„The Possession of Hannah Grace“ (2018)

Filmkritik: Der niederländische Filmemacher Diederik Van Rooijen gibt sein amerikanisches Debüt mit dem klassisch orientierten Horrorfilm „The Possession of Hannah Grace“ (OT: „The Possession of Hannah Grace“, USA, 2018). Dabei überzeugt er zwar nicht mit einer ausgefeilten Neuinterpretation des bekannten Stoffes, kann aber für spannende Grusel-Unterhaltung sorgen. 

Nach einem traumatischen Erlebnis zieht sich die Polizistin Megan (Shay Mitchell) aus der Gesellschaft zurück. Um wieder Fuß fassen zu können, besorgt ihr ihre Freundin und Sponsorin Lisa (Stana Katic) einen Job als Nachtwächterin in der städtische Leichenhalle. Anfänglich scheint ihr die Routine gut zu tun, bis die Leiche einer junger Frau (Kirby Johnson) eingeliefert wird. Ab diesem Zeitpunkt legt sich eine düstere Stimmung über die Leichenhalle und seltsame Dinge geschehen. Doch Megan betrachtet das Ganze rational und versucht zusammen mit ihrem Ex-Freund Andrew (Grey Damon) der Sache auf den Grund zugehen.

Shay Mitchell
© Sony Pictures

Als ein fest etabliertes Horror-Subgenre zählt der Exorzismus-Film. Begonnen hat das gefühlt mit William Friedkins „Der Exorzist“ (1973), der ein Beispiel und ein Zitatenschatz für viele weitere Filmen wurde, die sich danach mit Thema beschäftigten wie der Kurzfilm „The Cleansing Hour“ (2016) und „The Conjuring“ (2013)). Diese Filme folgen meist einem starken, gleichbleibenden Schema, doch „The Possession of Hannah Grace“ beginnt an einer anderen Stelle. Der Drehbuchschreiber Brian Sieve (u.a. Autor der „Scream“-Reihe (1996-2011)) und der niederländische Regisseur Diederik Van Rooijen (*1975) starten mit der erfolgreichen Exorzismus selbst und kommen dann erst über Umwege dahin zurück und zeigen, was danach mit einem derart malträtierten Körper passiert. Doch zuerst beschäftigt sich der Film mit seiner Hauptfigur Megan. Diese bekommt eine klassische, nicht klischeefreie Hintergrund-Geschichte, was sie dazu bewegt nachts in einem Leichenhaus zu arbeiten. Das erinnert natürlich sofort an den berühmten Film „Nightwatch“ (1994) von Ole Borendal und seinem amerikanischen Remake „Freeze – Alptraum Nachtwache“ (1997) mit Ewan McGregor in der Hauptrolle. Doch beide Filme haben nun schon ein paar Jahre auf den Buckel, so dass Van Roojiens Film als ein souveräner Aufguss für eine neue Kinogeneration angesehen werden kann. Wie auch seine Vorbilder lässt der Film sich Zeit die Geschichte seiner Figur zu erzählen und in spannenden, quälend langen Nächten die Station zu erkunden. Ohne viele Jump-Scares und unnötige Effekten schafft es der Film in den ersten zwei Dritteln subtilen Horror aufzubauen. Zuschauer, die eine höhere Schockrate gewöhnt sind, können mit dieser Inszenierungsart nicht viel anfangen. Doch gerade das macht die gute Wirkung des Films aus und das Hineinversetzen in die Figur möglich, die wirklich nur wenig tut, was man nicht versteht. Im letzten Drittel nimmt der Film dann an Fahrt auf und lässt das Talent der Tänzerin Kirby Johnson und mit einer wirklich eindringlichen Sound-Kulisse mit vielen knackenden Knochen die Spannung anziehen und auf ein Ende zusteuern, das nicht unbedingt überrascht, aber den Film souverän abschließt. 

Kirby Johnson
© Sony Pictures

Die bereits erwähnte sich Zeit lassende Inszenierung verwendet dafür die richtige Filmbilder. Sie überzeugen mit der Kühle des Leichenhauses, der stimmig dazu gewählten blauen Farbdramaturgie und einem gelungenen Spiel mit dem Licht, auch wenn die kreuzförmig angeordneten Deckenlampen ein Tick zu viel sind. Doch im Gesamten besticht die souveräne Handhabe des Settings und überzeugt mit guten Effekten am Ende. Dazu trägt auch die solide Schauspielerleistung bei. Schade nur, dass jemand wie Stana Katic, bekannt aus der Serie „Castle“ (2009-2016) nur so eine kleine, etwas undankbare Rolle bekommen hat. Als Hauptdarstellerin wählten sie Shay Mitchell, die durch die Serie „Pretty Little Liars“ (2010-2017) vor allem einem jüngeren Publikum vertraut ist und so die richtige Zielgruppe anspricht, die mit dem Regie-Debüt von Van Rooijen angesprochen werden sollen. Im Gesamten erfindet „The Possession of Hannah Grace“ das Rad zwar nicht neu, schuf aber einen unterhaltsamen, spannenden Film, der wunderbar an die Urängste appellieren kann. 

Shay Mitchell
© Sony Pictures

Fazit: Der Horrofilm „The Possession von Hannah Grace“ mit der Serien-Darstellerin Shay Mitchell in der Hauptrolle ist das Spielfilmdebüt des Regisseurs Diederik Van Rooijen präsentiert eine spannende Variation des Leichenhaus-Thrillers gemischt mit Exorzismus-Elementen. Er baut seine Spannung langsam auf und lässt sich Zeit das Innenleben seiner Figur und die einsamen Flure des Gebäudes zu erkunden und trumpft dann mit klassischer Horror-Unterhaltung am Ende auf. Wenn man sich darauf einlässt, dass hier nichts Neues geschaffen wird, sondern ein bekanntes Thema variiert wird, kann man damit wunderbar unterhalten werden.  

Bewertung: 6/10

Kinostart:31. Januar 2019 / DVD-Start: 13. Juni 2019

Trailer zum Kurzfilm „The Possession of Hannah Grace“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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