”Die kleine Hexe” (2018)

Poster zum Film "Die kleine Hexe"Filmkritik: Viele Jahre hat sich der Kinderbuchautor Otfried Preußler, welcher im Jahr 2013 verstorben ist, dagegen gewehrt, dass sein Kinderbuch “Die kleine Hexe” verfilmt wird. Nun erschien nach den anderen Preußler Romanverfilmungen “Krabat” und “Das kleine Gespenst” LINK doch eine Adaption des Stoffes: “Die kleine Hexe” (Deutschland/Schweiz, 2018), welche unter der Leitung von Michael Schaerer realisiert wurde.

 

© StudioCanal

Die kleine Hexe (Karoline Herfurth) ist mit ihren 127 Jahren einfach zu jung, um auf dem Blocksberg in der Walpurgisnacht mittanzen zu dürfen. Trotz warnender Hinweise ihres Raben Abraxas (gesprochen von Axel Prahl) schleicht sie sich auf das Fest. Als sie erwischt wird, muss sie versprechen, dass sie im nächsten Jahr eine gute Hexe wird und alle fast 8000 Zaubersprüche aus dem großen Hexenbuch lernt. Unter dem misstrauischen Auge der Wetterhexe Rumpumpel (Suzanne von Borsody) macht sie sich an die Arbeit und lernt jeden Tag und beginnt gleichzeitig den Dorfbewohnern zu helfen.

© StudioCanal

Im Jahr 1957 schrieb Otfried Preußler, nachdem er sich die Geschichte für seine drei Töchter ausgedacht hatte, das Buch “Die kleine Hexe”, welches 1958 sogar für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert wurde. Das schmale Büchlein wurde in 47 Sprachen übersetzt, bekam diverse auditive und visuelle Adaptionen und gehört heute zu den Kinderbuchklassikern. Preußler hatte sich viele Jahr dagegen gewehrt, diesen Stoff auf der Leinwand zu sehen, vertraute aber dem bekannten Produktionsteam, welches bisher seine Bücher adaptiert hatte. Das Drehbuch schrieben Matthias Pacht und die Regie übernahm Michael Schaerer (*1975), der als Cutter bei dem Kinoerfolg “Heidi” (2015) mitgewirkt hatte. Dabei blieben sie sehr dicht an der Vorlage, ließen zwar die eine oder andere Episode weg und bauten die Freundschaft zwischen Abraxas und der kleinen Hexe, welche im Film deutlich jünger wirkt als in den Zeichnungen des Buchillustrators Winnie Gebhardt-Gayler, aus. Auch manche recht typischen Überzeichnungen des deutschen Kinderfilms wurden hier erwartungsgemäß eingebaut. So sind die Hexen übertriebene Charakterisierungen ihrer Selbst und sollen mit diversen Slapstick-Einlagen den humoristischen Nerv der kleinsten Zuschauer treffen. Doch ansonsten ist die Adaption des Kinderbuchklassikers wunderbar gelungen und nah an der Vorlage, sodass sogar Susanne Preußler-Bitsch, die Tochter von Otfried Preußler, überzeugt war und ihren Segen gab.

© StudioCanal

Auch in der Optik des Films wurden großen Wert auf die Nähe zum Buch gelegt, wie auch auf sein junges Publikum. Die Illustrationen wurden in wunderbar bunte, übersteigerte Bilder übertragen und leben von vielen kleinen Details. Gerade das Hexenhaus mit seinem sympathischen Chaos und der verträumte Wald drumherum tragen viel zur Magie des Films bei. Genauso liebevoll wurde der Rabe Abraxas gestaltet. Der Schauspieler Axel Prahl verleiht dem Raben nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Mimik wurde auf die 60 cm große Vogel-Puppe, eine ferngesteuerte Animatronic-Puppe, übertragen. Die handgemachte Technik sieht man dem Tier an und es besitzt dadurch einen liebevollen Retro-Charme. Allgemein bereitet die fantasievolle und kunterbunte Ausgestaltung Freude. Zudem belebt das erfrischend fröhliche Spiel von Karoline Herfurth (bekannt aus “Fack ju Goehte” und “SMS für Dich”), welche auf dem ersten Blick etwas zu jung für diese Rolle wirkt, die Szenerie. Mit ihrem quietschbunten Look, der offensichtlich angeklebten Hexennase und ihrem sonnigen Gemüt hat sie alle Sympathien auf ihrer Seite. Einzig störend ist die Überzeichnung der Bösewichte, die hier sehr typisch für deutsche Kinderfilme daherkommen und fast alle Erwachsenen als dumme Trottel dastehen lässt. So sind gerade die spannendsten Szenen mit den anderen Hexen zusammen für den einen oder anderen erwachsenen Zuschauer zu anstrengend geworden.

© StudioCanal

Fazit: Die Kinderbuchverfilmung “Die kleine Hexe” nach einem Roman des verstorbenen Otfried Preußler besticht mit einer getreuen Umsetzung, einer hervorragenden Hauptdarstellerin und einem hohen Maß bunter und fröhlicher Erzählfreude. So kann der Film nicht nur Fans beglücken, sondern eignet sich gut auch für Erwachsene und vor allem für eine neue Generation von Kindern, welche den Stoff für sich neu entdecken können.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 1. Februar 2018, DVD-Start: 16. August 2018

Der Trailer zum Film “Die kleine Hexe”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s