Acht Fragen an Ted Wiggin

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Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Filmemacher und Programmierer Ted Wiggin konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Lizard Ladder“, gesehen auf der Online-Ausgabe des Slamdance Film Festivals 2021, erfahren, wie die von ihm programmierte Software die Animationen und die Geschichte leiteten und wie wichtig der Ton für die finale Wirkung des Films ist. 

The original english language interview is also available.

Was war zuerst da – die Geschichte oder die Idee, wie Du es umsetzen willst?

In diesem Fall kam die Idee für die Technik vor der Idee für die Geschichte. Ich wollte zulassen, dass die Geschichte davon beeinflusst wird, was die maßgeschneiderte Animationssoftware kann und was nicht, also musste ich die Software entwickeln und ihre Stärken herausfinden, bevor ich die Erzählung des Films zusammenstellte.

Warum hast Du Dich für Schlange und Hund entschieden? 

Ich weiß es nicht wirklich! Das sind einfach Tiere, die ich oft zeichne, wenn ich meine Gedanken schweifen lasse.

Dein Film ist sehr interpretationsfreudig – hast Du selbst eine Botschaft, welche Dir am Herzen liegt, welche Du vermitteln möchtest?

Der Film ist sehr stark ein Ausdruck von Dingen, die ich zu der Zeit empfunden habe, als ich ihn gemacht habe. Aus diesem Grund interpretiere ich ihn immer noch selbst. Ich hoffe, er inspiriert die Menschen, darüber nachzudenken, wie sie harmonisch in ihren Gemeinschaften existieren können.

Kannst Du mir mehr zur technischen Realisierung erzählen?

Ich habe den Film mit einer speziellen Software in Max/MSP/Jitter erstellt. Die Software berechnet die Inbetweens automatisch, je nachdem, wie man die Linien und Formen in Ihren Keyframes zeichnet. Sie wird auch Lizard Ladder genannt und ist auf meiner Website frei verfügbar.

Welche visuelle Aspekte lagen Dir am Herzen? Dein Film erinnert ein wenig an ältere Computerspiele.

Zu einem großen Teil waren die visuellen Aspekte eine willkürliche Funktion der Technik, die ich verwenden wollte. Es ist zum Beispiel nicht verpixelt, weil ich Pixel liebe, sondern weil ich schnell arbeiten wollte und die Software langsam ist. Abgesehen davon waren die störenden, chaotischen Elemente sehr gewollt. Ich liebe es, wie Computer glitchende Felder erzeugen können, die unmöglich kompliziert und doch undurchschaubar geordnet sind.

Kannst Du mir auch ein bisschen mehr zum Ton des Films erzählen.

Ich liebe es, Ton für Filme zu machen. Ich habe mich schon immer für Elektroakustik und digitale Audiosynthese interessiert. Sounddesign ist schwer für mich, da ich mit den Feinheiten von Mixing und Mastering kämpfe. Der Ton hat einen so großen Einfluss darauf, wie sich die Animation liest. Sobald ich anfange, den Ton zu setzen, habe ich oft das Gefühl, dass ich die Animation zum ersten Mal sehe.

Kannst Du mir am Schluss noch mehr von Dir und Deiner Liebe zum Film erzählen.

Um ehrlich zu sein, waren die ersten Filme, die ich gemacht habe, Skateboard-Videos. In der Highschool hatte ich eine kleine Gemeinschaft von Freunden, die Skate-Videos machten.

Ich liebte es, mich selbst auszudrücken und meine Freunde mit Hilfe von Videos und einem Computer zu unterhalten. Mit Animationen kann man mehr ausdrücken als mit Skateboard-Videos (zumindest meiner Meinung nach), also habe ich angefangen, das zu machen. Es hat auch eine eigene Gemeinschaft geschaffen, weshalb ich immer noch Filme mache. Ich bin Kollektiven wie GLAS, Malt Adult, Hellavision, QAS und offen gesagt 24MemesPerSecond sehr dankbar, die dabei helfen, eigene Animations-Communities aufzubauen.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich bin jetzt wieder am Programmieren und versuche, meine Fähigkeiten zu verbessern, damit meine nächste Software schneller und zugänglicher wird. Ich arbeite mit Flood-Fill-Algorithmen, in der Hoffnung, dort expressives Potenzial zu finden. Dann werde ich hoffentlich einen weiteren Film damit machen!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Lizard Ladder


Interview: In conversation with American filmmaker Ted Wiggin, we were able to learn more about his short film “Lizard Ladder“, seen at the online edition of the 2021 Slamdance Film Festival, how the software he programmed guided the animations and story, and how important sound is to the final impact of the film. 

What came first – the story or the idea of how you want to realize it? What are the origins of the film?

In this case the idea for the technique came before the idea for the story. I wanted to allow the story to be informed by what the custom animation software could and could not do, so I needed to make the software and figure out its strengths before putting together the narrative of the film.

Why did you choose the snake and the dog? 

I don’t really know! These are just animals I tend to draw a lot when I let my mind wander.

Your film is very open to interpretation – do you yourself have a message that is close to your heart, that you wanted to convey?

The film is very much an expression of things I was feeling at the time when I made it. For that reason I’m still interpreting it myself. I hope it inspires people to think about how they can exist harmoniously in their communities.

Can you tell me about the technical realization?

I made the film on custom software built in Max/MSP/Jitter. The software calculates your inbetweens automatically according to how you draw the lines and shapes in your keyframes. It’s also called Lizard Ladder and it’s freely available on my website.

Which visual aspects were important to you? Your film reminds me a bit of older computer games.

To a large extent the visual aspects were an arbitrary function of the technique I wanted to use. For example it’s not pixelated because I love pixels but because I wanted to work fast and the software is slow. That said, the glitchy, chaotic elements were very deliberate. I love how computers can create glitchy fields that are impossibly complicated yet inscrutable.

Can you tell me a bit more about the sound of the film. How did you approach that aspect, what was important to you?

I love doing sound for films. I’ve always been interested in electroacoustics and digital audio synthesis. Sound design is hard for me since I struggle with the finer points of mixing and mastering. Sound has such a profound impact on how the animation reads. Once I start putting sound on it, I often feel like I’m seeing the animation for the first time.

Finally, can you tell me more about yourself how you came to make films?

To be honest the first films I made were skateboard videos– In high school I had a little community of friends around making skate videos. I loved being able to express myself and amuse my friends using video and a computer. One can express more things with animation than with skateboard videos (at least in my opinion) so I started doing that. It’s provided its own community too, which is why I still make films. I’m hugely grateful to collectives like GLAS, Malt Adult, Hellavision, QAS and frankly 24MemesPerSecond that help spearhead animation communities of their own.

Are there any new projects already planned?

I’m back to programming now, trying to improve my skills so my next software can be faster and more accessible. I’m working with flood fill algorithms, hoping to find expressive potential there. Then hopefully I’ll make another film with it!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Lizard Ladder

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