Sechs Fragen an Basil Vogt

Letzte Artikel von Doreen Matthei (Alle anzeigen)

Interview: Im Interview mit dem schweizer Filmemacher Basil Vogt erfuhren wir mehr über seinen neuesten Kurzfilm „Duodrom“, gesehen auf den 30. Bamberger Kurzfilmtagen. Er erzählt von der ursprünglichen Entstehung der Geschichte, warum er sich für einen schwarz-weißen Zeichentrickstil entschieden hat und warum er dafür mit Modellen gearbeitet hat.

Deine Geschichte entstand aus etwas Persönliches heraus – kannst Du mir mehr zu den Ursprüngen Deines Films erzählen? Und warum Du Dich für diesen Titel entschieden hast.

Bedingt durch Erschöpfungszustände hatte ich das Gefühl, ich sei geteilt in zwei Figuren: ein schlaksiges Skelett und eine zusammengefallene Haut, die sich wie ein nasser Bodenlappen nebenher wälzt. Lässt sich mit diesen beiden Figuren eine Geschichte erzählen, welche sich um innere Gespaltenheit dreht?

Und wie verhält sich ein Mensch mit dieser Veranlagung in seinem Umfeld?

Einer, der sich beim kleinsten Schrecken in eine schüchterne Haut und in ein mutiges Skelett zerfällt, traut sich doch kaum mehr in die Öffentlichkeit. Wie können sich Haut und Skelett tarnen, damit sie nicht auffallen und niemanden erschrecken? Um Hindernisse zu überwinden nutzen die beiden ihre unterschiedlichen physischen Möglichkeiten: Das robuste Skelett wagt schon mal einen weiten Sprung oder die Haut flüchtet durch einen Türspalt. Doch, während die Haut durch die bestandenen Herausforderungen an Selbstvertrauen gewinnt, wird das Skelett zunehmend unsicherer und ängstlicher. 

So unterschiedlich die Charaktere auch sind, sie verfolgen das gleiche Ziel: sie wollen wieder zum Menschen fusionieren. Dies gelingt ihnen mit einer Art Kurztherapie, wenn beide damit einverstanden sind. Unser Protagonist hat sich einen Ort geschaffen, wo er auch in seinem geteilten Zustand vom sozialen Umfeld akzeptiert wird. 

Um eine Geschichte mit mehreren gleichberechtigten Hauptfiguren zu erzählen, bot sich die Dramaturgie des Buddy-Movies, des „Kumpel“-Films, an. Der Titel „Duodrom“ setzt sich aus den Wörtern duo (zu zweit, zweisam) und drom (Lauf) zusammen, es ist ein Lauf zu zweit.

Wie schnell hast Du den richtigen Stil für Deine Geschichte gefunden? Warum hast Du Dich für 2D und schwarz-weiß entschieden?

Damit die Figuren Mensch, Haut und Skelett sowie ihre Verwandlung visuell funktionieren wurde auf eine Füllfarbe verzichtet. Die einfache Linie definiert bei der Haut eine Fläche, das Skelett ist reduziert auf nur 20 Knochen, im Original wären es 206. Überraschend war, dass trotz ihrer einfachen Linienzeichnung die Haut in der Animation viel herausfordernder war, als die des vielteiligen Skeletts.

Eine Filmidee versuche ich mir jeweils in verschiedenen Umsetzungstechniken vorzustellen, doch schlussendlich war es der Zeichentrick, der diese Erzählwelt am direktesten behaupten kann.

Kannst Du mir mehr zur Umsetzung erzählen – Du hast mit Modellen gearbeitet, richtig?

Die Geschichte soll in einer möglichst authentischen Umgebung spielen, die Zeichnungen verpflichten sich der Realität. Mit der Stadt Aarau wählten wir einen Handlungsort aus der nahen Umgebung. Anstelle von Situationsplänen und Ansichten stellten wir einfache Kartonmodelle im Maßstab 1:32 her und verwendeten diese als verbindliche Referenzen der Schauorte. Mit den Modellen konnte auf einfache Weise die Bildeinstellung gefunden oder eine Kamerafahrt geplant werden.

In Deinem Film kommt Sprache nicht vor – warum hast Du Dich gegen Dialoge entschieden?

In frühen Drehbuchversionen waren den Figuren Stimmen in einer unbestimmten Sprache zugedacht. Wenn bei einer Geschichte ganz auf die Sprache verzichtet und nur durch die Körpersprache und die Mimik erzählt werden kann, ist dies eine tolle Herausforderung an die Animation und außerdem ist der Film somit Sprachbarrierefrei und lässt sich einfacher auswerten.

Kannst Du mir zum Schluss noch etwas mehr über Dich erzählen? Du beschäftigst Dich schon länger mit Animationen, richtig?

An der Animation interessiert mich das Beleben und Erzählen, aber auch das Experiment am bewegten Bild. Oft nutze ich die Mechaniken der Kino-Vorläufers um zeitgenössische Objekte zu bauen, welche Animationen ohne Bildschirme zeigen. So kommt es ab und zu vor, dass ich ein animiertes Exponat für ein Museum bauen darf.

Das Tüfteln und Konstruieren ist stets Bestandteil meiner Projekte, und Kollegen haben sich schon amüsiert: „Hast du ein neues Projekt oder fehlt dir noch die Erfindung dazu?“ Doch eigentlich sind es Re-findungen, denn alles war in einer Form schon da.

Stehen schon neue Projekte an?

Einige meiner frühen Arbeiten habe ich ausgehend von der Beobachtung eines Ortes gemacht. An diesem Punkt des Experimentierens möchte ich anknüpfen. Ein neuer Apparat ist in Kürze bereit für die experimentelle Bildaufnahme.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Duodrom

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.