Sieben Fragen an Corina Schwingruber Illić

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Interview: Im Gespräch mit der schweizer Filmemacherin Corina Schwingruber Illić konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „All inclusive“ erfahren, der Gast auf vielen Festivals ist u.a. in Leipzig, Regensburg etc. war, wie er entstand und was ihr bei der Umsetzung am Herzen lag.

All inclusive“ zeigt den Kreuzfahrttourismus auf eine sehr intensive Weise. Wie kam es zu der Idee?

Ich habe eine Freundin, die Meeresbiologin ist und in Dubrovnik lebt. Ich gehe sie dort jedes Jahr besuchen. Dies bestimmt schon seit 15 Jahren. Sie hat beim Hafen gewohnt. Es sind dann immer mehr und immer größere Schiffe gekommen. Ich habe jeweils am Morgen zugeschaut, wie sie die Touristen in die Stadt verfrachtet haben, wo sie alles verstopften. Anschließend wurden sie wieder zurückverfrachtet. Dort hatte ich die ersten Ideen und dachte, wie krass es ist, was sich die Menschen antun.

Wie bist Du das Projekt angegangen? Hast Du auf einer bestimmten Route gedreht?

Die Idee hatte ich bereits vor fünf Jahren. Richtig damit begonnen habe ich jedoch vor rund drei Jahren. 2016 ging ich zu Recherchezwecken einen Sommer lang an den Mittelmeerhäfen entlang, um die Schiffe von außen zu beobachten. Dann filmten wir zwei einwöchige Kreuzfahrten: Einmal Mittelmeer und einmal Karibik. 

Wieso hast Du Dich dafür entschieden den Film ohne Sprache zu drehen?

Ich wollte das Phänomen kommentarlos zeigen. 

Wie viel Material hast Du aufgenommen? Wie war der Schnitt?

Das weiß ich nicht mehr. Wohl etwa das 50-fache. Der Schnitt dauerte ewig, gerade weil nicht gesprochen wird, dauerte es sehr lange, bis die Dramaturgie funktionierte.

Ganz offensichtlich steckt auch Kritik in dem Kurzfilm – worauf wolltest Du besonders hinweisen? Du könntest Dir vermutlich auch nicht vorstellen, selbst mal an so einer Kreuzfahrt teilzunehmen?

Ich beziehe im Film selbst nicht aktiv Position. Diejenigen Leute, die es ähnlich sehen wie ich, werden es verstehen. Bei denen, die Kreuzschifffahrten toll finden, kann es durchaus sein, dass sie es auch im Film cool finden. Ich hoffe, dass sie im Innern dann doch finden, dass es eigentlich ein Wahnsinn ist. Ich wollte auch nicht zu fingerzeigerisch sein und das Phänomen mit Humor zeigen. Aber es ist für mich trotzdem wichtig, dass man beginnt, darüber zu diskutieren.

Dein Film lief in Venedig, Toronto, auf dem Sundance und gewann die Goldene Taube auf dem 61. DOK Leipzig. Warst Du überrascht, über die starke Festivalpräsenz Deines Films? Welche positive Nebeneffekte haben sich dadurch ergeben?

Ich war sehr überrascht, weil ich mich im Schnitt total verloren hatte und kaum mehr an den Film glaubte. Umso schöner ist nun die tolle Auswertung. Dadurch bekommen wir viele Anfragen und ich als Regisseurin habe auch schon ein paar Jobangebote aus Amerika bekommen, was für mich sehr ungewöhnlich war.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr über Dich erzählen? Wie wird es bei Dir weitergehen?

Das nächste große Projekt ist, bei „Dida“ weiterzumachen, einem Film über Nikola (meinen Mann) und seine pflegebedürftige Mutter, die in Belgrad lebt. Also über unser Leben zwischen hier in der Schweiz und Belgrad. Daneben plane ich, den Tourismus jetzt noch an Land einzufangen. Ich muss aber noch schauen, in welcher Form ich dies tun werde.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „All inclusive

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