Fünf Fragen an Felix Krisai

Regisseur Felix Krisai
© Felix Krisai

Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur und gelernten Kameramann Felix Krisai erzählt uns mehr von seinem Kurzfilm „Von oben“, wie er die einzelnen Genreelemente zusammenbrachte und was ihm bei der visuellen Gestaltung am Herzen lag.  

Dein Kurzfilm „Von oben“ ist ein spannender Genremix. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen? Ich selbst erkenne Elemente von Dramen, Thriller und Horrorfilmen.

Von Anfang an wollte ich einen Thriller machen. Dass der Film jetzt auch Horror-Elemente hat ist irgendwie Mittel zum Zweck und einfach so passiert. Welche Genres sonst enthalten sind weiß ich nicht – vielleicht Mystery? Auf jeden Fall sind das keine bewussten Entscheidungen, aber wir haben sehr wohl im Drehbuch-Prozess dann analysiert, ob wir die Geschichte dem Thriller-Genre entsprechend bauen.

Standbild aus dem Kurzfilm „Von Oben“

So haben wir geschaut ob das Element eigentlich in den Film passt? Oder ob wir an anderen Stellen noch ein Element brauchen? Aber zum Beispiel der Moment als die Tür zuknallt ist eine Aktion, die dem Kameramann eingefallen ist. Er hat mich in einem Gespräch darauf hingewiesen, dass die Wartezeit, während der Hausbesitzer in die Wohnung geht und Irene draußen wartet, zu lange ist. Da muss was passieren, hat er gesagt. Mir hat die Idee sofort gefallen, aber mein Co-Autor hatte Angst, dass wir auf diese Weise den Hausbesitzer verdächtig machen. Ich habe es dann riskiert und im Endeffekt ist es jetzt einer meiner Lieblings-Momente im Film.

Die Inszenierung gefällt mir auch visuell sehr gut. Wie hast Du Deinen Drehort gefunden und welches visuelle Konzept hast Du verfolgt?

Standbild aus dem Kurzfilm „Von Oben“

Die Bilder sind mir immer schon besonders wichtig gewesen. Ich habe selbst Kamera studiert und arbeite seit Jahren mit dem selben Kameramann zusammen. Wir verstehen uns „blind“ und einigen uns immer schnell auf die Bilder. Allerdings hatten wir diesmal den großartigen Vorteil, dass wir schon Monate vor Drehstart in die Wohnung konnten und dort die Einstellungen in Ruhe planen konnten. Das geht normalerweise nie, aber unser Produktionsleiter hat einen Glücksgriff gehabt: beide Wohnungen und der dazugehörige Flur waren an einer Location und standen uns monatelang zur Verfügung. Wir haben die Wohnung von Irene dann von Grund auf neu eingerichtet. Von der Wandfarbe bis zum letzten Dekorationselement. Nur die charakteristische Bambus-Tapete war schon da. Ebenfalls ein „Geschenk“! Ein sehr zentrales visuelles Konzept war (und ist) möglichst viele Dinge in einer Einstellung zu zeigen. Nicht immer gleich schneiden, sondern mit Schwenks, Fahrten, Vordergrund und Hintergrund zu arbeiten.

Die Wahl der Schauspieler hat mich auch überzeugt. Wie hast Du Deinen Cast gefunden?

Standbild aus dem Kurzfilm „Von Oben“

Es sind allesamt meine ersten Wünsche geworden. Ich kenne alle SchauspielerInnen aus Filmen und sie sind mir, als ich über die Besetzung nachgedacht habe, sofort eingefallen. Dann habe ich sie über ihre Agenturen angeschrieben, sie haben das Drehbuch gelesen und alle sofort zugesagt. Es war eine wunderbare Erfahrung und vor allem die Drehzeit war herzlich, schön und professionell. Obwohl alle – wie beim Studentenfilm üblich – ohne Gage gearbeitet haben.

Erzähl mir doch ein bisschen mehr von Dir. „Von oben“ ist Dein wievielter Kurzfilm? Und du hast auch schon sehr früh Deine Leidenschaft für Filme entdeckt, oder?  

Regisseur Felix Krisai und Michael Fuith

Ja, ich mache eigentlich seit ich 12 bin Kurzfilme mit dem Ziel eines Tages einen Langfilm drehen zu dürfen. Das war irgendwie immer das große Ziel und auf diesem Weg sind sicher ein Dutzend Kurzfilme entstanden. Früher noch mit einer kleinen Hobby-Kamera und Freunden, heute mit professionellem Equipment von der Uni und mit einem professionellen Team. Natürlich sind das größtenteils immer noch meine Freunde! „Von oben“ ist allerdings der erste Kurzfilm den wir auf richtig hohem Niveau gedreht haben: 40 Leute Team, enorm enger Zeitplan, namhafte Schauspieler und Schauspielerinnen. Ich muss sagen es war ein Traum!

Wie wird es jetzt bei Dir weitergehen? Welche Projekte sind schon in Planung?

Ich arbeite am Drehbuch zu meinem ersten Kurzfilm im Master-Studium. Das soll dann eigentlich eher in eine skurrilere, Science-Fiction-lastige Richtung gehen. Das wird dann ganz sicher ein Genre-Mix. Meine großen Vorbilder sind dabei Yorgos Lanthimos [Anmerk. der Red: Regisseur von „A Sacred Deer“ und „The Favourit“] oder auch Charlie Kaufman [Anm. d. Red: Regisseur von „Anomalisa“, „Vergiss mein nicht“]. Daneben arbeite ich beruflich teilweise auch als Kameramann oder unterstütze Uni-KollegInnen als Regieassistent.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension zum Kurzfilm „Von oben

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