„Wenn wir erst tanzen“ (2018)

 

Bühnenprobe aus dem Film „Wenn wir erst tanzen“

Filmkritik: Der in der Lausitz produzierte Film „Wenn wir erst tanzen“ (Deutschland, 2018), der auf dem 28. Cottbuser Filmfestival lief, ist eine Dokumentation über die Stadt Hoyerswerda, ihre Bewohner und darüber, wie das Tanztheater, unter der Leitung von Dirk Lienig, sie zusammengeschweißt hat.

2010 kehrte Dirk Lienig, Ballett- und Solotänzer, Choreograf und Regisseur, in seine Heimatstadt Hoyerswerda zurück und gründete dort eine Laien-Tanzgruppe. Nachdem sie das Stück „Eine Stadt tanzt“ erfolgreich einstudiert und u.a. auch in Dresden damit aufgetreten sind, machten sie sich daran, das zweite Stück „Le Sacre du Printemps“ von Igor Strawinsky zu inszenieren und investierten dafür nicht nur viele Proben, sondern steckten auch viel von ihren eigenen Biographien hinein. Die Tanzgruppe eröffnete den Tänzern einen neuen Zugang zur Welt und veränderte den Rhythmus der Stadt.

Grundrissdreh aus dem Film „Wenn wir erst tanzen“

Hoyerswerda war in DDR-Zeiten durch den Braunkohletagebau ein wirtschaftlich florierender Ort. Doch mit der Wende veränderten sich die ökonomischen Bedingungen und als es 1991 einen rassistisch geprägten Vorfall gab, schien das Bild von Hoyerswerda in Stein gemeißelt. Die sächsische Stadt steht für Arbeitslosigkeit, Rassismus und Abwanderung, welche seitdem unaufhörlich stattfindet. So schrumpft die Stadt immer weiter. Doch der Choreograph Dirk Lienig (*1970) kehrte nach 40 Jahren wieder in seine Heimatstadt zurück und will dem Verfall mit einem beherzten Projekt entgegentreten. Nach dem Motto ‘Eine Stadt tanzt’ gründete er eine Laientanzgruppe. Dabei baut der Tänzer Lienig die Brüche der Biographien seiner Tänzer mit in die Inszenierung und Choreographie ein.

Bühnenprobe im Film „Wenn wir erst tanzen“

Zusammen mit den beiden Regisseuren Dirk Heth (*1966) und Olaf Winkler (*1970) hält er das Projekt über lange Zeit dokumentarisch fest. Lässt die Personen nicht nur tanzen, sondern auch zu Wort kommen. Über die Zeit treten somit auch Veränderungen zu Tage. Der Dokumentarfilm zeigt nicht nur die Proben und die eindrucksvollen Tanzszenen, sondern hält auch die Einzelschicksale fest und zeigt den positiven Fortschritt in den Biographien der Tänzer und die Änderungen, welche die Stadt ergreifen. Damit schufen die drei Regisseure ein warmherziges, ehrliches Portrait einer Stadt und ihrer Bewohner, welche das Schicksal nicht so hinnehmen wollen und kämpfen. Doch die Tendenz ist nicht nur positiv, sondern zeigt auch die negativen Entwicklungen für Hoyerswerda und wie schwierig es ist den Verfall abzuwenden und wie anstrengend der Kampf dagegen ist. So ist die Dokumentation einerseits eine stimmige Tanzperformance und andererseits ein ungeschöntes Porträt einer sterbenden Stadt.

Vorführung aus dem Film „Wenn wir erst tanzen“

Fazit: Die Dokumentation „Wenn wir erst tanzen“ von Dirk Lienig, Dirk Heth und Olaf Winkler ist ein persönliches Herzensprojekt, was zeigt, was alles dahinter steckt und wie eine Stadt versucht sich gegen den Verfall zu wehren. Diese Botschaft ist, was Zuschauer über die Stadtgrenzen hinaus anspricht. Der Film ist persönlich, regional begrenzt und drückt wunderbar das Leben in einer ehemals ostdeutschen Großstadt aus.

Bewertung: 6/10

Trailer zum Film „Wenn wir erst tanzen“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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