„Macbeth“ (2021)

Filmkritik: Die letzte Verfilmung des Shakespeare-Stoffes „Macbeth“ liegt noch gar nicht so weit zurück und glänzte mit brutaler Dreckigkeit. Nun bringt Joel Coen, diesmal ohne seinen Bruder Ethan, den Stoff auf die heimischen Leinwände und wählt einen ganz und gar reduzierten Ansatz.

Lord Macbeth (Denzel Washington) bekommt von drei Hexen (Kathryn Hunter) die Weissagung, dass es seine Bestimmung ist, König von Schottland zu werden. Ihm und vor allem seiner Frau (Frances McDormand) ist schnell klar, dass gehandelt werden muss, um dieses Ziel zu erreichen und Macbeth geht immer rücksichtsloser vor, um seinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen.

Kathryn Hunter

Der 105-minütige Spielfilm „Macbeth“ ist bereits die 14. Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von William Shakespeare (1564-1616). Darunter befinden sich auch so bekannte Verfilmungen wie die von Orson Welles („Macbeth – Der Königsmörder“ (1948)), Akira Kurosawa („Das Schloss im Spinnwebwald“ (1957)), Roman Polanski („Macbeth“ (1971)) und die neuere Verfilmung mit Michael Fassbender („Macbeth“ (2015)) in der Hauptrolle. Nur sechs Jahre nach dem letzten Film, nimmt sich Joel Coen (*1954) des Stoffes an. Zusammen mit seinem Bruder erlangte das Regie-Duo mit Filmen wie „Fargo“ (1996), „The Big Lebowski“ (1998), „O Brother, Where Art Thou?“ (2000) oder „The Ballad of Buster Scruggs“ (2018) Berühmtheit und etablierte trotz verschiedener Genre seinen Stil. Joel Coen löst sich mit dieser Verfilmung beinah komplett von seinem Bruder. Man kann diesen Film wahrlich nicht als einen typischen Coen-Film bezeichnen, denn er reduziert und verzichtet auf vieles. Auf narrativer Ebene bleibt er dem Stück treu und bedient sich derselben Sprache, um die einzelnen Stationen des Machtgewinns von Macbeth zu erzählen. Dabei fehlt es dieser Geschichte an Schwung, denn zu berechenbar ist der Verlauf (kein Wunder man kennt die Vorlage nur allzu gut) und die Antipathien treten hier noch stärker hervor.

Denzel Washington und Frances McDormand

Auch die Inszenierung verstärkt die Wirkung des Films. Zwar konnte er mit diesem Stil eine Nominierung für die ‚Beste Kamera‘ und das ‚Beste Szenenbild‘ bei der 94. Oscarverleihung erhalten, doch betont die Optik nur das Gefühl der Leere und Emotionslosigkeit seiner Figuren. Denn in diesem Film sind die Orte leblose Beton-Festungen, alles wird in hartem Licht und in Schwarz-weiß festgehalten. Vermutlich war das die Absicht dahinter, doch es schafft eine kaum überbrückbare Distanz zu den Figuren, deren Zugang eh schon durch die Originalsprache erschwert wird. So plätschert die bekannte Geschichte dahin und man verliert mit jeder neuen Intrige mehr das Interesse. Auch ist die Wahl des Hauptdarstellers Denzel Washington („Malcolm X“ (1992), „Flight“ (2012)), der hierfür auch eine Oscarnominierung erhielt, nicht gelungen. Seine letzten Filmauftritte, wie in „Fences“ (2016), wirken alle so, als er ob er unbedingt einen Oscar gewinnen will. Während er sich bei manchen Rollen überengagiert, ist er hier einfach nur ein Spielball der anderen vor allem seiner Frau und bleibt dabei meist regungslos. So rezitiert er die Texte beinah lieblos. Auch Frances McDormand, welche immer wieder mit ihren Rollen in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017) oder „Nomadland“ (2020) begeisterte, schafft es nicht so Recht die Ehefrau, die Strippenzieherin, zum Leben zu erwecken. Daran ist bestimmt zum großen Teil die theaterhafte Inszenierung schuld. Beinah unmöglich scheint es in einer Welt, leer und nur voller Beton, das Menschsein mit all seinen Verfehlungen einzufangen. So kommt bei dieser Verfilmung einfach keine Spannung oder andere Gefühlsregung auf und sie dient wahrlich nicht dazu, Unwissende von der Kraft der shakespeareschen Vorlage zu überzeugen.

Denzel Washington

Fazit: „Macbeth“ ist die 14. Verfilmung des bekannten Shakespeare Stoffes. In dem ersten Film ohne seinen Bruder wählt Joel Coen ein minimalistische Herangehensweise, verlässt sich auf die Wirkung der Sprache und erschafft eine Theaterbühne aus Schwarz-Weiß und Beton. Dort schaffen es Schauspieler:innen wie Frances McDormand und Denzel Washington aber nicht, die Geschichte zum Leben zu erwecken, und so bleibt alles kühl, steif und beim Publikum kommt ein Gefühl von Langeweile auf.

Bewertung: 5/10

Kinostart: 25. Dezember 2021 / Streaming auf Apple TV+

Trailer zum Film „Macbeth“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.