„Emma.“ (2020)

Filmkritik: Im Jahr 1816 veröffentlichte Jane Austen ihren Roman „Emma“. Als einer der beliebtesten Stoffe wurde ihr Buch bereits viele Male verfilmt, zuletzt mit Gwyneth Paltrow in der gleichnamigen Verfilmung von 1996. Jetzt macht die Regisseurin Autumn de Wilde das literarische Meisterwerk einer neuen Generation mit einer aktuellen Aufbereitung schmackhaft und verpasst der historischen Geschichte eine moderne Bildsprache: „Emma.“ (OT: „Emma.“, UK, 2020).

Die gerade einmal 20-jährige Emma (Anya Taylor-Joy) liebt nichts mehr als das neckische Spiel des Verkuppelns. Sie selbst will das nicht für sich, sondern bleibt lieber bei ihrem Vater Mr. Woodhouse (Bill Nighy) und liefert sich freundschaftliche Wortduelle mit ihrem Nachbarn George Knightley (Johnny Flynn). Als sie Harriet Smith (Mia Goth) kennenlernt, nimmt sie sie als ihren neuen Schützling auf und möchte aus ihr nicht nur eine feine Dame machen, sondern sie vor allem verkuppeln. Der Referent Mr. Elton (Josh O’Connor) scheint dafür besonders gut geeignet zu sein und so kann das vergnügliche Spiel um die Liebe beginnen.

Mia Goth und Anya Taylor-Joy
© Focus Features

Die Schriftstellerin Jane Austens (1775-1817) hat es geschafft, dass ihre Geschichten stets etwas Magisches, Humorvolles und ans Herzgehendes besitzen, so dass sich die Stoffe noch bis in die heutige Zeit für filmische Umsetzungen eignen. Ob es nun wie „Clueless“ (1995) direkt in die Gegenwart holt oder es historisch belassen wird. Die Regisseurin und Fotografin Autumn de Wilde (*1970), die sich bereits an vielen Musikvideos erprobt hat, entschied sich für eine historische Variante des Stoffes, doch so hat man Emma wohl noch nie gesehen. Dabei geht sie in stilistischer Hinsicht nicht so übertrieben vor, wie Yorgos Lanthimos mit „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (2018), sondern erweitert den Film, nur um eine pointierte Bildsprache und um Szenen, die man so bisher noch in keiner Jane-Austen-Verfilmung gesehen hat. So fängt sie u.a. die Langwierigkeit des Ankleidens und die Langweile bei Messen und gesellschaftlichen Abenden ein. Sie schafft es trotz einer starken Künstlichkeit etwas Menschlicheres und Echtes hineinzustecken. Ansonsten bleibt sie der Vorlage sehr treu und schafft es, die Geschichte von Emma mit neuem Schwung, viel guten Humor und einer vortrefflichen Inszenierung auf die Leinwände zu zaubern.     

Josh O’Connor
© Focus Features

Die Inszenierung funktioniert auch deshalb so gut, weil sie nicht nur eine perfekte Bildsprache bietet, die mit Panorama- und Nahsichten wunderbar Stimmungen einfängt, sondern auch aufgrund der Ausstattung und Locations und der hervorragenden Wahl der DarstellerInnen. Gedreht wurde der Film in Gloucestershire, England, und er fängt die vergangenen Zeit mit gewaltigen Häusern und prachtvollen Ausstattungen genauso gut ein, wie die ländliche Umgebung. In diesem Sinne laufen hier und da auch einmal ein paar Schafe durchs Bild. Auch in diesem Historienfilm ist die Kleidung von allergrößter Wichtigkeit. Die Kostüme sind hervorragend designt, mit amüsanten Details versehen und fangen den Charakter der Personen wunderbar ein. Die Schauspieler hatten also die perfekten Voraussetzungen, um die Geschichte in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und das schaffen sie auch. Allen voran die großartige Anya Taylor-Joy, bekannt aus „Vollblüter“ (2017) und „Glass“ (2019). Sie schafft es, die zerbrechlichen, mädchenhaften Züge genauso einzufangen, wie die kalte Arroganz, die aus scheinbarer Überlegenheit resultiert. Diese Rolle ist wie für sie geschaffen, besitzt ihr Gesicht doch die Züge von Anmut und abstoßender Arroganz gleichzeitig. Doch nicht nur das: An ihrer Seite spielen der Musiker Johnny Flynn, der durch die Netflix-Serie „Lovesick“ bekannt geworden ist, einen ebenbürtigen Partner und die Schauspielerin Mia Goth als ländliche Unschuld ist ein wunderbarer Kontrapunkt zu Taylor-Joys Rolle. Der Humor, der nicht nur in den Bildern und dem Wortwitz, sondern auch in einzelnen Gesten und Mimiken zu finden ist, wird vor allem durch die Rolle von Emmas Vater, verkörpert von Bill Nighy („Shaun of the Dead“ (2004), „The Limehouse Golem“ (2016))  transportiert. Das gesamte Ensemble ist bis in die kleinsten Rollen, u.a. trifft man auch die beiden Schauspieler Tanya Reynolds und Connor Swindells aus „Sex Education“ an, hervorragend besetzt, spielt mit viel Freude und erweckt die mittlerweile über 200 Jahre alten Figuren zum Leben. Zusammen mit der souveränen Inszenierung, den fantastischen Kostümen und der gesamten Ausstattung entstand eine Neuverfilmung Emmas, welche den Stoff für eine neue Generation belebt und für perfekte Kinounterhaltung sorgt.

Anya Taylor-Joy und Johnny Flynn
© Focus Features

Fazit: Der britische Spielfilm „Emma.“ ist die neueste Verfilmung des gleichnamigen Jane Austens-Stoffes. Die Regisseurin Autumn de Wilde gibt damit ihr Debüt und schafft es die beliebte Geschichte der Verkupplerin Emma, die selbst über das Thema Liebe erhaben ist, für neue Generation aufzuarbeiten. Dafür findet sie die richtige Bildsprache, mit dem richtigen Gespür für Details, Kameraarbeit und Räume, in denen sich die hervorragenden DarstellerInnen allen voran die großartige Anya Taylor-Joy bewegen. Ihr Spiel und die souveräne Inszenierung machen „Emma.“ zur perfekten Kinounterhaltung und bereiten Freunden von Austens Werk und auch allen anderen Zuschauern große Freude.

Bewertung: 9/10

Kinostart: 05.03.2020 / DVD-Start: 30. Dezember 2020

Trailer zum Film „Emma.“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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