„Muil“ (2018)

Kurzfilm / Belgien / Fiktion / 2018

Filmkritik: Auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival lief im ‚Shock Block‘ der ungewöhnliche Horror-Short „Muil“ (ET: „Maw“), der vor allem psychologischen Horror präsentiert, denn der belgische Regisseur Jasper Vrancken nimmt den Zuschauer mit in die Tiefen des menschlichen Verstandes und die Abgründe der Fantasie.

Richard (Matthieu Sys) wird geplagt von einer ungewöhnlichen Fantasie. Der normale Alltag und alle Versuche, etwas Gleichwertiges zu finden, können ihm keine Befriedigung verschaffen. Als er auf Max (Pascal Maetens) trifft, der die gleiche Leidenschaft teilt, scheint sich sein Wunsch endlich zu erfüllen.

Pascal Maetens und Matthieu Sys

Der belgische Regisseur und Drehbuchschreiber Jasper Vrancken (*1979) interessiert sich sehr für die geheimen Fantasien und Abgründe der Menschen. Filme wie „Shame“ (2011) von Steve McQueen dienen dafür als Inspiration. Ursprünglich wollte er einen Film machen, über eine normale Frau, die gefangen gehalten wird und als Gynozon angebetet wird. Doch er entschied sich für seinen knapp 20-minütigen Kurzfilm für eine subtilere Geschichte und änderte das begehrte Objekt in ein Tier um. Statt offensichtlich die Begierde zu bebildern, nimmt der Regisseur die Zuschauer mit auf einen ungewissen Pfad. Erst nach und nach können wir in die Seele Richards blicken und sein außergewöhnliches Begehren erkennen. Auch schafft er es, den eigenen Zwiespalt diesbezüglich wunderbar einzufangen. Gespielt wird das hervorragend von dem belgischen Schauspieler Matthieu Sys (*1988), der mit seinen Gesicht das Hadern und Begehren seiner Figur wunderbar offenbart. Hinzu gesellt sich der bekannte Darsteller Pascal Maetens, der souverän den Kenner spielt und Richard in die düstere Welt lockt. Dies wurde auch bildtechnisch wunderbar eingefangen. Die Szenen bei dem Biest wurden in einer ehemaligen Militärzitadelle im belgischen Diest gedreht und stellen die perfekte Location für die Geschichte dar. Zusammen ergeben Story, Filmaufnahmen und die Schauspielerwahl ein rundes Bild, das im Gegensatz zu anderen Genre-Beiträgen den Sprung in unbekannte Gefilde wagt und damit den Zuschauer eindringlich verunsichern, unterhalten und fesseln kann.

Fazit: Der belgische Short „Muil“ von Jasper Vrancken ist das filmische Eintauchen in die düstere, menschliche Fantasie. Aus der Imagination heraus zieht er seinen Horror und baut eine dichte, bedrückende Stimmung auf, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Nach dem Ende des Films hat man den Wunsch in diese Untiefen weiter abtauchen zu können, so dass eine Langfilmvariante dieses Stoffes wünschenswert ist.  

Bewertung: 8,5/10

Trailer zum Kurzfilm „Muil“:

geschrieben von Doreen Matthei

Muil wurde bereits auf DVD veröffentlicht.

Quellen:

  • 20. Landshuter Kurzfilmfestival 2019 – Katalog (Programm ‚Shock Block‘)  
  • Doreen Matthei, ‚Sieben Fragen an Jasper Vrancken‘, testkammer.com, 2019
  • Website des Kurzfilms „Muil“ 
  • Website des Regisseurs Jasper Vrancken
  • Making-Of des Kurzfilms „Muil
  • Eintrag des Kurzfilms „Muil“ auf der Crowdfunding-Plattform Ulule.com
  • Barend de Voogd, ‚Interview met Jasper Vrancken‘, schokkendnieuws.nl, 2018 
  • Eintrag des Kurzfilms „Muil“ im Portal kortfilm.be

2 Gedanken zu “„Muil“ (2018)

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