„Auslöschung“ (2018)

© Netflix

Filmkritik: Science-Fiction ging in der Kulturgeschichte schon oft Hand in Hand mit der Philosophie. In der Literatur denkt man da besonders an die Werke von Stanislaw Lem. Aber nicht nur seine verfilmten Büchern, sondern auch Filme wie “Stalker” (1979) von Andrej Tarkowski, Kubricks “2001: Odyssee im Weltraum” (1968) und “Moon” (2009) zeigen, dass Science-Fiction mehr kann als Weltraumschlachten. Der neueste Film von Alex Garland – Auslöschung (OT: “Annihilation”, USA/UK, 2018) gehört ebenfalls zu dieser Art Filme und wurde deshalb aus den deutschen Kinos verbannt.

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Nachdem ihr Ehemann Kane (Oscar Isaac) traumatisiert von einem Geheimprojekt zurückkehrt, macht sich die Molekularbiologin Lena (Natalie Portman) auf, herauszufinden, was passiert ist. Zusammen mit der Sanitäterin Anya (Gina Rodriguez), der Vermesserin Cass (Tuva Novotny) und der Physikerin Josie (Tessa Thompson) macht sich das Expeditionsteam unter der Leitung der Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) auf den Weg in den Schimmer. Ein ganzes Gebiet ist von dieser scheinbar außerirdischen Hülle umgeben und alle bisherigen elf Expeditionsteams sind daraus nicht zurückkehrt. So sollen sie nicht nur die Pflanzen- und Faunawelt erkunden, sondern auch herausfinden, was mit den Männern passiert ist.

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Der Film basiert auf dem Roman “Auslöschung” (OT: “Annihilation”, 2014) aus der ‘Southern-Reach’-Trilogie von Jeff VanderMeer (*1968). Bereits, als es noch nicht klar war, dass es eine Trilogie werden würde, nahm sich der britische Regisseur und Schriftsteller Alex Garland (*1970) des Stoffes an. Schon in den 90er Jahren hat er sich mit dem Roman “Der Strand” (1996), welcher später mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle verfilmt wurde, und später mit Drehbüchern zu den Danny Boyle Filmen “28 Days Later” (2002) und “Sunshine” (2007) einen Namen gemacht. Als im Jahr 2015 sein Debütfilm “Ex Machina” erschien, bewies er, dass er auch ein Händchen für komplexe Science-Fiction-Stoffe und die Regie selbst besitzt. So ist er die ideale Wahl für den verkopften Science-Fiction-Film “Auslöschung”. Doch nach dem Start in den amerikanischen, kanadischen und chinesischen Kinos und schon zuvor bei Testscreenings bekam den Film den Ruf als zu schwierig für das Publikum zu sein, so dass Paramount kurzerhand die Rechte an Netflix verkaufte und das europäische Publikum nie die Chance bekam, diesen kinotauglichen Film auf der großen Leinwand zu sehen.

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Alex Garland übernahm auch die Ausarbeitung des Drehbuchs und sah das erste Buch der Trilogie als geschlossene Einheit an. Dies übernimmt er auch in seinen Film. Dabei geht er in einigen Punkten viel konkreter vor als die Romanvorlage. So wird der Schrecken bebildert und der Schimmer wird bei Garland erklärbar. Dabei macht er es nicht zu einfach und fordert den Zuschauer dazu auf, mitzudenken und Fragen zu stellen. Viele Phänomene kommen bei der Geschichte zusammen und regen ein neues Umweltbewusstsein und die Frage nach der Identität an. Was also dem Testpublikum zu verkopft und zu intellektuell vorkam, ist ein verlockendes Science-Fiction-Gedankenmodell, das man so schon lange nicht mehr im Kino gesehen hat. Der letzte Film, der Science-Fiction für mehr als nur den Retro-Charme oder Popcorn-Unterhaltung benutzte, war der kluge “Arrival” (2016) von Denis Villeneuve.

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Zu der interessanten Erzählung hinzu kommt die Ausgestaltung, welche auf der großen Leinwand viel Freude bereitet hätte. Der Schimmer hat die Natur verändert und bietet sich ein buntes Spektrum in der Flora und Fauna dar. Wie in einem Märchen mit einem unnatürlichen Glimmen umgeben bietet sich dem Zuschauer eine bunte Fantasiewelt dar. Im Gegensatz dazu stehen die gigantischen Tiere und das alles verschluckende Dunkel der Nacht. Man kann die Faszination und die Angst der Truppe der Wissenschaftlerinnen spürbar nachvollziehen. Diese werden von fünf hervorragenden Schauspielerinnen dargestellt. Allen voran als Aushängeschild natürlich die bekannte Natalie Portman. Doch auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt. Die so unterschiedlichen Frauen werden von Jennifer Jason Leigh (“eXistenZ” (1999), “The Machinist” (2004)), Gina Rodriguez (bekannt aus der Serie “Jane the Virgin” (2014-2018) und “Deepwater Horizon” (2016)), Tessa Thompson (“Thor: Tag der Entscheidung” (2017)) und der norwegischen Darstellerin Tuva Novotny (“Rosemari” (2016)) wunderbar eingefangen und binden die Zuschauer an das Geschehen, auch wenn man gleich zu Anfang weiß, dass es nicht gut ausgehen wird. So ist der Film ein Science-Fiction-Film der anderen Art, der mit seinem Look, der verkopften Geschichte und den wunderbar ausgewählten Darstellern perfekte Kinounterhaltung bietet.

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Fazit: Der Science-Fiction-Spielfilm “Auslöschung”, nach einem Roman von Jeff VanderMeer, ist mehr als nur einfache Unterhaltung. Die Geschichte verbindet wichtige Themen, schult das Umweltbewusstsein und regt die Zuschauer zum Nachdenken an. Hinzu kommt eine kinowürdige Umsetzung mit fantastischen Bildern und einem großartigen Ensemble. Es ist schade, dass Paramount sich nicht getraut hat, es in die europäischen Kinos zu bringen. Das Publikum wäre auf jeden Fall bereit dafür gewesen.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 12. März 2018, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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