„Sex Education“ (Staffel 1, 2018)

Poster der Serie „Sex Education“
© Netflix

Serienkritik: Gefühlt im Minutentakt liefert uns Netflix neue Serien. Dabei darf man nicht alle ernst nehmen oder gar alle ansehen. Doch die 2018 kreierte Serie „Sex Education“ aus der Hand von Laurie Nunn ist trotz seines vor allem reißerisch angelegten Titels eine wunderbare Coming-of-Age-Geschichte mit nicht stereotypen Charakteren, die einfach Laune macht.

Für Otis Milburn (Asa Butterfield) und seinen besten Freund Eric Effiong (Ncuti Gatwa) scheint das neue Jahr an der Moordale High endlich ihr Jahr zu werden. So hatten sie sich das zumindest vorgestellt. Doch der eine ist zu schüchtern und der andere etwas zu außergewöhnlich und so ecken sie auch in diesem Schuljahr wieder an. Das Blatt scheint sich erst zu wenden, als Otis, der Sohn der berühmten Sextherapeutin Jean (Gillian Anderson) sich mit der Außerseiterin Maeve Wiley (Emma Mackey) zusammentut und den Highschool-Kids eine Sex-Therapie anbietet. Dadurch ändert sich auf einmal sein Status und sogar die Highschool-Könige wenden sich an die beiden.

Asa Butterfield und Connor Swindells
© Netflix

Die Serienschöpferin Laurie Nunn schuf zusammen mit ihren beiden Regisseuren Ben Taylor und Kate Herron eine außergewöhnliche Highschool-Serie. Angeordnet ist sie dabei irgendwo im nirgendwo, so dass man es als Zuschauer die Serie schwer im Wo und Wann verorten kann. Sie erzählt eine in den Grundlagen klassische Coming-of-Age-Geschichte von Außenseiter-Highschool-Schülern. Basierend auf der Grundidee einer Sextherapie, welche für ein amüsantes Sammelsurium zwischen echten und kindlich naiven Problemen sorgt, beschäftigt sich die Serie vor allem mit ihren Charakteren, die alle mehr sind als reine Abziehbilder, wie man anfänglich noch vermuten würde. Zwar haben wir auch hier den Sportler, die coole Außenseiterin, den nerdigen Außenseiter, den bunten Schwulen und den Kraftprotz mit Vaterproblemen. Aber bei dieser anfänglichen Charakterisierung bleibt es nicht, die Serie traut sich in die Tiefe zu gehen und den Protagonisten Raum zu geben sich zu verändern. So treten ziemlich schnell die skurrilen Sex-Geschichten in den Hintergrund und zeigen, dass sich die Jugendlichen erfrischenderweise immer noch mit den gleichen Problemen wie eh und je beschäftigen: Ausgrenzung, die eigene Beliebtheit und die erste Liebe. Dazu passt das zeitlose Gewand wunderbar und man ist froh, dass man diese Serie nicht richtig verorten kann.

Asa Butterfield und Gillian Anderson
© Netflix

Der Stil trägt nämlich viel zu der Wirkung bei. Nicht nur hat der Zuschauer Freude an der Irritation, was die Zeit angeht, sondern die Verortung zwischen 80er-Jahre-Flair und Smartphone-Generation bereitet Freude. In dieses Szenario schmiegen sich wunderbar die Darsteller ein. Ava Butterfield (bekannt geworden durch „Die Insel der besonderen Kinder“ (2016) von Tim Burton und „Enders Game“ (2013)) ist die perfekte Besetzung für Otis. Er schafft es den Außenseiter, der keiner sein müsste, mit der richtigen Mischung aus Schüchternheit und Liebenswürdigkeit darzustellen. Doch auch die anderen Darsteller funktionieren hervorragend in ihren Rollen und geben ihren Figuren genug mit, das nicht zulässt, dass man diese zu einseitig betrachten würde. Besonders aus dem Ensemble sticht aber Gillian Anderson hervor (immer noch vor allem bekannt für „Akte X“ (1993-2016)). Sie verkörpert Otis’ Mutter und Sexthereapeuthin mit so viel erfrischendem offenen Charme und spielt damit gegen ihre Rolle als brave FBI-Agentin Dana Scully an. Zusammen mit dem gut eingesetzten Score ergeben Geschichte und Darsteller eine Serie, welche wunderbar unterhält, so dass man sich schon jetzt auf eine zweite Staffel freut.

Ncuti Gatwa und Asa Butterfield
© Netflix

Fazit: Die achtteilige Netflix-Serie „Sex Education“ überzeugt als eine Highschool-Serie, die zu einer undefinierbaren Zeit spielt, wunderbare Charaktere schuf und eine Mischung aus moderner sexueller Offenheit und klassischen High-School-Film- und Coming-of-Age-Elementen besitzt. Hinzu kommt die tadellose Umsetzung und der großartige Cast mit u.a. Asa Butterfield und Gillian Anderson. Das macht „Sex Education“ zu einer großartigen Serie, die hoffentlich das Publikum bekommt, was sie verdient, und so mit einer zweiten Staffel die Geschichte fortführen kann.

Bewertung: 5/5

Trailer zur ersten Staffel der Serie „Sex Education“

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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