„A Certain Kind of Silence“ (2019)

Filmkritik: Der tschechische Spielfilm „A Certain Kind of Silence“ (OT: „Tiche doteky“, Tschechische Republik, Niederlande, Lettland, 2019), der auf vielen Festivals zu sehen war u.a. auf der Onlineausgabe des 30. Filmfestivals Cottbus, überzeugt als unheimlicher Thriller über eine Sekte und macht die Macht der Manipulation deutlich.

Die junge Tschechin Michaela (Eliska Krenková) kommt als Au-pair in eine gutbürgerliche Familie. Die Eltern (Monic Hendrickx und Roeland Fernhout) bestimmen mit strenger Hand die einzelnen Tagesabläufe, in die sich nicht nur der zehnjährige Sohn Sebastian (Jacob Jutte) fügt, sondern schnell auch Mia. Bald wird sie unter dem starken Einfluss zu einem festen Bestandteil der Gemeinschaft und erfüllt mit emotionsloser Haltung ihre Pflicht.

Jacob Jutte und Eliska Krenková

Der psychologisierende Thriller stammt aus der Hand des tschechischen Regisseurs Michal Hogenauer (*1984), der auch das Drehbuch für den Film schrieb und hiermit sein Langfilmdebüt feiert. In diesem geht er der Frage von Macht durch Manipulation nach und beschäftigte sich in seinen vorhergehenden Recherchen intensiv mit den Anwendungsbereichen. Dabei stieß er schnell auf Sekten, welche ihre Mitglieder meistens mit psychischer Gewalt festhalten. So fand er die in Amerika gegründete Sekte ‚Die zwölf Stämme‘, welche im Jahr 2013 in Konflikt mit dem deutschen Staat gerieten und der in dem Zuge das Sorgerecht für 40 Kinder entzogen wurden. Die Grundstrukturen dieser Sekte, welche ihre Nachwuchs durch psychischen Druck aber auch durch Schläge aufzieht, diente als Ausgangslage. Zusammen mit der Au-pair Michaela wird die ZuschauerIn in diese Familie eingeführt. Wie sie ist man verwirrt und auch abgestoßen von den strengen Regeln und mit ihr zusammen entdeckt man das Grauen. Sehr spannend, packend unheimlich, aber nie auf Effekte getrimmt erzählt der Regisseur Hogenauer diese Geschichte.

Eliska Krenková

Absichtlich hält er dabei Umstände im Unklaren, u.a. man weiß man nicht in welchem Land sie sich befindet und wie weit sie von ihrem Zuhause entfernt ist. Durch einen internationalen Cast und einem Sprachenmix könnte es sich überall in Europa abspielen. Die Besetzung trägt neben der gelungenen, kühlen Ausgestaltung und den strengen Formensprache wesentlich zum Gelingen des Films bei. Die Figuren werden wunderbar undurchsichtig verkörpert, auch der Kinderdarsteller Jacob Jutte jagt einem regelmäßig Schauer über den Rücken. Mitten darin die junge Tschechin, verkörpert von Eliska Krenková, welche nach und nach eine unheimliche Wandlung erfährt und so die psychologische Tragweite der Manipulation deutlich macht. Durch und durch ist „A Certain Kind of Silence“ ein Film, der unter die Haut geht, fesselt und sich auf unterhaltsame Weise mit Manipulation und Macht auseinandersetzt.

Fazit: „A Certain Kind of Silence“ erzählt von der Kraft der Manipulation und konstruiert vor wahren Ereignissen wie diese eingesetzt wird, um Ziele zu erreichen. Der fein gesponnene Thriller zeichnet den Weg einer Au-pairs nach, welche dieser Macht unterliegt. Dabei ist die Besetzung genauso gelungen wie die visuelle und inszenatorische Ausgestaltung, so dass das Publikum schnell in deren Bann gezogen wird. 

Bewertung: 8/10

Trailer zum Film „A Certain Kind of Silence“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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