Leipziger Buchmesse – kein Muss für Bücherfreunde

lbm17_leipzigliest_rgbMeinung: Ich bekomme von Büchern nicht genug. Trotzdem hatte ich bisher wenig Neigung, zur Buchmesse zu gehen. Allem voran, weil ich keine Menschenmassen mag. Nun habe ich es doch gewagt. Hier mein Befund nach einem Sonntag voller Menschen, Bücher und anschließendem Muskelkater.

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Heute noch in Indien, bald vielleicht schon zur Leipziger Buchmesse: Zug mit Menschen darin, darauf, darum. (c) Reuters

Stapelei in der Straßenbahn, das ist der erste Eindruck. Wie hasse ich in diesen Momenten die Cosplaymenschen mit ihren raumgreifenden Flügelkostümen und ihren sperrigen Plastewaffen. Wobei: Da ich eh nicht aus dem Fenster gucken kann, hab ich mit der hübsch geschminkten Elchfrau wenigstens was zu Schauen. Trotzdem, liebe Veranstalter: Freut euch doch bitte nicht einfach über jährlich wachsende Besucherzahlen. Reagiert auch drauf, sonst sieht das bald so aus wie auf dem Bild nebenan.

Um mal kurz über den Faktor Kosten zu sprechen: Preiswert ist so ein Messetag nicht. Zum Glück kann man Getränke (aber keine Glasflaschen!) und Essen mitnehmen. So erspart man sich horrende Preise an den Fressständen. Wer aus Sparsamkeit oder Zeitknappheit auf Hotel und Übernachtung verzichtet, der muss allerdings auf die Leseabende und –nächte verzichten. Gut sollen sie sein, vielleicht sind sie die geheimen Höhepunkte der Messe.

Möglich, dass am Sonntag deshalb weniger Menschen auf der Messe waren, weil da die literarische Crème schon durch war. Ja, eine Sabine Ebert zieht Massen in die Lesung, aber mal ehrlich, die große Literatur ist es wirklich nicht. Und wo Autoren sind, da sitzt schon ein Schwarm Menschen drum herum. Ein persönliches Erlebnis mit einem Autorenidol? Da ist man mit den gut gemachten Videos von den Messelesungen oft näher dran.

Aber es gibt ja noch das, was der Messe den Namen gibt: Bücher. Jede Menge davon. Sehr interessant sind die Stände von Buchkunst und –druck. Hier kann man selbst Hand anlegen und die handwerkliche Seite der Buchherstellung bestaunen. Unter anderem stellt sich hier auch das Druckkunstmuseum Leipzig vor und macht Lust auf einen Extra-Besuch. Dazu gibt es einige Meter Antiquariat. Die teureren Ausstellungsstücke sind im Vitrinenghetto, zu dem man nur ohne Rucksack oder große Taschen Zutritt erhält. Auch Druckkunst und Rundfunk bekommen ihre Plätze.

Die klassischen Verlagsstände sind kleinere oder größere Abteile mit Büchern und Menschen drin. Da überschlägt sich der Besucher schon vor Begeisterung, wenn ein Stand mal mit einem kleinen Glücksrad lockt. Entsprechend lang sind die Schlangen davor. Ansonsten stapeln sich die Verlagsprogramme zum Mitnehmen, ab und an flattert ein Gratis Lesezeichen herum. Besonders ansprechend oder sinnlich in irgendeiner Weise ist kaum ein Aussteller. Ja, der kleine Maulwurf läuft durch die Hallen. Das wars.

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Cosplayer und Literaturfreunde im einträchtigen Gedrängel. (c) Carsten Otte SWR – ein Bild aus der Polemik „Kein Ort für nackte Hasen“

Da kann man froh sein über die Cosplayer, die das Treiben ordentlich aufmischen. Dank ihnen bietet die Buchmesse nicht nur etwas fürs Hirn, sondern auch für die Augen. Absolut idiotisch die Polemik des SWR. Allen Ernstes, auch Menschen, die sich wie Zeichentrickfiguren anziehen, können politisch sein und sich für Literatur interessieren.

Was mich enttäuscht: Ich hatte gehofft, kleine Verlage (keine Selbstverlage) kennenzulernen und neuen interessanten Lesestoff auszumachen. So recht hat das nicht funktioniert. Ein Messestand ist teuer, vielleicht liegt es daran, dass man vor allem die etablierteren Verlage findet. Echt geärgert hat mich, dass in der Messebuchhandlung nur genau das zum Kauf versammelt war, was man auch im 08/15-Thalia findet. Dazu muss ich doch wirklich nicht auf die Messe gehen! Ja, bei einigen Ständen kann man auch direkt kaufen, dank der intelligenten Erfindung der mobilen Kassen. Und dann haben wir wieder das Kreuz mit den kleinen Verlagen, die meistens nur Ansichtsexemplare mithaben und nur selten Verkaufsstoff.

Das immerhin ist ein Vorteil davon, am Sonntag auf die Messe zu gehen. Wer bis abends bleibt, kann auch die einzelnen Ausstellungsstücke von den Verkaufsständen erwerben. Ich habe dem Haffmans Verlag die Rückfahrt ein wenig erleichtert. Der Rest waren kiloweise Prospekte und kostenlose Zeitungen. Der Zug ist voll, die Taschen auch. Schwer werden die auf der Heimfahrt, und die Füße tun weh.

Fazit: Einmal Buchmesse reicht. Jedenfalls mir. Was sagt ihr zum Sinn und Unsinn von Messen? Was liebt ihr dran, warum wollt ihr immer wieder da hin – oder eben nicht?

Geschrieben von Katrin Mai

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