Fünf Fragen an Thora Hilmarsdottir

Interview: Im Gespräch mit der isländischen Filmemacherin Thora Hilmarsdottir konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Frelsun“ (ET: „Salvation“), gesehen auf dem 20. Landshuter Kurzfilmfestival, erfahren, was bei der Umsetzung wichtig war und welche Projekte als nächstes in der Pipeline stehen.

The original english language interview is also available.

Vor kurzem lief der Spielfilm „Kindeswohl“ in den Kinos, der etwas Ähnliches thematisiert. Wie bist Du auf dieses Thema aufmerksam geworden? Hast Du reale Ereignisse beim Schreiben des Kurzfilms im Sinn gehabt?

„Kindeswohl“ war noch nicht erschienen, als wir das Drehbuch geschrieben haben, und ich habe erst kürzlich von diesem Film erfahren und will ihn unbedingt sehen. Während unserer Recherchen trafen wir uns mit einem Mädchen, das eine ehemalige Zeugin Jehovas ist, die einige erstaunliche Geschichten darüber hatte, wie sie davon wegging, und sie gab uns ein paar wirkliche Einblicke. Wir gingen auch zu ihrer Gemeinde in Island und sprachen mit ein paar Mitgliedern, während wir viel darüber recherchierten. Es war keine bestimmte Geschichte, die wir im Sinn hatten, aber ich erinnere mich, dass ich ein Interview über eine Frau gelesen habe, die erklärte, dass sie wirklich glaubte, dass eine Bluttransfusion Ihre Persönlichkeit verändern könnte, so dass das irgendwie unser Ausgangspunkt war. 

Hattest Du eine konkrete Glaubensgemeinschaft oder Sekte im Kopf? Und hattest Du die Möglichkeit im Vorfeld mit Mitgliedern über dieses Thema zu reden?

Ja, die Zeugen Jehovas, aber während unserer Recherchen wollten wir uns mit den Sekten insgesamt beschäftigen und herausfinden, wie blindlings Menschen etwas glauben können…. ein paar alte Wörter und Geschichten. Wir erwähnen aber nie, dass es eigentlich Zeugen Jehovas sind und wollten, dass es in gewisser Weise zurückhaltender ist.

Dein Stil scheint nah an der Realität zu bleiben. Was war Dir bei der Umsetzung wichtig?

Nun, ich denke, wir haben uns ziemlich viel kreative Freiheit genommen, um alles rund um den Kult zu gestalten. Ich wollte, dass es sich ziemlich kalt und unangenehm anfühlt, wie wir Sound, Production Desig, Lichter etc. verwenden. 

War es schwer die richtigen Darsteller zu finden und wie war es für diese sich in die Rollen hinein zu fühlen?

Nein, wir haben die Rolle mit der Hauptdarstellerin im Hinterkopf geschrieben, dann haben wir einige andere sehr gut etablierte isländische Schauspieler mit ins Boot geholt, die alle ein gewisses Interesse an dem Thema hatten und bereit waren, diese Reise mit uns zu unternehmen. 

Kannst Du mir zum Schluss ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie es bei Dir weitergehen wird.

Ich habe mein Studium an der Central St. Martins in London abgeschlossen und machte dann einige Musikvideos und Werbespots. „Frelsun“ ist mein zweiter Kurzfilm. Vor kurzem habe ich zwei Episoden in einer kommenden nordischen Noir-Netflix-Serie namens „Walhalla Murders“ gedreht. Ich habe einen Spielfilm in Arbeit namens „Women“, der eine Buchadaption ist, die schon mitten im Schreibprozess steckt, über den ich sehr begeistert bin. Ich lebe und arbeite sowohl in Island als auch in London, was eine tolle Mischung ist. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Frelsun


Interview: In our interview with Icelandic filmmaker Thora Hilmarsdottir, we were able to learn more about her short film „Frelsun“ (ET: „Salvation“), seen at the 20th Landshut Short Film Festival, what was important in its realization and which projects are coming up next for her.

Recently „The Children Act“ was in cinemas, which deals with something similar. Did you become aware of this film? Did you have real events in mind when writing the short film?

The Children act was not out when we wrote the script and I was only aware of it recently really want to see it.  

During our research we met up with a girl that is a former Jehova Witnesess that had some amazing stories of how she went out from it and she really gave us some inside into it. We also went into their congregation in Iceland and spoke to a few members alongside doing loads of research on it. It was not any one particular story that we had in mind but i remember reading an interview about a woman explaining that she really believed that getting a blood transfusion could change your personality so that was sort of our starting point. 

Did you have a specific religious community or sect in mind? And did you have the opportunity to talk to members about this topic in advance?

Yes so the Jehova Witnesses but during our research we wanted to look into cults overall and how people can believe something in blindness…some old words and history. We never mention that they are Jehovas Witnesses though and wanted it to be more observed in a way.  

Your style seems to remain close to reality. What was important to you during the implementation?

Well I think we took quite alot of creative freedom in a way with designing everything around the cult. I wanted it to feel quite cold and uncomfortable in the way we use sound, production design lights etc. 

Was it difficult to find the right actors and how was it for them to find their way into the roles?

No we wrote the part with the main actress in mind then we got some other very well established Icelandic actors on board with us they all had some interest in the topic and willing to go on this journey with us. 

At the end can you tell me a little bit more about yourself and how things will continue for you?

I graduated from Central St. Martins in London then been doing some music videos and commercials. „Frelsun“ is my second short film. I recently finished shooting 2 episodes in an upcoming nordic noir netflix series called Walhalla murders. I have a feature film called Women that is a book adaptation far along in the writing process so very excited about that. I live and work sort of both in Iceland and London wich is a great mix. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Frelsun“ 

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Thora Hilmarsdottir

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