Fünf Fragen an Zaide Kutay und Christelle Serrano

Regisseurinnen Christelle Sorrano und Zaide Kutay

Interview: Im Gespräch mit Zaide Kutay und Christelle Serrano erzählen sie mehr über den gemeinsamen Film mit Christelle Serrano „The Market of Lost Things“, welchen sie gemeinsam an der Hochschule Luzern Design und Kunst entwickelt haben. Dabei berichten sie von der Entstehung, der tonalen Umsetzung und ob Miyazaki auf ihr Werk Einfluss genommen hat.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Geschichte zu eurem gelungenen Film „The Market of Lost Things“ entstanden?

Während ich nach einem längeren Aufenthalt in Südkorea die Idee für diesen Film hatte, war die Geschichte überhaupt nicht festgelegt und wurde so im letzten Jahr unseres Bachelor-Studiums über einen längeren Zeitraum hinweg gemeinsam entwickelt, meist durch Diskussionen und Zeichnungen. Dieser Prozess dauerte aufgrund der erzählerischen Komplexität viel länger als erwartet und es gab noch Veränderungen während des eigentlichen Produktionsprozesses – was nicht ideal ist, wenn man einen Animationsfilm machen will, aber am Ende am besten funktioniert hat.

Erzählt mir mehr zu den Animationen – welche Stile und Werke haben euch beeinflusst, wir habt ihr euren gemeinsamen Stil gefunden?

Wir haben uns nicht bewusst auf Animationen und Stile bezogen, obwohl wir eine gemeinsame Leidenschaft für japanische Animationsfilme teilen (der bekannteste davon ist wohl „Spirited Away“ [„Chihiros Reise ins Zauberland“, 2001] von Hayao Miyazaki) und das muss ein großer Einfluss auf unsere beiden Stile im Allgemeinen gewesen sein und ein Punkt, an dem wir uns im Designprozess treffen konnten.

Faszinierend ist die Ansammlung von Figuren auf dem Markt – manche brechen dabei den klassischen Look und passen sich auch nicht wirklich dem Stil an. Was steckt dahinter?

Die Idee für den Markt war, dass er eine Verschmelzung aller Art sein sollte: Alle Arten von Objekten und Kreaturen sollten möglich sein, sowohl mit Hut als auch alle Arten von Stilen und Geschichten.

Wie verlief eure Zusammenarbeit? Hattet ihr jeweils feste Arbeitsbereiche?

Es war ein großes Glück, dass wir beide verschiedene Teile des Filmproduktionsprozesses bevorzugen, so dass wir uns so perfekt ergänzen konnten. Während Christelle eine echte Animatorin ist und daher für fast die gesamte Animation und das Storyboard verantwortlich war, übernahm ich die künstlerische Leitung und den größten Teil der Postproduktion (Compositing, Sound Design). Also ja, wir hatten mehr oder weniger feste Arbeitsbereiche, obwohl diese Grenzen nicht ganz undurchlässig waren (ich habe den Großteil des Mädchens animiert und Christelle hat die Hintergründe gemalt und auch viele Charaktere entworfen).

Faszinierend ist auch euer Ton. Könnt ihr mehr zu der Musik und euren Verzicht auf Sprache erzählen?

Wir hatten Glück, dass wir die exzellente Komponistin Mirjam Schnedl und die Sounddesignerin Ramona Graf hatten, mit denen es möglich war, den Ton genau so zu realisieren, wie wir es uns vorgestellt hatten. Da der Ton im Allgemeinen leicht bis zu einer Hälfte eines Animationsfilms ausmachen kann, war es uns sehr wichtig, auch für unseren Film ein durchdachtes Konzept zu entwickeln. Die Idee war, die bizarre und beunruhigende Atmosphäre des Marktes einzufangen, und da das Bild an sich ziemlich warm und fröhlich ist, fiel es auf die Musik und den Ton zurück, um all das zu übertragen. Wobei diese Art von Kontrast zum Bild besteht – wenn man den Film tatsächlich ohne Ton sieht, wird ein ganz anderer Markt entstehen.

Wie geht es bei euch weiter? War der Film eure erste Zusammenarbeit und wird es noch weitere gemeinsame Projekte geben?

Da wir ziemlich gut zusammengearbeitet haben, denken wir in der Tat über zukünftige gemeinsame Projekte nach. Dieser Film war unsere erste Zusammenarbeit, unser erster Film im Allgemeinen, also treffen wir uns hoffentlich wieder für einen weiteren Animationsfilm, nachdem wir beide unser Studium abgeschlossen haben!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Market of Lost Things


Interview: In our interview with Zaide Kutay and Christelle Serrano, they tell us more about their joint film with Christelle Serrano „The Market of Lost Things„, which they developed together at the Lucerne School of Art and Design. They talk about the creation, the tonal realization, and whether Miyazaki influenced their work.

How did the story for your cohesive film „The Market of Lost Things“ come about?

While I came up with the idea/concept for this film after a longer stay in South Korea, the story was not fixed at all and thus developed together over a longer period of time in our last year of our Bachelor, mostly through discussions and drawing. This process took much longer than anticipated because of the narrative complexity and changes were still ongoing in the actual production process – which is not ideal, if you want to make an animation film, but worked out for the best in the end.

Tell me about the animation – which styles and works have influenced you, how did you find your shared style?

We did not consciously reference to any animation and styles though we do share a common passion for Japanese animated film (most prominent here would probably be Spirited Away by Hayao Miyazaki) and that must have been a big influence on both of our styles in general and a point where we were able to meet each other in the design process.

Fascinating is the collection of characters on the market – some break the classic look and don’t really fit the style. What is behind that?

The idea for the market was that it should be an amalgam of all kinds: all kinds of objects and creatures should be possible, and with hat as well as all kinds of styles and stories.

How did your cooperation go? Did you have fixed areas of work?

It was very fortunate that we both prefer different parts of the filmmaking process so we could complete ourselves perfectly that way. Whereas Christelle is what you would call a true animator and therefore was responsible for almost all of the animation and and the storyboard, I took over the art direction and most of the post-production (compositing, sound design), so yes, we did have more or less fixed areas of work, although those borders were not thoroughly impermeable (I did animate most of the girl and Christelle painted the Backgrounds and designed a lot of characters as well).

Your tone is also fascinating. Can you tell us more about the music and your avoidance of language?

Very fortunate for us as well, we had excellent composer Mirjam Schnedl and sound designer Ramona Graf, with whom it was possible to realize the tone exactly the way we envisioned. As the sound in general can easily constitute up to a half of an animation film, it was very important for us to develop a well thought-through concept for our film as well. The idea was to empathize the bizarre and disconcerting atmosphere of the market and as the image in itself was rather warm and joyful it fell to the music and sound to transfer all that, with that being sort of contrasting to the image – if you actually watch the film without sound a whole different market will emerge.

How does it continue with you? Was the film your first collaboration and will there be more joint projects?

As we worked pretty well together we do indeed consider future joint projects. This film was our first collaboration, our first film in general, so after we both finish our respective studies we hopefully meet again for another animated film!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „The Market of Lost Things

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Zaide Kutay und Christelle Serrano

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