Acht Fragen an Adriana Mrnjavac

Adriana Mrnjavac

Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin Adriana Mrnjavac konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Fischstäbchen“, der auf dem 42. Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 lief und beim Festival Junger Film mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde, erfahren, wie die Geschichte dazu entstand und was ihr bei der Inszenierung am Herzen lag. Zudem erzählt sie, wie sie ihre Darsteller gefunden hat und wie die Zusammenarbeit mit dem fünfjährigen Schauspieler funktionierte. 

Kannst Du mir zum Ausgangspunkt Deiner Geschichte erzählen? Basiert sie auf wahren Begebenheiten?

Die Geschichte basiert auf einer Beobachtung an einem Bahnhof in der Nähe meines Heimatdorfs. Ich sah einen sehr unbeholfenen jungen Mann – Kapuze über die Stirn gezogen – alleine am Bahnsteig stehen, ein paar Meter weiter eine junge Frau mit einem Kleinkind. Schlussendlich stellte sich heraus, dass die drei zusammengehörten, und es wirkte, als würde die Frau den kleinen Jungen dem Mann ein paar Tage übergeben. Sie sprach ein paar mutmachende Worte und dann stiegen der Mann und das Kind in den Zug. 

Es war ein rührender Anblick, der mich im Anschluss länger beschäftigte. Den wahren Kern dieser Zusammenkunft werde ich wohl nie erfahren, allerdings hat so die Idee erste Wurzeln geschlagen. 

In welchem Rahmen ist Dein Film entstanden – wie verliefen die Dreharbeiten?

Benedikt Haager

Der Film war ein Übungsprojekt an meiner Uni, der Filmakademie Wien. Die Dreharbeiten verliefen eigentlich relativ entspannt. Natürlich passieren immer hier und da Verzögerungen, aber wenn man mit Kindern drehen möchte, muss man ohnehin ausreichend Zeit einplanen. Das Team war spitze, einige von ihnen kannte ich bereits von früheren Projekten, die Vertrauensbasis war also bereits geschaffen. 

Was lag Dir visuell am Herzen? Ich denke, dass Authentizität eine große Rolle gespielt hat.

An sich experimentiere ich gerne auf visueller Ebene, allerdings bin ich auch der Meinung, dass das nicht bei jeder Geschichte so ganz angebracht ist. Simone Hart, die Kamerafrau, und ich entschieden uns diesen Film also möglichst bescheiden zu bebildern. Es gab einige Farbakzente, die sich durchgezogen haben, aber wir wollten alles möglichst unaufdringlich halten, etwas Anderes hätten wir nicht für passend erachtet. 

Dein Film lebt von dem starken Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller. Wie hast Du sie gefunden?

Jack Hofer

Jack Hofer, der den Vater spielte, war mir bereits durch einige Filme ins Auge gestochen. Bislang hatte ich bei meinen Projekten immer bereits konkrete Darsteller im Kopf und schneiderte gerne eine Rolle auf sie/ihn zu – auch bei diesem Film war das der Fall. Am Abend des Österreichischen Filmpreises liefen wir uns zufällig über den Weg. ich habe mich vorgestellt und ihm vom Projekt erzählt. Benedikt Haager kannte ich bereits von einem Casting von früher, ich wusste sofort, dass er die erste Wahl sein würde. Dass die beiden schlussendlich auch so gut harmoniert haben, war ein glücklicher Zufall.

Wie war es mit dem Kinderdarsteller Benedikt Haager zu arbeiten. Wie war sein Verständnis für die Rolle – wie schnell haben sie sich aufeinander eingespielt?

Jack und Benedikt hatten sich vor dem Dreh durch gemeinsame Ausflüge und Unternehmungen angenähert – das war mir sehr wichtig. Benedikt Haager war zum Zeitpunkt des Drehs fünf Jahre alt. Er ist ein Ausnahmetalent mit einem für sein Alter sehr ausgeprägtes Empathievermögen und die Arbeit mit ihm war sehr bereichernd und unproblematisch. Wir waren seiner Mama Helena sehr dankbar für ihre Flexibilität – sie war stets am Set und Benedikt hatte daher auch immer einen Rückzugsort. Nichtsdestotrotz ist er ein kleiner Junge, der wie viele andere in seinem Alter seine Spielpausen einfordert und an einem schönen Sommertag draußen Fußball spielen möchte – daher war uns dieser Ausgleich auch sehr wichtig. Es gab einen eigenen Kinderbetreuer, der in den Pausen mit ihm spielen war. 

Hast Du auch Improvisationen zugelassen?

Benedikt Haager und Jack Hofer

In der Rollenerarbeitung liebe ich es mit Improvisationen zu arbeiten und eventuell so noch einmal das Drehbuch zu adaptieren. Mit Jack Hofer war dieser Zugang ebenfalls sehr bereichernd und ich habe viel durch die Arbeit mit ihm gelernt. Am Set selbst drängt zumeist die Zeit, vor allem bei Studentenprojekten, daher ist es meistens sinnvoll, sich ans Buch zu halten – Auch weil man sich sonst – je nach Auflösung – anschlusstechnisch ein Bein stellen könnte und dann im Schnittraum dafür büßen muss. Es kann aber auch wunderbar funktionieren. Die Badezimmerszene mit dem Zaubertrick war beispielsweise improvisiert – ich überließ Jack die Initiative und das Resultat ist wirklich entzückend. Es kann sich lohnen, seinem Bauchgefühl nachzugeben. Wir haben auch an Drehtagen selbst schon Szenen aus dem Drehplan gestrichen, damit wir Spielraum für Improvisationen haben. Manchmal ergeben sich so die viel schöneren, ehrlicheren Szenen, als man sie je hätte schreiben können. 

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich war ein recht schüchternes Kind, das viel Zeit alleine zuhause mit Zeichnen und Malen verbracht hat. Längere Zeit glaubte ich, dass ich die Malerei auch beruflich verfolgen werden würde. Dann schwappte das Interesse irgendwann über zur Fotografie, Videoschnitt, Schauspielerei, Musik. Glücklicherweise merkte ich irgendwann, dass sich diese Interessen wohl am ehesten in der Tätigkeit des Regieführens vereinen lassen, das war eine schöne Erkenntnis. 

Benedikt Haager

Ich bin keinesfalls der Meinung, dass Regie nur Schauspielführung bedeutet – das ist wohl der relevanteste Teil, der die Basis des Projekts darstellt, aber es ist ein audiovisuelles Medium, das sehr viel Spielraum auf verschiedenen Ebenen bietet, welchen ich in Zukunft auch mehr nutzen möchte. 

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ja, ich arbeite bereits an einem neuen Projekt. Dieses wird inhaltlich und stilistisch eine 180 Grad Wende zu „Fischstäbchen“ sein, wo die Devise ‚weniger ist mehr‘ mein Zugang war. Ich habe nun aber lange nach einer Idee gesucht, die dem Team die Möglichkeit bietet, sich verspielter auf der Sound und Bild-Ebene auszutoben, aber ohne dass es aufgesetzt wirkt. Ich glaube dazu ist das Regie-Studium auch da, um sich auszuprobieren und hoffentlich seinen Stil zu finden. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Fischstäbchen

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.