„The New Mutants“ (2020)

Filmkritik: Der Marvel-Ableger „The New Mutants“ (OT: „The New Mutants“, USA, 2020 ) von Josh Boone wurde bereits vor einigen Jahren produziert, doch obwohl ihn Trailer im Kino immer wieder angekündigten, verschob sich das Startdatum durch einige Komplikationen schlussendlich auch durch Corona immer weiter. Jetzt ist er in den deutschen Kinos gestartet und präsentiert einen düsteren Superheldenfilm, der im X-Men-Universum angesiedelt ist.

Nachdem ihr ganzes Dorf zerstört wurde, wird Danielle Moonstar (Blu Hunt) in eine Klinik eingeliefert. Abgeschieden von der Außenwelt sollen dort Jugendliche unter der Führung von Dr. Reyes (Alice Braga) lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren. Doch schnell stellt sich heraus, dass dieser Ort einem Gefängnis gleicht und um sich daraus zu befreien, müssen sich diese fünf unterschiedlichen Teenager zusammentun. Dabei könnten die Kräfte der zickigen Illyana (Anja Taylor-Joy) genauso hilfreich sein, wie ein geheimer Ausweg, den Rahne (Maisie Williams), zu der Danielle ein zartes Band geknüpft hat, gefunden hat.

Anya Taylor-Joy

Von vorneherein war klar, dass „The New Mutants“ von Josh Boone (*1979), der schon früh die Comicvorlage für sich entdeckt hatte, nichts mit den bekannten Marvel-Welten oder dem Humor des ungewöhnlichen „Deadpool“ zu tun haben wird, sondern sich eher als düstere, dem Horror nahestehende Coming-of-Age-Geschichte gestalten wird. Wenn man dies im Blick hat, funktioniert dieser Film auch. Es handelt es sich hierbei nicht um Superhelden, sondern um Menschen mit besonderen Kräften, ob nun oder gut oder schlecht. Es sind keine Saubermänner und -frauen und sie haben auch noch keinen festen Platz im Leben. Den Hintergrund bildet düstere Ereignisse in den Leben der fünf ProtagonistInnen, welche so bereits alle eine Schuld in sich tragen. Hierin steht es den X-Men-Filmen, wie u.a. „Logan – The Wolverine“ (2017) nahe, wo es auch um eine nicht nur positive Auslegung von Kräften geht. Doch bei „The New Mutants“, ähnlich wie bei dem Außenseiter-Superheldenfilm „Glass“ (2019) von M. Night Shyamalan, konzentrieren sich alle Ereignisse, bis auf wenige Rückblenden auf einen Ort. Dadurch bekommt der Film etwas kammerspielartiges und wirkt wie ein Anti-Superheldenfilm: Konzentriert auf wenige Figuren und eine kurze Zeitspanne geht es hier vor allem um die Charaktere selbst. Wenn man sich auf solch eine Versuchsanordnung nicht einlassen will oder die Figuren und ihre Geschichte, welche stark mit Coming-of-Age-Aspekten verknüpft sind, nicht interessant findet, kann der Film nicht funktionieren. Doch wenn man dies als auf engen Raum gestaltete Coming-of-Age-Story mit Horror- und Superhelden-Elementen betrachtet, ist „The New Mutants“ gelungene Kinounterhaltung.

Anya-Taylor Joy

Dazu tragen natürlich auch viel die DarstellerInnen und der Look bei. Josh Boone, der bereits in seinem Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ mit jungen SchauspielerInnen zusammengearbeitet hat, versammelt hier einen Cast, den man vor allem aus Serien kennt. Außer Anya Taylor-Joy, welche mittlerweile eine starke Karriere mit Filmen wie „Split“ (2016), „Vollblüter“ (2017) und „Emma“ (2020) absolviert hat, spielen u.a. Game-of-Thrones-Star Maisie Williams sowie Charlie Heaton, den man aus „Stranger Things“ (seit 2016) kennt, mit. Zusammen sind ihre Figuren eine bunte Truppe, welche glücklicherweise nicht als typische Stereotypen aufgebaut wurden, sondern wunderbar vielschichtig sind. Hinzu kommt eine tadellose Inszenierung, welche die Klinik in einen Ort des Horrors verwandelt und am Ende auch mit einem großen CGI-Spektakel aufwartet. Schade, dass es zu keiner Fortsetzung kommen wird, denn es wäre mit Sicherheit spannend gewesen, zu sehen, wie sich die Geschichte dieser Truppe nach dem Ende des Films weiterentwickeln würde.

Maisie Williams, Henry Zaga, Blu Hunt, Charlie Heaton and Anya Taylor-Joy

Fazit: Der ungewöhnliche Superhelden-Film „The New Mutants“ von Josh Boone hat es endlich in die Kinos geschafft. Dabei überzeugt er mit einer Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, Superhelden-Elementen und Horror-Flair, die enge Begrenzung auf einen Ort, die ruhige Entwicklung, die Ergründung der Geschichten und der hervorragende Cast. Wenn man sich auf diese andere Art Superheldenfilm einlassen kann, bekommt man packende Unterhaltung mit ProtagonistInnen, welche man gern in weiteren Filmen wieder getroffen hätte.  

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 10. September 2020 / DVD-Start: 21. Januar 2021

Trailer zum Film „The New Mutants“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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