„100 Dinge“ (2018)

Filmkritik: Florian David Fitz, der bereits als Schauspieler in Filmen wie „Hin und weg“ (2014) seine Vorliebe für ernste Stoffe im Komödiengewand gezeigt hat, übernimmt das auch für seine Filme, bei denen er Regie führt. So berichtet er in „Der geilste Tag“ (2016) von zwei sterbenskranken Männern, die sich noch ihre Träume erfüllen. Auch in seinem dritten Film – „100 Dinge“ (Deutschland, 2018) – steckt ein ernster Kern, doch weiß er auch hier diesen in schöne Bilder und mit viel Humor zu verpacken.

Die beiden Start-Up-Unternehmer Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) haben den Deal ihres Lebens abgeschlossen. In der darauf folgenden, rauschvollen Nacht beschließen sie, ohne ihr Hab und Gut auszukommen. Jeden Tag erhalten sie einen Gegenstand ihrer Wahl zurück. Dank einer Wette ihrer Mitarbeiter wird es auch gleich in die Tat umgesetzt und so erwachen beide splitterfasernackt in ihren Wohnungen. Jede Nacht pilgern sie zu den beiden Lagerräumen, in denen ihr ganzer Besitz verstaut ist. Dort lernen sie die geheimnisvolle Lucy (Miriam Stein) kennen, in die sich Toni sofort verliebt. Paul dagegen nutzt die Chance, sein Leben zu ändern und zu sich selbst zu finden. Doch das alte Konkurrenzdenken lässt die beiden eigentlich besten Freunde nicht los, denn die Wette zu verlieren, würde zu viel Verlust bedeuten.

Florian David Fitz und Moritz Bleibtreu

Florian David Fitz (*1974) und Matthias Schweighöfer (*1981) gehören zu den bekannten Namen unter den deutschen Schauspielern, welche dann irgendwann auch mit dem Regieführen begonnen haben. Dabei spielen sie die volle Bandbreite von Drama bis Komödien, wobei sie beide mehr ein Händchen für Komödien haben. So verwundert es nicht, dass ihre zweite Zusammenarbeit wieder eine Komödie geworden ist. Das Drehbuch für „100 Dinge“ schrieb Florian David Fitz und er geht damit einem Thema auf die Spur, was immer mehr ins Gespräch kommt.Es ist nicht nur in Lifestyle-Fragen eine zeitgenössischen Strömung auf Dinge zu verzichten, sondern auch in Dokumentationen wie „My Stuff“ (2013) von Petri Luukkainen und „Keeping and Saving or how to live“ von Digna Sinke (lief auf dem 61. DOK Leipzig). Fitz nähert sich dem Thema von einer anderen Seite und macht daraus keinen stark verkopften, sondern einen unterhaltsamen Film, der die Themen zwar nur anschneidet, aber dadurch eine größere Zuschauerschaft erreichen kann. Denn der Film bietet alles, was man sich von einer Komödie dieser Art wünscht: eine interessante Grundidee, vorhersehbare Wendungen, schrullige Nebencharaktere, etwas Liebe, etwas Zeitkritik und, bestimmt auch für viele Zuschauer wichtig, zwei attraktive Hauptdarsteller. Diese Mischung funktioniert, denn auch ohne tiefer schürfen zu müssen, stellt der Film (auch wenn ab und zu etwas zu plakativ) die richtigen Fragen, so dass bestimmt jeder Zuschauer über dieses Thema nachdenkt.

Katharina Thalbach

Handwerklich ist der Film stimmig umgesetzt. In Szene wird hier ein hippes Berlin gesetzt. Es zeigt eine Welt, die natürlich geschönt und von dem Blick zweier junger Start-Up-Unternehmer geprägt ist. Aber die Hauptstadt dient hier stimmig als Kulisse für die Geschichte und macht den materiellen Verlust deutlicher spürbar. Dem Zuschauer werden im Sinne einer deutschen Wohlfühl-Komödie die passenden Locations geboten. Einher geht das mit der guten Wahl der Schauspieler. In dem Nebenrollen kann man u.a. die großartige Katharina Thalbach (bekannt geworden durch „Die Blechtrommel“ (1979)) und Hannelore Elsner sehen. Getragen wird das von den beiden charmanten Hauptdarsteller Fitz und Schweighöfer, welche natürlich nicht immer nachvollziehbar handeln, aber als Team funktionieren und so den Humor gut transportieren, trotz des ein oder anderen Fremdschäm-Moments. So rundet die gefällige Inszenierung die leichtfüßige Geschichte ab und schneidet ein Thema an, das man auch ernsthafter betrachten könnte, aber auch nicht unbedingt muss.

Moritz Bleibtreu und Florian David Fitz

Fazit: „100 Dinge“ von Florian David Fitz, in den Hauptrollen mit ihm und Matthias Schweighöfer besetzt, wird souverän in einem hippen Berlin inszeniert und spielt mit dem Grundgedanken des materiellen Verzichts. Daraus zimmert der Regisseur und Drehbuchautor eine Standard-Komödie, welche aber die richtigen Impulse gibt und darüber hinaus ein breites Zielpublikum anspricht. Wenn man eine Schwäche für deutsche Wohlfühl-Komödien hat wird man sich mit diesem Film gut unterhalten fühlen.   

Bewertung: 6/10

Kinostart: 6. Dezember 2018 / DVD-Start: 29. Mai 2019

Trailer zum Film „100 Dinge“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu “„100 Dinge“ (2018)

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