“Mängelexemplar” von Sarah Kuttner (2009)

© Amazon.de

© Amazon.de

Buchkritik: Die 1979 in Ostdeutschland geborene Sarah Kuttner machte als Viva-Moderation auf sich aufmerksam. Viele Jahre lang war sie nebenbei als Kolumnistin für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress tätig. Das Buch “Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens” (2006) stellt eine Sammlung dieser geschriebenenen Texte dar. Ihr erster Roman “Mängelexemplar” erschien drei Jahre später. Seitdem wurden noch zwei weitere Romane veröffentlicht: “Wachstumsschmerz” (2011) und “180° Meer” (2016).

In ihrem Debütroman erzählt Kuttner von Karo. Diese ist Ende 20, hat gerade ihren Job verloren und führt eine unglückliche Beziehung. Um sich selbst zu helfen, begibt sie sich freiwillig in Therapie und versucht so schnell wie möglich wieder normal zu werden. Doch als die Angstzustände und Panikanfälle immer schlimmer werden, braucht sie die Hilfe von ihrem besten Freund Nelson, ihrer Mutter und Medikamenten. Mit dem Stigma Depression versucht Karo nun wieder ihr Leben aufzubauen.

© Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons

© Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons

Kuttner gibt den Themen Depressionen und medikamentöser Behandlung eine aktuelle Stimme und kann diese so stückweise von ihrem negativen Stigma befreien. Durch Karos Augen kann man die Krankheit kennen- und fühlen lernen und wie sie einen Menschen verändert. Zudem zeigt das Buch gut, dass seelische Krankheiten immer noch Scham bei den Betroffenen auslösen, da sie es nicht schaffen, sich alleine aus ihrer Lage zu befreien. Auch die Behandlung mit Medikamenten wird nicht an den Pranger gestellt, sondern als Teil der Lösung präsentiert. Kuttner hebt die seelischen Qualen auf eine Stufe mit körperlichen Schmerzen und nimmt ihr so die negativen Assoziationen. So eignet sich das Buch als Einblick in ein komplexes Thema und sensibilisiert die Leser für eine schwierige Thematik, die jeden treffen kann. Die Autorin bedient sich dabei einer einfachen Umgangssprache, was vielleicht dem einen oder anderen Literaturgourmet aufstoßen könnte. Sie bleibt ihrer Sprache, die sie als Kolumnistin und Autorin gepflegt hat treu, und schafft es durch ihre popkulturelle Ausrichtung, das Thema einem jüngeren Zielpublikum nahezubringen. Da ist es hilfreich, dass die Sprache echt und wie aus dem Nähkästchen geplaudert klingt. Kuttner betont aber, dass das Thema nicht autobiographisch ist, sondern ihr durch Freunde und Bekannte vertraut ist.

Fazit: Im Gesamten kann “Mängelexemplar” mit der Leidensgeschichte Karos und seinen Themen überzeugen. Die recht einfache und moderne Sprache macht das Lesen leicht. Das Buch schafft es seine Leser zu sensibilisieren und ein Stück weit die Stigmatisierung von seelischen Problemen zu nehmen. Sarah Kuttners Roman ist ein lesenswertes und gelungenes Debüt.

Bewertung: 4/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen: Wikipedia Kuttner

3 Gedanken zu ““Mängelexemplar” von Sarah Kuttner (2009)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s