Fünf Fragen an Abini Gold

Marvin Schatz, Abini Gold

Interview: Der Gewinner des Goldenen Reiters für den ‘Besten Spielfilm’ im ‘Nationalen Wettbewerb’ war der Kurzfilm „Joy“ von Abini Gold. Im Interview erzählt sie uns mehr zu der Entstehung des Films, den wahren Tatsachen dahinter und wie sie ihre Hauptdarstellerin fand.

Als Besucher des 30. Filmfest Dresden kann ich mich noch sehr gut an Deinen eindringlichen Kurzfilm „Joy“ erinnern, der den Goldenen Reiter trotz starker Konkurrenz gewinnen konnte. Wie hast Du die Geschichte dafür entwickelt – sie scheint ja auf wahren Tatsachen zu beruhen?

Ich las in der Zeitung einen mehrseitigen Artikel über einen Fall, der zu dieser Zeit vor Gericht verhandelt wurde: Ein junges Mädchen hat ihrer Mutter in einem Streit ein Küchenmesser in den Hals gestochen. Dieser Artikel ließ mich wochenlang nicht los. Mich beschäftigte die Frage, wie das Leben dieses Mädchens wohl aussieht, was auf ihrer Seele lasten muss, um so eine Tat zu begehen.

Ich konzentrierte mich in der Entwicklung der Geschichte vordergründig auf die Beziehung zwischen einem jungen Mädchen, das keine soziale Beständigkeit kennt, und ihrer Mutter, die viel zu sehr mit der Suche nach der Liebe für sich selbst beschäftigt ist. Meine Recherche konzentrierte sich deshalb vor allem auf das Abhängigkeitsverhältnis von Mutter und Tochter. Auf Grundlage dieser Recherche und inspiriert von dem Zeitungsartikel schrieb

ich unzählige Alltagsszenen, die sich zwischen Mutter und Tochter ereignen könnten, wählte die intensivsten aus und gestaltete daraus das Drehbuch zu „Joy“.

Kritiker könnten sagen, Du erzählst eine Geschichte, die man schon allzu oft gesehen hat. Vor allem das Ende erfreute einen Besucher des Filmfest Dresden besonders wenig. ich finde, Du variierst das Thema stimmig. Aber was würdest Du auf diese Kritik antworten?

Man könnte behaupten, dass alles schon einmal irgendwie erzählt wurde. Doch niemand hört deshalb auf Geschichten zu erzählen oder Filme zu machen. Für mich ist entscheidend, dass ich als Filmemacherin eine neue Perspektive und meine eigene Sprache finde, eine Geschichte zu erzählen. Wenn einen Besucher das Ende des Films ermutigt mir seinen Wunsch nach einem anderen Ende mitzuteilen, sehe ich das in erster Linie positiv. Der Besucher hatte den Wunsch zu erfahren, was mit den Figuren weiterhin geschieht und das nehme ich als Kompliment, denn die Figuren und ihre Konflikte haben offenbar Interesse und Anteilnahme geweckt.

Erzähl mir mehr zur visuellen Ausgestaltung. Deine Kameraführung ist kreativ und dein Setting wirkt stets authentisch. Wie habt ihre Locations gefunden?

Bei der Suche nach einer geeigneten Location hat uns die Stadt Ludwigsburg unterstützt. Glücklicherweise fanden wir eine leerstehende Wohnung in einem Mietshaus, das abgerissen werden sollte. Dort hatten wir freie Hand und konnten das Set nach unseren Vorstellungen gestalten. Die visuelle Gestaltung habe ich gemeinsam mit dem Kameramann des Films, Marvin Schatz, erarbeitet. Marvin Schatz ist ein herausragender Kameramann, der sich für die Figuren interessiert, die Essenz einer Szene heraus spürt und die Kameraarbeit als Instrument nutzt, um die Geschichte zu erzählen. Wir waren uns schnell einig, dass die Kamerabewegungen ausschließlich von „Joy“ motiviert werden und wir den ganzen Film über mit der Kamera nah bei ihr bleiben möchten.

Wunderbar ist auch Deine Hauptdarstellerin Sara Mahita. Wie bist Du auf sie aufmerksam geworden?

Schon während des Drehbuchschreibens habe ich Sarah zufällig auf der Internetseite ihrer Schauspielagentur entdeckt. Ihr Gesicht war mir also während des Entwicklungsprozesses schon sehr präsent. Als ich sie für ein erstes Gespräch traf, war sie 17. Ihre Ausstrahlung und ihre emotionale Intelligenz beeindruckten mich so sehr, dass ich sie sofort für die Rolle besetzte. Eine gute Bauchentscheidung, wie sich zeigte. – Nach „Joy“ habe ich einen weiteren Film mit Sarah Mahita in der Hauptrolle gedreht.

Kannst Du mir bisschen mehr über dich erzählen? Wie kamst Du zu Deiner Filmliebe? Welche weiteren Projekten stehen am Start?

Ich kann nicht behaupten, dass ich schon im Sandkasten wusste, dass ich Filme machen möchte. Ich habe die Liebe zum Film erst schrittweise entdeckt. Nach meinem Abitur zog ich von Berlin nach Hannover, um dort Journalismus zu studieren. Als Abschlussprojekt drehte ich einen Dokumentarfilm über das Leben zweier Balletttänzerinnen, die ganz unterschiedlich mit dem Druck umgehen, von ihrer Kunst leben zu müssen. Nach dieser ersten Filmerfahrung wollte ich mehr. Ich wollte irgendwo hin, wo ich auf Menschen treffe, die mein Interesse teilen und mir mehr über das Filmemachen beibringen können. Also bewarb ich mich 2014 an der Filmakademie Baden-Württemberg. Seitdem gibt es kaum einen Tag ohne die Arbeit an einem Film. Nach einer langen und aufregenden Festivalreise mit „Joy“ hat nun „Crossing Borders“, mein zweiter Film mit Sarah Mahita in der Hauptrolle, seine Premiere auf den Hofer Filmtagen gefeiert. Auf meinem Schreibtisch wütet jetzt das kreative Chaos für mein Diplomfilm.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension zu dem Kurzfilm „Joy

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