und ihrem inneren Kind endlich wieder ins Reine kommen.

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Die 1979 in Berlin geborene Regisseurin Laura Lackmann übernahm für ihr Debüt auch gleich die Adaptierung des Stoffes. Für ihr Drehbuch gab sie den Nebenfiguren mehr Raum und Profil. Dabei schafft sie es zwar nicht, alle Klischees zu umschiffen, aber erweitert die Geschichte stimmig. Zudem erfand sie die Figur des inneren Kindes, so dass Karos Probleme ein Gesicht und einen Gegenspieler bekommen. Außer diesen Änderungen hält sich Lackmann dicht an der Vorlage, verlagert die Geschichte in das heutige Berlin-Mitte und gibt so der Geschichte noch das Zeitkolorit der Hipster-Ära. Das Seltsame dabei ist, dass sie sich darüber auf der einen Seite lustig macht, aber anderseits ihre Charaktere voll dem Klischee von Berlin-Mitte entsprechen. Gut gelungen ist die Darstellung einer Nicht-Bilderbuch-Familie. Das Gespann aus Oma, Mutter und Tochter hat eine eigene, besondere Dynamik. Die drei Frauen umfassen alle Generationen und stehen für unterschiedliche weibliche Rollenmodelle, die aufzeigen, was sich im Lauf der Zeit verändern kann. Doch das wichtigste Thema bleibt der Umgang mit Depressionen und wie sie das Verhältnis der Betroffenen zur Gesellschaft verändern.

Die unterschiedlichen Phasen, die Karo durchläuft, werden vortrefflich eingefangen. Der Off-Kommentar begleitet die ganze Geschichte und zeigt, wie gefangen die Betroffenen in ihrer Welt sind. Sie sehen oft nicht, dass sie andere und sich selbst mit ihrem Handeln verletzten. Dabei ist der Film nicht nur für depressive Menschen ansprechend, sondern für eine ganze Generation, die aufgrund der vielen Möglichkeiten unter Ziellosigkeit leidet und auch für jene, die dadurch unter starker Erschöpfung zusammenbrechen. Der Film kann vielen Zuschauern vermutlich aus dem Herzen sprechen, wenn auch nicht in seiner extremsten Form, sondern mit Details. Lackmann findet die richtige Bildsprache und vor allem hat sie auch die perfekten Darsteller für die Rollen gefunden. Allen voran Claudia Eisinger (bekannt aus “Sex and Crime” (2016) und “Wir sind die Neuen” (2014)). Sie schafft es den Egoismus, die Zebrechlichkeit und die Angst der Protagonistin stimmig einzufangen und es ist eine große Freude ihrem Spiel beizuwohnen. Unterstützt wird sie von einem großartigen Ensemble mit Größen wie Katja Riemann (“Fack Ju Göhte” (2013) und “Die Apothekerin” (1996)) und Newcomern wie Maximilian Meyer-Bretschneider.

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Fazit: Der Spielfilm “Mängelexemplar” ist eine gelungene Verfilmung eines Romans, der sich vorrangig mit dem Innenleben seiner Figur auseinandersetzt. So sind die Erweiterungen und Veränderungen verständlich und passend eingefügt. Getragen wird die Geschichte von den hervorragenden Schauspielern. Der Film schafft es zu bewegen, zu unterhalten und den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 12.05.2016

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von XVerleih

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