31. Bamberger Kurzfilmtage 2021

8.-28. März 2021 / online

Festivalbericht: Auch die Bamberger Kurzfilmtage 2021 fanden in ihrer 31. Ausgabe ein paar Monate später als üblich nur in einer Online-Ausgabe statt. Man hatte als ZuschauerIn 20 Tage Zeit das kuratierte Programm mit 150 Kurzfilme aus 15 Ländern zu sehen. Dabei blieben sie sich treu und präsentierten Dokumentar-, Animations-, Experimental- und Spielfilme in einer guten Mischung. Zudem wurden sechs Bamberger Reiter aus Schokolade vergeben und das Programm schlussendlich mit Anmoderationen und Interviews abgerundet. 

Im Wettbewerb Dokumentarfilm gewann der Film „Heimspiel“ von Julia Groteclaes, der von der Umsiedlung mehrerer Dörfer wegen Tagebaustätten berichtet und mit dem Portrait der betroffenen Personen das Menschliche hinten solchen Projekten erfasst. Im Wettbewerb Dokumentarfilm, welcher zehn Kurzfilme umfasste, fiel auch der Kurzfilm „Übertiere“ von Bettina Sandhaeger auf, der sich auf philosophische und dokumentarische Weise mit der Frage nach dem richtigen Umgang mit Tieren beschäftigt. Auch der Publikumsliebling war unter den Dokumentarfilmen: Der Kurzfilm „Ein Volksfeind in China“ begleitet das Ensemble der Berliner Schaubühne bei der Inszenierung eines sehr politischen Stückes in China. Zudem konnte man neben dem ‚Wettbewerb Dokumentarfilm‘ noch zwei Sonderreihen zu den Ländern Nepal und Slowenien sehen. Dort fiel zum einen die Doku „For your Sake“ von Ronja Hemm auf, die sich mit der Ausbildung zweier junger Mädchen in Nepal beschäftigt und zeigt, wie sie einen anderen Weg einschlagen, als die Generationen von Frauen vor ihnen. Im Slowenien-Block überzeugte vor allem der humoristische „Trahere“, der die Liebe zum Traktor zelebrierte, sowie der bewegende, wunderschön fotografierte „Alzheimer Cafe“ von Martin Draksler. Auch im Regionalwettbewerb ‚Made in Oberfranken‘ gewann eine Dokumentation den Reiter. „Reflections Of Hope“ zeigt das Bamberger Symphonie-Orchester bei einem Heimkonzert und beschäftigt sich auf diese Weise mit der Corona-Pandemie. 

Auch in dem Gewinner des ‚Besten Spielfilm‘-Preises geht es um ein Orchester: „Das beste Orchester der Welt“ von Hennig Backhaus („Gute Nacht“ (2015)) erzählt von der Diskriminierung einer talentierten Socke und liefert damit eine gelungene Parabel auf Alltagsrassismus. Doch auch im Spielfilm-Wettbewerb fand man noch viele weitere Filme, welche begeistern konnten. So gab es viele Geschichten, welche nah an der Realität blieben und von ernsten Themen berichteten wie die Kurzfilme „Fabiu“ über einen osteuropäischen Pfleger, der die Gefühlswelt eines deutschen Rentners auf den Kopf stellt, oder „Das Urteil im Fall K.“, der von dem milden Umgang mit schuldigen Straftätern handelt. Auch der Film „Stillleben“ gibt eine wahre Geschichte aus Zeit des Nationalsozialismus wieder, in der der Hausmeister der Hamburger Kunsthalle Werke einer bedeutenden Künstlerin versteckte. Auch die Spielfilme „An Anna“, „Das Leben ist sonnig und schön“ und „Oh Sh*t“ bleiben nah an der Realität, finden aber eine gelungene cineastische Bildsprache, um ihren Geschichten zu erzählen. Der Regisseur Johannes Bachmann („Stilles Land Gutes Land“ (2018)) thematisiert das Leben als Filmstudent selbst in seinem Film „Der Film vom Propellermann“. Auch für Experimentalfilme wie „Eine gewisse Liebe zur Symmetrie“, ein philosophischer Extrakt über die berühmte Geste von Angela Merkel, und Animationsfilme wie den Gewinner des Bamberger Reiter für den Besten Animations-/Experimentalfilm – „Der natürliche Tod der Maus“ – waren im Wettbewerb vertreten. Auch in diesem Jahr durfte das Kinderprogramm nicht fehlen. Lohnenswert war darunter der kindgerechte Science-Fiction-Film „Der Hauptgewinn“ von Alice von Gwinner, der Animationsfilm „Cat Lake City“ und der Sieger des Wettbewerbs – „Nest“ von Sonja Rohleder -, der mit einer außergewöhnlichen Bildsprache und viel Gefühl für Rhythmus und Musik von einem Nestbau erzählt. So konnte man in allen Programme wunderbare Kurzfilme entdecken, egal ob man lieber Dokumentar-, Animation- oder Spielfilme mag.

Fazit: In diesem Jahr fand die 31. Ausgabe der Bamberger Kurzfilmtage viele Festivals online statt. Über drei Wochen gestreckt hatte man die Möglichkeit sich viele Kurzfilme aus dem deutschsprachigen Raum, sowie einige Sonderreihen mit internationalen Beiträgen u.a. aus Nepal und Slowenien anzusehen. Für schmales Geld stand den ZuschauerInnen ein attraktives Angebot zur Verfügung und so konnte man viele gute Kurzfilme entdecken, traf virtuell lieb gewonnene RegisseurInnen wieder und erweiterte mit einer Vielzahl von Themen wieder den eigenen Horizont.

Trailer der 31. Bamberger Kurzfilmtage 2021:

geschrieben von Doreen Matthei

Liste der erwähnten Filme:

  • „Alzheimer Cafe“ (OT: „Alzheimer Cafe“, 2019, Slowenien, Regie: Martin Draksler)
  • „An Anna“ (OT: „An Anna“, 2020, Deutschland, Regie: Denise Riedmayr)
  • „Cat Lake City“ (OT: „Cat Lake City“, 2019, Deutschland, Regie: Antje Heyn)
  • „Das beste Orchester der Welt“ (OT: „Das beste Orchester der Welt“, 2020, Deutschland, Regie: Hennig Backhaus)
  • „Das Leben ist sonnig und schön“ (OT: „Das Leben ist sonnig und schön“, 2020, Deutschland, Regie: Christian Zipfel)
  • „Das Urteil im Fall K.“ (OT: „Das Urteil im Fall K.“, 2020, Österreich, Regie: Özgür Anil)
  • „Der Film vom Propellermann“ (OT: „Der Film vom Propellermann“, 2020, Schweiz, Regie: Johannes Bachmann)
  • „Der Hauptgewinn“ (OT: „Der Hauptgewinn“, 2020, Deutschland, Regie: Alice von Gwinner)
  • „Der natürliche Tod der Maus“ (OT: „Der natürliche Tod der Maus“, 2020, Deutschland, Regie: Katharina Huber)
  • „Ein Volksfeind in China“ (OT: „Ein Volksfeind in China“, 2020, Deutschland, Regie: Matthias Schellenberg und Andreas Nickl)
  • „Eine gewisse Liebe zur Symmetrie“ (OT: „Eine gewisse Liebe zur Symmetrie“, 2019, Deutschland, Regie: Marlene Denningmann)
  • „Fabiu“ (OT: „Fabiu“, 2020, Österreich, Regie: Stefan Langthaler)
  • „For your Sake“ (OT: „For your Sake“, 2020, Deutschland, Regie: Ronja Hemm)
  • „Heimspiel“ (OT: „Heimspiel“, 2020, Deutschland, Regie: Julia Groteclaes)
  • „Nest“ (OT: „Nest“, 2019, Deutschland, Regie: Sonja Rohleder)
  • „Oh Sh*t“ (OT: „Oh Sh*t“, 2020, Deutschland, Regie: Elsa van Damke)
  • „Reflections Of Hope“ (OT: „Reflections Of Hope“, 2020, Deutschland, Regie: Eduard Resatsch)
  • „Stillleben“ (OT: „Stillleben“, 2020, Deutschland, Regie: Roland Puknat)
  • „Trahere“ (OT: „Trahere“, 2017, Slowenien, Regie: Jus Jeraj und Atila Urbancic)
  • „Übertiere“ (OT: „Übertiere“, 2020, Deutschland, Regie: Bettina Sandhaeger)

Liste der bereits rezensierten Filme: 

Quellen:

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