“24 Wochen” (2016)

 © Neue Visionen Filmverleih

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Filmkritik: Der deutsche Film hatte schon immer eine besondere Schwäche für Dramen und Geschichten über Behinderungen. Dabei schafften es die Filme oftmals nicht über TV-Spielfilm-Niveau hinaus. Doch die in Erfurt geborenen Regisseurin Anne Zohra Berrached schuf mit ihrem neuesten Film –  “24 Wochen” (Deutschland, 2016) – ein realitätsnahes und ergreifendes Drama.

Die bekannte Kabarettistin Astrid Lorenz (Julia Jentsch) führt ein glückliches Leben mit ihrem Beruf, von dem sie gut leben kann, und mit ihrem Mann Markus (Bjarne Mädel), der auch ihr Manager ist. Als die beiden ihr zweites Kind erwarten, scheint alles perfekt zu sein, bis ihr Arzt ihnen mitteilt, dass das Kind schwer krank ist und sich die Art der Erkrankung noch nicht bestimmen lässt. Astrid und Markus stehen nun vor der Entscheidung, ob sie das behinderte Kind bekommen wollen oder die Möglichkeit nutzen, es bis zur 24. Woche noch abzutreiben.

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Die deutsche Regisseurin Anne Zohra Berrached wagt sich mit “24 Wochen” an sehr schwierige Themen heran. Die Themen Abtreibung und Behinderung sind sensible Themen, bei denen fast jeder eine Meinung besitzt oder auf bestimmten Standpunkten beharrt. Diese lotet sie vortrefflich in ihrer Geschichte aus. Einige Menschen kommen stellvertretend zu Wort und fangen die unterschiedlichen Stimmungen und Ansichten ein. Der Film zeigt wunderbar, dass man sich nicht frei von der Gesellschaft für einen Weg entscheiden kann. Das Drehbuch, was von Berrached und Carl Gerber geschrieben wurde, wählt dafür eine Person im Rampenlicht aus, um stärker zu betonen, dass eine so persönliche Entscheidung trotzdem nicht nur privat ist. Man sieht dem Film seine genauen Vorbereitungen und Recherchen an. Er wirkt stets lebensnah und die Figuren handeln nie unrealistisch. Die Gefühle der Protagonisten werden stimmig eingefangen und das führt automatisch zu der Frage für den Zuschauer, was er tun würde. In Deutschland treiben 90% der Frauen, bei deren am Kind eine Fehlbildung diagnostiziert wurde, nach der 12. Woche noch ab. Der Film lotet authentisch das Abwägen aus und zeigt, dass solche Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen werden und welche Konsequenzen das für alle Beteiligten hat. Dabei verwendet die Filmemacherin eine klare, realistische Filmsprache und schont die Zuschauer auch nicht vor härteren Bildern. Dafür wurden die Ärzterollen im Film alle von echten Fachärzten ‘gespielt’, so dass eine genaue Wiedergabe solcher Situationen und Gespräche eingefangen werden konnte. Auch in der Sprache bleibt der Film vollständig in der Realität verhaftet. Dafür wurden viele Interview-Gespräche, welche im Vorfeld recherchiert und angehört wurden, in die Film-Dialoge übertragen. Getragen wird das ganze von den beiden sehr guten deutschen Darstellern Julia Jentsch und Bjarne Mädel, die ihren Figuren viel Authentizität und Gefühlstiefe geben.

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Fazit: Der deutsche Film “24 Wochen” schont seine Zuschauer nicht. Er zeigt lebens- und gefühlsecht zwei Personen, die in einer sehr schwierigen Situation die richtige Entscheidung treffen müssen und dabei aber nicht losgelöst von der Gesellschaft agieren können. Der Film kann den Betrachter für sich einnehmen und erschüttern und diesen anregen darüber nachzudenken, welche die richtigen Moralvorstellungen sein könnten und wie er sich persönlich entscheiden würde. Der Spielfilm “24 Wochen” der Regisseurin Berrached ist ein gelungenes, einfühlsames Drama über ein sehr schweres Thema.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 22.09.2016

DVD-Start: unbekannt

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Neue Visionen Filmverleih

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