„The Prom“ (2020)

Filmkritik: Der Regisseur und vor allem Serienschöpfer Ryan Murphy realisierte mit „The Prom“ (OT: „The Prom“, USA, 2020) nach zehn Jahren wieder einen Spielfilm, zu sehen auf Netflix, der sich mit viel guter Laune und Songs seinen bevorzugten Themen widmet.

Nachdem die letzte große Broadway-Show für Dee Dee Allen (Meryl Steep) und Barry Glickman (James Corden) gescheitert ist, wollen sie sich der öffentlichen Blamage nicht hingeben und brauchen unbedingt etwas um ihr Image wieder aufzupeppen. Zusammen mit dem Schauspieler Trent Oliver (Andrew Rannels) und der ewigen Zweitbesetzung Angie Dickinson (Nicole Kidman) entdecken sie in den sozialen Medien Emma (Jo Ellen Pellman). Diese lebt in Edgewater (Idaho), hat sich frisch geoutet und möchte nun zum Abschlussball ihre Freundin Alyssa (Ariana DeBose) mitbringen. Doch das Ball-Kommitee unter der strengen Führung von Ms. Greene (Kerry Washington) entscheidet, dass das nicht geht und sagt den Ball ganz ab. Die vier aufgetakelten Stars machen sich nun auf, die Institution Abschlussball – den Prom – für Emma zu retten.

Nicole Kidman und Jo Ellen Pellman

Basierend auf dem gleichnamigen Broadway-Musical von Matthew Sklar und Chad Benguelin hat der Regisseur Ryan Murphy, der vor allem für seine Serien wie „Glee“ (2009-2015), „The People v. O. J. Simpson“ (2016), „Ratched“ (2020) bekannt ist, seinen dritten Spielfilm realisiert. Nach einem Drehbuch von Benguelin und Bob Martin, die  zusammen 2016 auch die Bühnenvorlage geschrieben haben, wurde das Musical adaptiert und so wurden nicht nur die Songs eins zu eins übernommen, sondern auch die Geschichte. Zwei Erzählstränge vermischen sich in der Geschichte, welche beide unterschiedliche Elemente des Films bedienen. Zum einen haben wir hier die queere Liebesgeschichte der Highschool-Schülerin Emma und ihren Kampf um Gleichberechtigung. Dieser Teil soll ans Herz gehen und ist das Kernhandlung des Films. Die Stars vom New Yorker Broadway bilden den anderen Teil des Films, der um einiges weniger realistisch und gefühlvoll ist und vor allem den Humor liefern soll. Mit vielen Übertreibungen, Glitter und wenig Realitätsanspruch stürmen sie den kleinen Ort, bringen viel durcheinander und sorgen auch für einige Fremdschämmomente. Hier hat es die Witze-Schmiede von Zeit zu Zeit etwas zu weit getrieben, da durch eine zu starke Überzeichnung auch viel an Menschlichkeit verloren geht, was die eigentlich emotionale Geschichte leider zu sehr schmälert. Hier liegt auch der größte Schwachpunkt und es geht einiges an Charme verloren, weil sich der Film zu sehr von Emma weg bewegt und die Riege der eher unsympathischen Stars und ihre Allüren in den Vordergrund stellt. Doch der Film kriegt noch rechtzeitig die Kurve (vor allem durch die Songs), so kann jeder Fremdschäm-Moment mit den Szenen mit Emma wieder wettgemacht werden.

MELINDA SUE GORDON/NETFLIX

James Corden, Nicole Kidman, Meryl Streep und Keegan-Michael Key

Belebt wird der Film von seinen zahlreichen Musicalnummern. Die vielen Songs, welche aus dem Bühnenstück übernommen werden, bilden ein buntes Potpourri von Genres ab, passen sich ihren Performern gut an und haben unterschiedlichen Ohrwurmcharakter. Wunderbar sind die herzerwärmende Ballade „Unruly Heart“, vorgetragen von Emma als Aufruf für die Gleichstellung, und der eingängige Bekehrungssong „Love Thy Neighbor“. Mit viel Schwung oder wahlweise Glitter werden die Songs von den erfahrenen Sänger-Schauspielern performt. Größen wie Meryl Streep, welche durch Filme wie „Mamma Mia“ (2008) und „Into the Woods“ (2014) immer mehr Musicalerfahrung sammelt, und Nicole Kidman, die man bei „Moulin Rouge“ (2001) singen hörte, geben sich hier die Hand. Auch wenn der Cast nicht einhellig positiv aufgenommen wurde, vor allem James Corden als schwuler Broadway-Star zog viel Ärger auf sich, ist die Besetzung des jugendlichen Paares mit Jo Ellen Pellman und Ariana DeBose äußerst gelungen und bildet den emotionalen Ankerpunkt. Kerry Washington als überfürsorgliche Mutter kann hier ihrer Rolle in „Little Fires Everywhere“ (2020) wunderbar entgegen spielen. Im Gesamten ist der Cast sehr gut ausgewählt, erweckt die Figuren zum Leben und intoniert vor allem die Songs stimmig. 

Dazu kommt ein Tross an talentierten Tänzern und eine Kleinstadtidylle voller Farbe und Schönheit. Das trägt über alle Schwächen der Geschichte hinweg, welche eher Standardkost ist. Aber als FreundIn von Musicals kann man sich hier an viel eingängiger Musik und gelungener Performances erfreuen, so dass man Ryan Murphy für diese Langfilm-Variante seiner „Glee“-Serie dankbar ist.

Fazit: Der amerikanische von Netflix produzierte Spielfilm „The Prom“ ist Ryan Murphys Musical-Debüt in Langfilm-Variante. Er verpackt auch hier wieder wichtige Themen in ein Gewand aus Musik und Tanz. Als Bühnenadaption mit einem gut besetzten Cast, eingängigen Melodien und nur ein paar Fremdschäm-Momenten verbreitet der Film gute Laune und ist vor allem für Fans des Genres ein richtiges Feel-Good-Movie.  

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „The Prom“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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