Sieben Fragen an Alexander Peskador

© Ferdinand Koestler

Interview: Im Gespräch mit dem österreichischen Regisseur Alexander Peskador, der zusammen mit seinem Drehbuchschreiber Luigi Bennalone den Kurzfilm „Karneval der Kellner“, zu sehen auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival, realisierte, konnten wir mehr über die Liebe zu Kaffeehäusern, die Dreharbeiten und die unkonventionellen Art der Schauspielerauswahl erfahren.   

Deine Liebe zu Wiener Kaffeehäusern hat etwas damit zu tun, dass Du „Karneval der Kellner“ realisiert hast. Kannst Du mir etwas zur Entstehung erzählen?

Ich bin ein Mensch, der es nicht sonderlich lang in den eigenen vier Wänden aushält, vor allem nicht, wenn es darum geht länger konzentriert an einer Sache zu arbeiten. Lokale, in denen man ständig zur Konsumation genötigt wird, sind folglich mein größter Feind. Da bin ich auf Kaffeehäuser regelrecht angewiesen, wo man von Glück reden kann, wenn man überhaupt zum Bestellen kommt. Generell weiß man nie so recht, was einen bei einem Kaffeehausbesuch erwartet: Man trifft fast immer eigenartige Gestalten an, der Verputz bröckelt von der Wand und überhaupt scheint die ganze Einrichtung ein Eigenleben zu führen. Für das Kino, wo die Form gern auch mal zum Inhalt wird, ist das ein gefundenes Fressen. Mit der aufpolierten Tourismus-Variante von Kaffeehäusern hat meine Leidenschaft natürlich nicht wirklich etwas zu tun.

Ihr durftet in einem echten Kaffeehaus drehen. Wie muss ich mir die Dreharbeiten dafür vorstellen?

© Florian Aufreiter

Ich bin im dritten Wiener Gemeindebezirk aufgewachsen, und war dementsprechend schon in jungen Jahren oft im Café am Heumarkt anzutreffen. Das Lokal ist für mich eine Inkarnation aller Dinge, die ich an Kaffeehäusern liebe, und uns war eigentlich von Anfang an klar, dass wir den „Karneval der Kellner“ dort drehen wollen. Die Betreiber kamen uns da auch sehr entgegen, allerdings nur unter der Bedingung, dass wir den Film an einem Wochenende drehen, wenn das Lokal geschlossen hat. Nun sind zwei Drehtage unfassbar wenig Zeit, was uns zu strengster Ökonomie gezwungen hat: Wir haben das Drehbuch bewusst kurz gehalten und uns bei der Auflösung auf die Einstellungen beschränkt, die zum Erzählen der Geschichte unabdingbar sind. Stressig war’s trotzdem: Es gab kaum eine Einstellung, für die wir mehr als eine halbe Stunde Zeit hatten, und bis wir mit den letzten Aufräumarbeiten am Sonntag fertig waren, war es fünf Uhr früh. Der fertige Film ist für mich nach wie vor ein kleines Wunder, das vor allem der Tatsache zu verdanken ist, dass alle Departments innerhalb kürzester Zeit grandiose Arbeit geleistet haben.

Was lag Dir bei der Umsetzung – vor allem bei der visuellen Ausgestaltung – besonders am Herzen? Warum hast Du Dich für diese Art Masken entschieden?

© Florian Aufreiter

Der Charme von Wiener Kaffeehäusern zeichnet sich dadurch aus, dass der Zahn der Zeit an allem nagt. Man wird eigentlich permanent an die eigene Sterblichkeit erinnert. Deshalb erschien es uns richtig, einen Film zu machen, der aussieht, als ob er aus einer längst vergangenen Zeit stammt: mit Wählscheibentelefonen, Rauchschwaden und alten Polizeiuniformen. Mit den Tiermasken wollten wir unseren drei wortkargen Antihelden in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Persönlichkeit verleihen. Und dann haben diese Tiermasken natürlich auch etwas grundlegend Komisches: Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben wir uns immer wieder über unseren freien Willen definiert. Man sagt: „Der Mensch handelt auf Basis seiner Vernunft, während Tiere ihren Trieben ausgeliefert sind“. Der Gedanke, dass wir vielleicht auch nur Opfer unseres Schicksals sind, bereitet uns die größte Angst. Dass wir im Kino über Menschen lachen, denen furchtbare Dinge passieren, für die sie nichts können, ist nichts anderes als eine Abwehrreaktion. In Komödien geht es tatsächlich um sehr ernste Dinge.

Hast Du selbst Vorbilder, die Du auch mit Deinem Film zitierst?

Ferri ‚Pi‘ Trümmel

Ich habe nahezu meine gesamte Pubertät mit italienischen Genrefilmen aus den 1960er- und 70er-Jahren verbracht. Kaum eine Nation hat es so gut verstanden, den Dialog im Kino außen vor zu lassen und Geschichten durch Bilder zu erzählen. Das war unser Maßstab. Der Dialog im „Karneval der Kellner“ ist zu fast keinem Zeitpunkt sinnstiftend, viel mehr sorgt er für Verwirrung. Die eigentliche Geschichte spielt sich auf der Bildebene ab. Mir haben bereits einige Personen, die den Film gesehen haben, gesagt, dass ich offensichtlich ganz stark auf die österreichische Fernsehserie „Kottan ermittelt“ referenziere. Leider ist das bei mir eine schändliche Bildungslücke, die ich dringend zu stopfen gedenke.

Ich mochte auch die Wahl Deiner Darsteller. Hast Du sie über ein normales Casting gefunden?

Angelika Dolna

Das freut mich sehr! Ich versuche, wenn es nicht unbedingt sein muss, „normale“ Castings zu vermeiden; schließlich sind wir ein No-Budget-Projekt, und wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler schon unentgeltlich mitarbeiten, will ich sie nicht auch noch um ihre Rolle kämpfen lassen. Beim „Karneval“ ist mir das auch so gelungen: Fünf der sieben Darsteller kannte ich bereits persönlich, und die anderen beiden wurden mir von Freunden empfohlen. Manche würden meine Vorgangsweise vielleicht als lebensmüde bezeichnen, aber mir ist die zwischenmenschliche Komponente nun mal sehr wichtig. Es ist ein Unterschied, ob man sagt: „Ich hab hier eine Rolle, und vielleicht passt du da ganz gut rein, aber schauen wir mal…“, oder ob man an die Leute herantritt und ihnen klarmacht: „Ich will dich“. Das ist eine ganz andere Arbeitsgrundlage, die sich in meinen Augen auch auf das Schauspiel auswirkt.

Ich finde, Dein Film wirkt wie eine Episode aus einem Langfilm – schon mal drüber nachgedacht mehr draus zu machen?

Comedy Night – Crew & Cast von „Karneval der Kellner“

Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir uns an eine Grundregel von Kurzgeschichten gehalten haben: direkter Einstieg, offenes Ende. Natürlich wäre es reizvoll zu erfahren, wo unsere drei Figuren herkommen und wohin es sie als nächstes verschlägt. Ich will das aber lieber der Fantasie des Publikums überlassen. In meinen Augen tendieren viel zu viele Filmemacher zu einer epischen Breite, die oft völlig unangebracht ist. Da halte ich die Geschichte lieber kurz und knackig, und den Rest bauen sich die Zuschauer in ihren Köpfen zusammen.

Welche anderen Projekte stehen noch an?

Offen gestanden, weiß ich das noch nicht. Da ist wohl mal wieder ein Kaffeehausbesuch fällig.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Karneval der Kellner

2 Gedanken zu “Sieben Fragen an Alexander Peskador

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