Sieben Fragen an Roland Puknat

Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur Roland Puknat konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Stillleben“ erfahren, der auf den 31. Bamberger Kurzfilmtagen 2021 im Wettbewerb lief, erfahren. Er erzählt davon wie er durch die Kunst von Anita Rée fand, das Glück hatte an Live Locations wie der Hamburger Kunsthalle selbst drehen zu dürfen und wie er visuell die Synästhesie seiner Hauptfigur umsetzte.

Wie bist Du auf die Geschichte des Hausmeisters Wilhelm Werner der Hamburger Kunsthalle gestoßen?

Ich habe die Geschichte während der Recherchen zu der Hamburger Künstlerin Anita Rée entdeckt, die eine super spannende Person war und in der NS-Zeit als ‚entartet‘ erklärt wurde. In einem Nebensatz wurde erwähnt, dass ein Hausmeister der Hamburger Kunsthalle sieben bedeutende Werke von ihr vor der Beschlagnahmung durch die Nazis gerettet hat. Als ich das gelesen habe, musste ich mehr darüber herausfinden – was bringt jemanden dazu, potentiell seine Sicherheit, wenn nicht sogar sein Leben, für Kunst zu riskieren?

Wie ging es danach weiter – in welchem Rahmen konntest Du Deinen Kurzfilm realisieren?

Zusammen mit meiner Co-Autorin Vivien Sali habe ich erstmal weitere Recherchen angestellt, bevor wir uns dann ans Schreiben gemacht haben. 

Zufälligerweise war zu diesem Zeitpunkt der nächste Einreichtermin bei der FFHSH (Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein) in zwei Wochen und ich dachte mir, warum probierst du es nicht einfach mal. Dann wurde das Projekt tatsächlich gefördert, was mich natürlich wahnsinnig gefreut hat und wofür ich sehr dankbar bin. Ich komme eigentlich aus der Werbung und das war der erste Förderantrag, den ich gestellt habe. 

Als nächstes sind, neben Vivien und meinem großartigen DoP Daniel Leibold, die das Projekt beide von Anfang an begleitet haben, Sandra Müller und Jonas Koch als Produzierende an Bord gekommen und die Dinge haben langsam ihren Lauf genommen.

Mit der Koproduktion von NDR/Arte (wieder etwas, wofür ich sehr dankbar bin!) war die Finanzierung komplett und wir konnten schließlich loslegen.

Gerade bei einem Kurzfilm stelle ich mir die Realisierung von historischen Stoffen schwieriger vor. Wie schwer war es, das stimmige Zeitkolorit umgesetzt zu bekommen? Habt ihr an Live Locations gedreht?

Das war tatsächlich ein ziemlich schwieriger Punkt. Historisch Drehen macht alles aufwändiger und auch teurer. Der Film war so nur realisierbar durch ein professionelles und super engagiertes Team, die das gefühlt Unmögliche möglich gemacht haben – und das in allen Departments, sei es Kostüm, Ausstattung, Make-Up etc.. Da haben alle echt bemerkenswerte Arbeit geleistet. Und dann kam noch dazu, dass wir tolle Unterstützung hatten, von der Kunsthalle, der Galerie Herold und dem Museum für Hamburgische Geschichte (und vielen mehr). 

Wir haben den gesamten Film on Location gedreht, unter anderem in der echten Kunsthalle, was für mich und für die Schauspieler*innen natürlich unglaublich wertvoll war.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Mir und dem DoP Daniel Leibold war ziemlich schnell klar, dass sich die Kamera für diese Geschichte sehr intim anfühlen und die Zuschauenden emotional nah an die Figuren heranbringen muss. Wir haben dazu mit verschiedenen Mitteln gespielt, wie Objektiven, der Einsatz von Handkamera, Licht und Farbgebung (die sich im Laufe der Geschichte verändern) etc.. 

Einen Punkt würde ich gerne noch gesondert hervorheben, auch wenn er mehr audiovisuell ist, er aber für mich eine Art Schlüssel für die Figur des Wilhelms darstellt, und zwar seine Sy­n­äs­the­sie. In seinem Fall ist es die Fähigkeit, Farben hören zu können, bei anderen Menschen kann das aber ganz andere Ausprägungen annehmen. Ein hochspannendes Thema und es hat großen Spaß gemacht, damit filmisch umzugehen. 

Kannst Du mir etwas zur Wahl Deiner DarstellerInnen sagen – hast Du sie über ein Casting gefunden?

Bei der Besetzung hat uns die tolle Casting-Directorin Silke Fintelmann unterstützt. Ich kannte fast alle Schauspieler*innen, die ich besetzt habe, vom Theater und wusste, dass sie großartig spielen. Deshalb haben wir uns vorher nur auf einen Kaffee getroffen und haben über die Rolle und das Projekt gesprochen. Letztlich hatte ich großes Glück, dass alle Lust hatten, dabei zu sein und alle ihre Rolle mit so viel Herzblut und Engagement gespielt haben!

Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Da mein Vater Künstler und meine Mutter gelernte Violinistin ist, war Kunst schon immer Teil meines Lebens. Als Jugendlicher habe ich angefangen, mit Freunden und einer Spiegelreflex mit Videofunktion zu experimentieren und habe erste ‚Kurzfilm-Gehversuche‘ gestartet. Nach der Schule habe ich eine Ausbildung bei einer Werbefilmproduktion gemacht und Erfahrung an professionellen Sets im In- und Ausland sammeln können. Jetzt im Nachhinein verbindet „Stillleben” all diese Punkte auf ganz schöne Art.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Vivien (die Co-Autorin) und ich haben versucht, die Corona-Zeit bestmöglich zu nutzen und sind wild am Stoffe entwickeln. Bei unserem aktuellsten Stoff geht es um Travestiekünstler*innen. 

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Stillleben

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.