„Booksmart“ (2019)

Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Booksmart“ (OT: „Booksmart“, USA, 2019) ist in seinem Kern ein klassischer Highschool-Party-Film, doch die Regisseurin Olivia Wilde setzt in ihrem Debüt nicht nur klugerweise zwei junge Frauen in das Zentrum des Geschehens, sondern schuf auch noch Tiefe mit viel Humor gepaart in einem eigentlich typischen flachen Unterhaltungsgenre. 

Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever) sind schon lange beste Freundinnen und haben erfolgreich und streberhaft die Highschool gemeistert, um sich an einer Elite-Universität bewerben zu können. Dafür haben sie selbstredend auf die üblichen Freizeit- und Partyaktivitäten verzichtet. Doch als sie nun am Ende der Schulzeit erkennen, dass die Party-Kids genauso auf gute Unis gehen, wird ihnen klar, dass sie etwas verpasst haben. So beschließen sie die letzte Nacht einmal richtig zu feiern und machen sich auf zu einer der großen Abschlussfeiern. 

Beanie Feldstein und Kaitlyn Dever

Die Schauspielerin Olivia Wilde, gesehen u.a. in der Serie „Doctor House“ (2007-2012) und „Tron: Legacy“ (2010), feierte mit „Booksmart“, was übersetzt „belesen“ bedeutet, ihr Regie-Debüt. In den Grundzügen erinnert ihr Film an den vor zwölf Jahren entstandenen Film „Superbad“ (2011), durch den Schauspieler wie Jonah Hill und Michael Cera Berühmtheit erlangt haben. Thematisch und mit dem gleichen Nerdfaktor versehen sind sich die beiden Filme ähnlich, doch Wilde fügt ihrem Film viel Weiblichkeit, zeitaktuelle Themen und vor allem wohlwollende Tiefe für alle Nebencharaktere hinzu. Denn sie schafft es alle Stereotypen – vom reichen Idioten bis hin zur superbösen Bitch – zu durchbrechen und ihnen mehr Profil zu geben, so dass es am Ende des Films keine reinen Umsympathen mehr gibt. Auch gegen den Strich gebürstet, ist die anfänglich innewohnende Arroganz der beiden Hauptfiguren, die uns nicht nur mit einer gewissen Nerdigkeit auf ihre Seite ziehen, sondern zunächst einmal abstoßend wirken, indem sie sich gefühlt über allen positionieren. Doch das verliert sich schnell und so erlebt man zusammen mit Amy und Molly ein wildes Abenteuer in einer Nacht, in der man nie weiß, wo die Reise gerade hingeht, nur dass vermutlich alles schief gehen wird, was schief gehen kann. Das Drehbuch dazu haben die vier Autorinnen Emily Halpern, Sarah Haskins, Susanna Fogel und Katie Silberman geschrieben und sie packten viele weibliche Themen und vor allem treffsicheren Humor in die Geschichte. So werden ganz wie nebenbei auch Themen wie Mobbing, Homosexualität und Drogenmissbrauch aufgegriffen. Das Drehbuch ist dabei sehr amüsant, klug, referenziell und bereitet vor allem viel Freude, was gelungen in der Regie aufgegriffen wird. 

Lisa Kudrow und Will Forte

Das dies auch so wunderbar funktioniert liegt auch an den beiden Hauptdarstellerinnen. Beanie Feldstein als etwas kräftigere Molly ist endlich einmal eine starke und autoritäre kurvige Frauenfigur, bei der das Gewicht eben keine Rolle spielt. Das ist so erfrischend und kommt so gut wie nie in amerikanischen Filmen vor. Doch nicht nur das: Feldstein spielt ihre Rolle mit so viel gutem Humor, einer fantastischen Mimik und der richtigen Mixtur aus Realismus und Übertreibungen, dass man ihr stundenlang bei ihrem Alltag folgen möchte. An ihrer Seite glänzt Kaitlyn Dever, die man bisher eher in dramatischeren Rollen wie in der Miniserie „Unbelievable“ (2019) gesehen hat und die jetzt hier ihre Chance bekommt ihr komisches Talent unter Beweis zu stellen. Unterstützt werden die beiden durch einen wunderbaren Nebencast, welche die Stereotypen ihrer Rollen zu sprengen wissen u.a. Skyler Gisondo („Santa Claritas Diet“ (2017-2019)) als versnobter, einsamer Wohlstandssohn. Aber auch Will Forte („Nebraska“ (2013)) und Lisa Kudrow („Friends“ (1994-2004)) persiflieren herrlich das moderne, offene Elternpaar. Abgerundet wird die Geschichte samt ihrer guten Besetzung von einer soliden Inszenierung und einer Stadt, in der alles möglich scheint, als Kulisse für das nächtliche Abenteuer. Besonders gelungen ist auch die Stop-Motion-Sequenz, in der die beiden sich dank Drogen in geschlechtslose Puppen verwandeln. Im Gesamten besticht der Film mit viel Humor, guten Ideen und Figuren, die alles andere als eindimensional sind. Wunderbar ist die durchweg weibliche Sichtweise und man merkt, dass dadurch ein anderer Ton angeschlagen wird und das Komödienfach auf keinen Fall nur den Männern vorbehalten ist und auch nicht sein sollte.

Beanie Feldstein und Kaitlyn Dever

Fazit: Der amerikanische Spielfilm „Booksmart“ ist das Regiedebüt der Schauspielerin Olivia Wilde. Sie schuf mit ihrer Komödie einen klassischen School-is-out-Party-Movie und wird nicht zu unrecht mit „Superbad“ verglichen. Doch die Geschichte aus der Hand von vier Autorinnen bringt frischen Wind mit und liefert wunderbare Unterhaltung, jedoch mit einem explizit weiblichen Standpunkt. Dafür sorgt nicht nur das Skript, sondern auch das großartige Zusammenspiel der beiden Hauptdarstellerinnen Feldstein und Dever. Im Gesamten ist „Booksmart“ eine klassische Komödie, die dem Genre aber einen anderen Drift gibt und damit bestens amüsieren kann.

Bewertung: 9/10

Kinostart: 14.11.2019 / DVD-Start: 15.05.2020

Trailer zum Film „Booksmart“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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