„Glass“ (2019)

Filmkritik: Mit seinem Film „The Sixth Sense“ (1999) mauserte sich der Regisseur M. Night Shyamalan zum Ausnahmetalent. Doch seine folgenden Werke fielen sehr unterschiedlich aus, sodass man sich nicht einig war, ob man sie mögen oder doch eher verteufeln sollte. Zwei der besseren Werke – „Unbreakable – Unzerbrechlich“ (2000) und „Split“ (2016) führt er nun über 18 Jahre nach dem ersten Film in einem Universum zusammen, so dass „Glass“ (OT: „Glass“, USA, 2019) den Abschluss einer eigentlich bisher nicht dagewesen Superhelden-Trilogie darstellt. 

Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) leitet im Raven Hill Memorial Psychiatric Research Center eine besondere Abteilung, die sich mit Menschen beschäftigt, die sich für Superhelden halten. Schon lange verweilt Elijah Price (Samuel L. Jackson), der als Mr. Glass einen ganzen Zug entgleisen ließ, an diesem Ort. Durch die neueste Festnahme findet sich nun unfreiwillig auch David Dunn (Bruce Willis), Gegenspieler von Mr. Glass, in dieser Einrichtung wieder. An der Gruppensitzung nimmt auch Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) teil, der durch seine zehn Persönlichkeiten schlimme Verbrechen begangen hat. Price und Kevin, und vor allem die in ihm wohnende Bestie, beschließen der Welt zu zeigen, dass es wahre Superhelden gibt und sie nicht, wie Dr. Staple es vermutet unter einer schweren Störung leiden.

Samuel L. Jackson, James McAvoy und Bruce Willis
© Universal Pictures.

Im Jahr 2000 erzählte der in Indien geborene, amerikanische Regisseur M. Night Shyamalan (*1970) mit „Unbreakable – Unzertrennlich“ eine ungewöhnliche Heldengeschichte und lehrt den Zuschauer, dass ein Held immer einen Gegenspieler braucht. In seinem Film „Split“ verkörpert seine Figur Kevin alles Gute und Böse zugleich und macht ihn zu der unberechenbarsten, schizophrenen Persönlichkeit, die man bisher auf der Leinwand gesehen hat. Nach dem Ende des 2019 in den Kinos laufenden Films, wird auf einmal eine Verbindung zu dem 18 Jahre älteren Werk „Unbreakable“ hergestellt. In Glass findet diese sogenannte „Eastrail 177”-Trilogie nun ihren Abschluss. Der Filmemacher verbindet dabei einen auf Comic-Basis entstandenen Heldenfilm mit einem Psychothriller und versucht daraus etwas Neues zu kreieren. Sein erklärtes Ziel war eine Kampfansage an das Marvel-Universum und er versucht das Superhelden-Genre ganz ohne Spaß und mit viel Bodenständigkeit anzugehen. Wahrlich hat man wenig Spaß an dem Film, was aber nicht daran liegt, dass er zu ernsthaft ist, sondern zu festgefahren. Natürlich erwartet den Zuschauer ein klassischer Clou im ‚shyamalanischen‘ Sinne, doch mittlerweile und besonders hier kann man ihn (wenn auch nicht in seiner ganzen Form) vorhersehen. Allgemein fehlt es dem Film, so gut wie die Ausgangslage auch ist, am Voranschreiten und an einer wahren Storyline. Mit dem Filmende entsteht beim Zuschauer ein ‚Das war es schon?‘-Gefühl. So wurde leider das Potential dieser kreativen Zusammenlegung vom Drehbuchschreiber und Regisseur Shyamalan nicht ausgenutzt und steuert seine Geschichte auf eine zu belanglose Auflösung hin.

© Universal Pictures.

Da hilft es leider auch wenig, dass der Film sehr souverän umgesetzt ist. Denn die Figuren haben einen zu engen Käfig, um sich entfalten zu können und so findet keine charakterliche Entwicklung statt. Das gibt auch den gut ausgewählten Darstellern zu wenig Raum. James McAvoy, der ein erstaunlich vielseitiges Talent besitzt u.a. bewiesen in Filmen wie „Der letzte König von Schottland“ (2006), „Penelope“ (2006) und „Drecksau“ (2013), spielt auf faszinierende Weise die unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Figur, aber Neues über ihn und seine Psyche erfährt man hier nicht. Es wirkt wie ein reines Wiederholen und erneutes Präsentieren seiner Persönlichkeiten. Auch Bruce Willis („Stirb Langsam“ (1988), „Pulp Fiction“ (1994)) und Samuel L. Jackson („Jackie Brown“ (1997), „Captain Marvel“ (2019)) bekommen keine Tiefe oder Neuerungen in ihren Figuren, sondern wirken gefangen in ihrer oberflächlichen Zeichnung. Trotzdem würde man diesen Film auch nicht verstehen, wenn man die beiden Vorgänger nicht kennt. Das ist erstaunlich und zeigt gleichzeitig, dass der Film das bisher erzählte nicht vervollständigt, sondern eher wiederholt. Dafür sieht der Film ganz gut aus. Im Sinne des Realismus ist alles in gedeckten Farben gehalten, dreckige Live-Locations wurden gewählt, vor allem der Platz des Showdowns ist wahrlich unspektakulär. Man sieht dem Film an, was er sein wollte, doch mit einer zu schwachen Geschichte und auch etwas inszenatorischer Hybris verspielt Shyamalan die Chance, dem Superhelden-Genre etwas Neues hinzuzufügen und sogar Fans von „Unbreakable“ und „Split“ werden eher enttäuscht den Kinosaal verlassen.                

James McAvoy
© Universal Pictures.

Fazit: M. Night Shyamalans neuester Streich „Glass“, der seine beiden Filme „Unbreakable – Unzertrennlich“ und „Split“ zusammenführt, sollte ein großes, ernsthaftes Superhelden-Epos werden. Die Voraussetzungen waren da: Großartige Schauspieler und eine originelle Ausgangslage. Doch der Regisseur schafft es nicht eine packende Geschichte zu erzählen. Zu dünn, zu farblos und zu wenig in die Tiefe gehend ist der Abschluss der Trilogie geworden, den man zwar ohne die Vorgänger nicht verstehen kann, aber die ihn auch nicht gebraucht hätte. Hier scheiterte ein Filmemacher leider an seinen Ambitionen.

Bewertung: 5,5/10

Kinostart:17. Januar 2019 / DVD-Start: 23. Mai 2019

Trailer zum Kurzfilm „Glass“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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