Fünf Fragen an Simon Ryninks

© Hanna-Katrina Jedrosz

Interview: Im Gespräch mit dem britischen Regisseur Simon Ryninks konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „The Plunge“, zu sehen auf dem ‚Open Air‘ des 32. Filmfest Dresdens, erfahren, warum er sich dafür entschied das Drehbuch von Omar Khan, der auch die Hauptrolle spielt, zu verfilmen, wie er das restliche Ensemble zusammenstellte und ob Improvisation auch eine Rolle spielte.  

The original english language interview is also available.

Wie kam es zu der Idee von „The Plunge“? Ging es Dir dabei auch Tabuthemen anzusprechen?

Ich habe mich nie als Filmemacher gesehen, der sich zu tabuisierten Themen hingezogen fühlt, aber ich bin gerne subversiv. Ich fühlte mich zu Omar Khans Drehbuch hingezogen, weil sich die Prämisse wie eine Sexkomödie anfühlte, aber die Geschichte eigentlich sehr süß ist. Der Sex dient der Komödie, aber in Wirklichkeit geht es im Film darum, wie neue Paare unangenehme Erfahrungen machen, indem sie versuchsweise Grenzen ausloten, um eine gegenseitige und liebevolle Intimität zu finden – das, was wir alle suchen. 

Besonders gelungen finde ich die Mischung aus Authentizität, Humor und dass man am Ende die Liebesgeschichte wirklich spüren kann. Lag Dir bei der Inszenierung genau diese Mischung am Herzen?

Ja, ich glaube, es war diese Mischung, die mich am meisten angesprochen hat. Die Prämisse des Films klingt viel kindischer, als sie tatsächlich ist, und es gefiel mir, dass er die Fähigkeit hatte, sein Publikum auf diese Weise zu überraschen, aber dennoch die Erwartungen erfüllte. Mein Hauptziel während des gesamten Prozesses war es, die Erzählung der Geschichte zu finden, die sich am lustigsten anfühlt, aber dennoch wahrheitsgetreu bleibt. Diese Kombination zu finden, war entscheidend. 

Kannst Du mir mehr zu den Dreharbeiten erzählen – u.a. wo und wie ihr gedreht habt und wie Du es geschafft hast, dass die DarstellerInnen so natürlich intim miteinander umgegangen sind.

Omar Khan und Lydia Wilson © Hanna-Katrina Jedrosz

Unser Budget war knapp, so dass wir nur zwei Tage Zeit hatten, um den Film zu drehen, und mit mehreren Ortswechseln war es kein einfacher Dreh. Außerdem drehten wir an einigen der heißesten Tage des Jahres 2018 und an sehr beengten Orten – es war also schweißtreibende Arbeit. Ich sehe es als meine Pflicht an, am Set eine ruhige und stille Atmosphäre aufrechtzuerhalten, in der die Herausforderungen der Produktion die Darstellungen oder das Erzählen der Geschichte nicht beeinträchtigen – daher bestand ein Teil davon nur darin, respektvoll mit den SchauspielerInnen zusammenzuarbeiten und gemeinsam das Thema geduldig und behutsam zu erforschen. Ich hatte Glück, dass Omar und Lydia abseits der Kamera wirklich gut zueinander fanden, da der ganze Film von ihrem Verhältnis abhängt. 

Apropos DarstellerInnen – kannst Du mir mehr zum Casting erzählen?

Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, die ich kenne und mit denen ich ein gutes Verständnis habe – das ist für mich entscheidend, um gute Arbeit zu schaffen. Ich habe schon früher mit Omar gearbeitet, wir sind gute Freunde, und Lydia Wilson ist die Freundin eines anderen meiner lieben Freunde. Ich glaube, sie ist eine der besten Schauspielerinnen unserer Generation – das war also ein Häkchen – und nach ein paar Gesprächen wusste ich, dass wir uns wunderbar verstehen würden. Omar hatte zuvor mit Sakuntala (die seine Mutter spielt) gearbeitet, und ich stimmte zu, dass sie großartig war. Die einzige Ausreißerin war Tamsin (welche die Apothekerin spielt), weil sie mit einer urkomischen selbst aufgenommenen Kassette vorgesprochen hatte. Aber nach ein paar gemeinsamen Kaffeepausen war klar, dass wir uns wirklich gut verstanden und dass sie eine großartige Energie zum Set mitbringen würde. Ich hatte unglaubliches Glück, eine so starke Besetzung zu haben, und fühlte mich vor allen sicher und sie vertrauten mir. Ich freue mich auf unsere nächste Zusammenarbeit.

Der Humor resultiert auch viel von den gelungenen Dialogen der Zwei – war alles gescriptet oder wurde auch improvisiert?

Omar Khan und Lydia Wilson © Hanna-Katrina Jedrosz

Das Drehbuch durchlief eine lange Entwicklungsphase, in der Omar und ich hart daran arbeiteten, es zu straffen und zu verfeinern und die Motive so weit wie möglich herauszuarbeiten. Die Eröffnungsszene (in der Jay sich auf das Date vorbereitet) wurde improvisiert, da wir keine Zeit hatten, das zu drehen, was an diesem Tag im Drehbuch stand, und einige Zeilen wurden während der Dreharbeiten improvisiert oder zu anderen Szenen hinzugefügt, um das Material frisch und lustig zu halten. In den meisten Fällen kam es jedoch auf Omars großartige Dialoge und seine ausgezeichnete Geschichtenidee an.

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und welche Projekte wir zukünftig erwarten können?

Ich mache Filme, die zart und lustig sind und sehr menschliche Geschichten erzählen. Ich fühle mich zu Geschichten hingezogen, die sanft politisch sind, aber vor allem unterhalten. Mein nächstes Projekt ist „Out There“, ein Spielfilm, den ich derzeit mit Unterstützung von Film Cymru Wales schreibe. Es ist eine Coming-of-Age-Science-Fiction-Geschichte, inspiriert von walisischen UFO-Sichtungen aus dem wirklichen Leben. Ich bin zum Teil Waliser und bin sehr daran interessiert, diesen Teil meines Erbes zu erforschen und darüber zu schreiben. Oberflächlich betrachtet hat es nicht viel mit „The Plunge“ gemein, aber es geht wieder darum, wie wir Intimität und Bedeutung in unseren Beziehungen finden. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Plunge


Interview: In conversation with the British director Simon Ryninks we could learn more about his short film “The Plunge“, shown at the ‘Open Air’ of the 32nd Filmfest Dresden, why he decided to film the script of Omar Khan, who also plays the leading role, how he put the rest of the ensemble together and if improvisation also played a role.  

How did the idea of “The Plunge” come about? Were you also interested in addressing taboo topics?

I’ve never thought of myself as a filmmaker who is drawn to taboo subject matter, but I do like to be subversive. I was drawn to Omar Khan’s script because the premise felt like a sex comedy, but the story is actually very sweet. The sex serves the comedy, but ithe film is really about how new couples navigate awkward experiences, tentatively testing boundaries, in order to find a mutual and loving intimacy – the thing we’re all seeking. 

I especially like the mixture of authenticity, humor and that you can really feel the love story at the end. Was it exactly this mixture that was close to your heart during the production?

Yes, I think it was this blend that appealed to me the most. The premise of the film sounds far more puerile than it actually is and I liked that it had the ability to surprise its audience in this way, but still delivered on the expectations. My main goal throughout the process was to find the telling of the story that felt most funny, but remained truthful. Finding this combination was crucial. 

Can you tell me more about the shooting – including where, how and how you shot the film and how you managed to make the actors and actresses interact with each other in such a natural and intimate way?

Our budget was tight, so we only had two days to shoot the film and with several unit moves it was not an easy shoot.  We were also shooting on some of the hottest days of 2018 and in very confined locations – so it was sweaty work. I see it as my duty to maintain a calm and quiet atmosphere on set, where the challenges of production don’t interfere with the performances or storytelling – so part of it was just remaining respectful with the actors and working together to explore the subject in a patient and gentle way. I was lucky that Omar and Lydia really clicked off camera as the whole film hinges on their rapport. 

Speaking of actors – can you tell me more about the casting?

I like working with people I know and have an understanding with – this is crucial for me to create good work. I’d worked with Omar before, we’re great friends, and Lydia Wilson is a friend of another of my dear friends. I think she’s one of the finest actors of our generation – so that was a tick – and after a few conversations I knew we would get on famously. Omar had worked with Sakuntala (who plays his mum) previously and I agreed that she was great. The only outlier was Tamsin (who plays the pharmacist) as she auditioned with a hilarious self tape. But after a couple of coffees together, it was clear we got on really well and that she would bring a great energy to set. I was incredibly lucky to have such a strong cast and felt safe and trusted by them all. I look forward to our next collaboration.

The humor also results a lot from the successful dialogues of the two – was everything scripted or were some things improvised?

The script underwent a long period of development where Omar and I worked hard to streamline and finesse it, drawing out the themes as much as possible. The opening scene (where Jay is getting ready for the date) was improvised as we didn’t have time to shoot what was in the script on the day, and some lines were improvised or added to other scenes during the shoot as a way of keeping the material fresh and funny. For the most part however, it came down to Omar’s great dialogue and his excellent story idea.

Finally, can you tell me a little more about yourself and what projects we can expect in the future?

I make films that are tender, funny and tell very human stories. I am drawn to stories that are gently political, but entertain above all else. My next project is “Out There”, a feature film which I am currently writing with support from Ffilm Cymru Wales. It’s a coming of age sci-fi story inspired by real life Welsh UFO sightings. I am part Welsh and am keen to explore and write about that part of my heritage. On the surface it doesn’t have much in common with “The Plunge” but it is, again, about how we find intimacy and meaning in our relationships. 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “The Plunge

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