Acht Fragen an Diana Cam Van Nguyen

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Oliver Stasa

Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin Diana Cam Van Nguyen konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Love, Dad“, der auf dem 64. DOK Leipzig mit der Silbernen Taube im Wettbewerb um den Publikumspreis kurzer Dokumentar- und Animationsfilm ausgezeichnet wurde, erfahren, warum sie sich entschied einen autobiographischen Film zu erzählen und wie sie die Animationen und auch Live Action Szenen nutzte um die Geschichte von ihr und ihrem Vater zum Leben zu erwecken.

The original english language interview is also available.

Du erzählst einen sehr persönlichen Film – wie kam es dazu, dass Du Dich entschieden hast, die Geschichte von Dir und Deinem Vater filmisch aufzuarbeiten?

Ich habe die Briefe von meinem Vater aus den Jahren 2004-2005 aufbewahrt. In all den Jahren, als ich älter wurde, habe ich einfach vergessen, dass ich sie aufbewahrt habe. Vor kurzem habe ich sie wiedergefunden, und da kam mir die erste Idee für diesen Film. Als ich elf Jahre alt war, schrieb mir mein Vater Briefe aus dem Gefängnis, die voller Liebe waren. Ich wurde erwachsen, unsere Beziehung änderte sich und solche Liebesbeweise schienen zu verschwinden. Jetzt, 15 Jahre später, beantworte ich die Briefe meines Vaters aus dem Gefängnis, spreche seine Taten an, die unsere Familie am Ende zerbrechen ließen, und versuche, ihn zu verstehen. 

In welchem Rahmen und über welchen Zeitraum ist Dein Film entstanden?

Es ist mein Abschlussfilm von der FAMU. Aber es ist auch ein professioneller Kurzfilm, der von den Produktionsfirmen 13ka (tschechisch) und nutprodukcia (slowakisch) produziert wurde. Ich schreibe das, weil es ein Studentenfilm ist, aber ich habe einen professionellen Hintergrund mit staatlicher Förderung und all dem. Die Entwicklung des Films dauerte eineinhalb Jahre – es gab viele Versionen des Drehbuchs und viele Tests der Animationstechnik. Die Produktion und Postproduktion des Films dauerte etwa acht Monate. 

Wie groß war Dein Team, mit dem das Projekt umsetzen konntest?

Ich hatte ein großes Team – ein Live-Action-Team am Set und ein Animationsteam. Etwa 40 Leute am Set, insgesamt zehn Drehtage (zwei im Frühjahr, sechs im Sommer, zwei im Winter) und insgesamt fünf Animatoren. Die meisten meiner Teammitglieder waren noch Studenten, und viele von ihnen sind meine Freunde, mit denen ich schon früher zusammengearbeitet habe. Diesmal wurden sie alle bezahlt, das war großartig!

Faszinierend ist der Mix aus verschiedenen Animationstechniken – bitte erzähl mir dazu.

Ich betrachte mich als eine Regisseurin und Animatorin, die keinen eigenen künstlerischen Stil hat. Ich passe die Kunst an jeden Film an, je nach seinem Thema. Für „Love, Dad“ habe ich eine Papiercollage gewählt, weil das zentrale Thema Briefe sind. Ich wollte mit echten Briefen arbeiten, die mir mein Vater aus dem Gefängnis geschickt hat, um so die Authentizität zu bewahren. Die Kombination aus Papiercollage und ausgeschnittenen Figuren entwickelte sich nach und nach. Die Absicht war, mit Papierschichten zu arbeiten, die Schichten von Erinnerungen aus der Vergangenheit hervorrufen sollten – so entstanden diese Collagen. Auf diese Collagen setzen wir ersetzende Animation, Stop-Motion-Animation und Live-Action.

Ich hatte die Gelegenheit, während Apart einen Live-Action-Film auszuprobieren, und ich habe festgestellt, dass es mir Spaß macht, mit Menschen an einem Set zu drehen. Die Dreharbeiten zu „Love, Dad“ waren größer, professioneller und anspruchsvoller. Der größte Vor- und Nachteil dieser Technik ist, dass nicht viele Filme sie anwenden. Aber das mussten wir selbst herausfinden, und dem gingen eine Menge Versuche voraus. Ich muss zugeben, dass ich bis zum letzten Moment nicht sicher war, ob die Kombination funktionieren würde. Die Bereitschaft der Filmcrew, verschiedene Dinge auszuprobieren und die perfekte Lösung zu finden, hat einen großen Anteil am Endergebnis.

Du hast Dich auch entschieden geschauspielerte Filmaufnahmen einzubauen – wie kam es dazu?

Ich wollte, dass dieser eine Teil des Films, den wir ‚Whiteroom‘ nannten, anders ist. Es ist die einzige Szene, die in der Gegenwart spielt und in der man die Hauptfigur und ihre Gefühle sehen kann. Der Rest des Films beschäftigt sich mehr mit der Vergangenheit (Erinnerungen), also wollte ich, dass die Gegenwart besonders und anders ist. 

Noch ein persönliche Fragen: Hat sich die Sicht auf Deinen Vater durch den Film verändert?

Ja, auf jeden Fall. Dank des Films muss ich mich auf meine Gefühle konzentrieren, und ohne den Film würde ich das nicht tun. Es war eine wichtige Art der Therapie für mich, aber das war nicht von Anfang an meine Absicht. Es ist einfach passiert.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich bin Filmemacherin und lebe in Prag. Ich bin in Tschechien geboren, aber meine Eltern sind Vietnamesen, ich bin also die zweite Generation. Ich habe gerade meinen Abschluss an der FAMU (Akademie der darstellenden Künste in Prag) gemacht, wo ich Animation vom Bachelor bis zum Master studiert habe. In meinen Arbeiten konzentriere ich mich auf persönliche Themen mit den Mitteln des animierten Dokumentarfilms.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich bin gerade dabei, ein Drehbuch für einen Spielfilm zu schreiben. Es ist ein Live-Action-Film in Kombination mit einem Animationsfilm, und es wird ein langer Weg sein.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Love, Dad


Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin Diana Cam Van Nguyen konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Love, Dad“, der auf dem 64. DOK Leipzig mit der Silbernen Taube im Wettbewerb um den Publikumspreis kurzer Dokumentar- und Animationsfilm ausgezeichnet wurde, erfahren, warum sie sich entschied einen autobiographischen Film zu erzählen und wie sie die Animationen und auch Live Action Szenen nutzte um die Geschichte von ihr und ihrem Vater zum Leben zu erwecken.

You made a very personal film – how did you decide to tell the story of you and your father on film?

I kept the letters from my dad from 2004-2005. During these years when I get older I just forget that I was keeping them. I found them recently again and then the first idea of making this film came from. When I was 11 years old, my dad wrote letters to me from prison that were full of love. I grew up, our relationship changed and such acts of love seem to disappear.  Now, 15 years later I am answering dad´s letters from prison, addressing his deeds that made our family break up at the end and trying to understand him. 

In what context and over what period of time was your film made?

It’s my graduation film from FAMU. But also it’s a professional short film produced by professional production 13ka (czech) and nutprodukcia (slovak). I am writing this because it’s a student film but I have a professional background with state funding and all of this… Development of the film took one year and a half – there were a lot of versions of the script and lots of tests of the animation technique. Production and postproduction of the film took about 8 months. 

How large was your team with which you were able to realize the project?

I have a big team – one live-action crew on the set and one animation crew. Around 40 people on the set, 10 shooting days in total (2 in spring, 6 in summer, 2 in winter) and 5 animators in total. Most of my crew members were still students and a lot of them are my friends and we worked together before. This time all of them get paid, so that was great!

The mix of different animation techniques is fascinating – please tell me about it!

I consider myself a director and animator who does not have a signature artistic style. I adapt the art to every film, according to its theme. I chose a paper collage for “Love, Dad” because the central topic is letters. I wanted to work with real letters that my dad sent me from prison and thus preserve the authenticity. The combination of paper collage with cut-out figures developed gradually. The intention was to work with the layers of papers that would evoke layers of memories from the past – that is how this collages beegin. On the top of these collages we use replacing animation, stop motion animation and live-action. 

I had the opportunity to try out a live-action film during Apart, and I found out that I enjoy shooting with people on a set. The filming of “Love, Dad” was bigger, more professional and more challenging. The main advantage and disadvantage of this technique is that not a lot of films use it. However, we had to find out on our own, and that was preceded by a lot of trials. I must admit that I wasn’t sure whether the combination would work until the very last moment. The willingness of the film crew to try out different things and find the perfect solution played a large part in achieving the end result.

You also decided to include some acted film footage – how did that come about?

I wanted this one part of the film that we called “Whiteroom” to be different. It is the only scene that is happening in the present and you can see the main character and her emotions. The rest of the film is working more with the past (memories) so I want to have a present time to be special and different. 

One more personal question: Has your view of your father changed through the film?

Yes, definitely. Thanks to the film I have to focus on my feelings and without the film I wouldn’t do that. It was a big therapy for me but it wasn’t my intention from the beginning. It just happens.

Can you tell me a bit more about yourself at the end and how you came to the film?

I am a filmmaker based in Prague. Born in Czech but my parents are Vietnamese, so I am the second generation. I just freshly graduated from FAMU (Academy of Performing Arts in Prague) where I studied animation from bachelor to master. In my works I focus on personal topics through the means of animated documentary.

Are there already new projects planned?

I am in the beginning of writing a script for a feature film…It’s a live-action film combined with the animation and it is gonna be a long way to go :)

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “Love, Dad

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