„Glee“ (Staffel 1, 2009)

Serienkritik: Die amerikanische Serie „Glee“, deren ersten Staffel im 2011 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, wurde begeistert von Fans aufgenommen. So gab es neben den Staffeln u.a. einer Live-Tournee, einen Kinofilm und viele CD- und DVD-Verkäufe, und „Glee“  wurde über die gesamte Zeit zu einer äußerst erfolgreichen Musical-Serie ausgebaut, die in fünf weiteren Staffeln bis 2015 fortgesetzt wurde.

Die McKinley High wird, wie viele High Schools, von Footballern wie Finn (Cory Monteith) und Puck (Mark Salling) und den Cheerleaderin allen voran Quinn (Dianna Agron) und dem Coach Sue Sylvester (Jane Lynch) regiert. Die Unbeliebten und Außenseiter bekommen regelmäßig Slushies ins Gesicht oder werden in die Tonne geworfen. Als Will Schuester (Matthew James Morrison) sich einen Traum erfüllt indem er den ‚Glee‘-Club wieder ins Leben ruft, einen modernen Showchor, der auch an Wettbewerben teilnimmt, bekommen die Außenseiter einen neuen Ort, an dem sie endlich sie selbst sein können. So treffen dort u.a. die ehrgeizige Rachel (Lea Michele), der sich bisher noch nicht geoutete Kurt Hummel (Chris Colfer) und die übergewichtige Mercedes (Amber Riley) aufeinander. Schnell wird klar, dass die Truppe genug Potential hat. Doch um wirklich an den Wettbewerben teilzunehmen, die dann endlich den erhofften Ruhm und Status bringen, brauchen sie mehr Mitglieder und müssen besser zusammenwachsen, um als Chor zu überzeugen.

Chris Colfer, Matthew Morrison, Harry Shum Jr., Jenna Ushkowitz, Dianna Agron, Mark Salling, Naya Rivera, Heather Morris, Amber Riley und Kevin McHale

Das Genre Musical wird von den Film- und Serienguckern entweder gehasst oder geliebt. Mit „Moulin Rouge“ (2001) und „Chicago“ (2002) gab es Anfang der 2000er Jahre eine Erneuerung des Genres und es ist seitdem nicht mehr aus der Kinolandschaft verschwunden. Der Serienmacher Ryan Murphy (*1965), der u.a. „Nip / Tuck“ (2003-2010) kreiert hat und aktuell mit der neuen Serie „Hollywood“ (2020) zu sehen ist, schuf mit „Glee“ die erste, richtige Musicalserie. Doch ihm war es wichtig, dass Gesang- und Tanzeinlagen entweder nur in der Fantasie der Charaktere oder in einem realen Szenario wie beim Proben und Auftritten vorkommen. Trotzdem strotzt jede Episode, in der ersten Staffel sind es 22 Folgen, vor lauter Musik. Dabei wird munter alles aus der Popgeschichte aufgegriffen – bekannte Klassiker wie moderne Popsongs. Musikalisch ist hier für jeden was dabei und man bekommt bestimmt den einen oder anderen Ohrwurm, der einen ein paar Tage verfolgt. Doch die Songs werden nicht nur wie gewohnt dargeboten, sondern bekommen einen stark poppigen Glee-Charme und vor allem werden sie oft in Mashups zusammen gehauen. Wunderbar ist, dass der Einsatz der Songs, der fast auch auch emotionale Gründe hat, so sollte man hier auf die Texte achten, da sie meistens zur Verlängerung der Charakterisierung dienen. 

Jayma Mays und Matthew Morrison

Neben den Songs ist der bunte Mix an Außenseitern eine andere Stärke der Serie. Dabei werden absichtlich Stereotypen gezeichnet, mit denen man in diesem Genre wunderbar spielen kann. Aber schon in der ersten Staffel merkt man, dass sich hier noch viel entwickeln wird. In seinem Kern ist „Glee“ eine klassische Highschool-Geschichte mit typischen Entwicklungen, aber mit zwei entscheidenden Faktoren, die sich von anderen Filmen und Serien dieser Art unterscheiden. Hier wird kritisch auf das typische Nach-Ruhm-Streben von Teenager geblickt und andererseits werden direkt Schwächen aufgezeigt, nicht nur im Zwischenmenschlichen, sondern auch im Institutionellen. So ist hier auch gewiss nichts rosarot und nicht jeder Wettstreit geht gut für die Protagonisten aus. Die stereotypen Charakterentwicklungen und auch die klassische Böse-Gut-Zeichnung funktioniert in dieser Serie nicht und das ist unerwartet, macht Spaß und bietet der Serie ungeahnte Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Diese Mischung aus grandiosen Songs, einem wunderbaren Cast, den sich Murphy vor allem aus der Theaterwelt zusammengestellt hat, dem gelungenen Spiel mit Klischees und Stereotypen und vielen überdrehten, aber doch realitätsnahen Einfällen macht „Glee“ bereits in der ersten Staffel zu etwas Besonderem, so dass man nur gespannt sein kann, wie es im nächsten Jahr für die ins Herz geschlossene Showchorgruppe weitergehen wird.   

Mark Salling und Dianna Agron

Fazit: Die amerikanische High-School-Musical-Serie „Glee“ von Ryan Murphy besticht mit ihrer wunderbaren Mischung aus stereotypem Highschool-Leben, gewürzt mit Übertreibungen, aber gleichzeitig auch authentischen Schilderungen. Trotz viel tollen Gesangs- und Tanzszenen verläuft hier eben nicht alles rosig. So ist die erste Staffel pure Unterhaltung, welche ins Ohr geht, aber gleichzeitig sozial- und milieukritisch ist. Dass dies so wunderbar funktioniert, verdankt die Serie dem talentierten Cast, der guten Songauswahl und seiner schrillen Inszenierung.  

Bewertung: 5/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Glee“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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