“Wachstumsschmerz” von Sarah Kuttner (2011)

© Fischer Verlage

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Buchkritik: Der zweite Roman – “Wachstumsschmerz” (2011) – der deutschen Fernsehmoderatorin und Kolumnistin Sarah Kuttner (*1979) beschäftigt sich wieder sehr intensiv mit dem Innenleben ihrer Protagonistin. Während es sich bei “Mängelexemplar” (2009) um das spezielle Thema Depression drehte, geht es in ihrem zweiten Roman um den Prozess des vollständigen Erwachsenwerdens mit all seinen Hürden in Beruf und Privatem.

Luise, welche Schneiderin von Herrenanzügen und Teilzeitmodell ist, ist seit vier Jahren mit ihrem Freund Flo zusammen. So beschließen die Beiden den nächsten Schritt zu wagen und zusammenzuziehen. Dabei ist nicht nur die Wohnungssuche schwierig, sondern auch das schlussendliche Zusammenleben stellt sie vor viele Herausforderungen. Hinzu kommt, dass Luise das Gefühl hat nicht richtig zu wissen, was sie will und das führt zu noch mehr Spannungen mit dem konfliktscheuen Flo. Von Tag zu Tag werden ihre Probleme größer und es scheint nur noch einen Ausweg zu geben.

Sarah Kuttner trifft mit “Wachstumsschmerz” mitten ins Schwarze. Es fängt die Probleme und Sorgen einer Generation ein, die zu viele Möglichkeiten hat, um sich schnell festzulegen. Wenn man heutzutage in den 30ern ist, sieht man um sich herum die Menschen, die schon alles geplant und aufgebaut haben und diejenigen, die sich seit ihrem Studium kaum verändert haben. Luise, die alles Potential hat ein solides Leben zu führen, ist unsicher, ob dieser gewählte Weg der richtige und vor allem der finale Weg ist. Dieses Gefühl des Festgelegt-werdens fängt Kuttner brilliant ein. Oft reagiert Luise über, sodass man sich als Leser schämt, aber trotzdem erscheint einem dieses Gefühl vertraut. Hinzu kommt eine schöne, zärtliche Liebesgeschichte, die berühren kann. Gerade die Alltagsmomente der beiden sind herzerfrischend. Geschrieben ist das Ganze frech von der Leber weg mit einem leichten und lockeren Schreibstil, der aber sehr angenehm zu lesen ist. Durchsetzt ist alles mit gutem Humor und vortrefflichen Beschreibungen. Kuttner bleibt sich ihrem Stil und ihrer Sprache treu, so dass man auf ihren 2016 erschienen Roman “180° Meer” gespannt sein darf.

Fazit: Der Roman “Wachstumsscherz” kann, wie ihr Debüt, mit einer trefflichen Gesellschaftsdarstellung und zutiefst menschlichen Charakteren überzeugen. Dabei schafft es das Buch, den Leser zum Lachen und vielleicht auch zum Weinen zu bringen. Der Roman ist empfehlenswerte und leicht zugängliche Unterhaltungskost.

Bewertung: 5/5

geschrieben von Doreen Matthei

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